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10.05.2013

07:23 Uhr

Energiekonzern in Brasilien

Eon-Finanzchef fürchtet kein Debakel wie bei Thyssen

ExklusivDer Stahlkonzern Thyssen-Krupp hat mit einem Werk in Brasilien Schiffbruch erlitten. Der Energiekonzern Eon investiert auch in dem Land, doch Finanzchef Marcus Schenck hält das Risiko für kalkulierbar.

Eon-Zentrale in Düsseldorf. dpa

Eon-Zentrale in Düsseldorf.

DüsseldorfDer Energiekonzern Eon verspricht den Aktionären, dass sich die umstrittene Expansion in ferne Länder auszahlt. „Wir wollen mittelfristig 25 Prozent des nachhaltigen Konzernüberschusses außerhalb Europas verdienen, das heißt in den USA, Russland und unseren neuen Märkten Brasilien und der Türkei“, sagte Finanzvorstand Marcus Schenck dem Handelsblatt (Freitagausgabe). „Ich bin zuversichtlich, dass uns das in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts gelingen wird.“

Weil in Westeuropa der Strombedarf allenfalls stagniert, wagt sich Eon in zwei Schwellenländer vor — die Türkei und Brasilien. Während die Türkei bei den Aktionären auf Wohlwollen stößt, gibt es gegenüber dem fernen Südamerika Vorbehalte. Auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche äußerten Aktionärsvertreter die Befürchtung, dass Eon ein ähnliches Debakel erleben könnte wie Thyssen-Krupp.

„Das finanzielle Risiko ist kalkulierbar“, hält Schenck Kritikern entgegen: „Die Gefahr, dass der Investitionsbedarf in Brasilien aus dem Ruder läuft, gibt es nicht.“ Nach Schencks Worten kommen auf das Joint-Venture MPX, an dem Eon beteiligt ist, zwar hohe Investitionen zu, die aber kalkulierbar seien. Er taxiert sie auf grob zehn bis zwölf Milliarden Euro. 70 Prozent würden fremdfinanziert. Den Rest oder ungefähr 400 Millionen Euro pro Jahr müsse MPX aus dem Cash Flow oder durch Eigenkapital finanzieren. „Das ist gut machbar.“

Eon gehe Schritt für Schritt vor, sagte Schenck: „Wir bauen ein Kraftwerk nach dem anderen.“ Jedes Projekt habe dabei durchschnittlich eine überschaubare Investitionssumme von rund einer halben bis eine Milliarde Euro. Zudem handele es sich um „standardisierte Technologien, die weltweit eingesetzt werden“.

Von

juf

Kommentare (4)

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Palhaco

10.05.2013, 08:31 Uhr

Lachhaft, was da vom EON-Management kommt!

Allein ein erneut erstarkender brasilianischer Real um ca. 20 %, was auch in einer sehr kurzen Zeitspanne denkbar ist, würde das EON-Investment in Brasilien um mindestens 20% verteuern. Da wären bei einem Volumen von 10 Mrd. Euro immerhin zusätzlich 2 Mrd. Euro, die EON investieren müsste.

Hinzu kommt, dass EON nicht gerade für Innovation und Schnelligkeit bekannt ist. Da wird man sich im wandelnden Marktumfeld in Brasilien kaum zurecht finden. EON hat mit früheren Auslandsinvestments einen Fehlgriff nach dem anderen gelandet. Es gibt keinen Grund zu hoffen, dass dies ausgerechnet in Brasilien anders sein sollte.

Die Verschuldungsquote von EON mit langfristigen Verbindlichkeiten steigt weiter an. Im Gegenzug wird der Aktienkurs weiter fallen.

Vorstandsbezüge und Pensionsverpflichtungen sollten in Abhängigkeit vom nachhaltigen Erfolg des Investments gezahlt werden. Unter 25% Ebit nach Steuern aus dem brasilianischen Investment sollte der Vorstand leer ausgehen.

Mal sehen, wie schnell dann realistische Werte den heutigen Platz der Schätzungen einnehmen würden.

Brasilien ist für viele Unternehmen attraktiv. Ob EON davon profitieren kann, darf man allerdings bezweifeln!

"EON, bem vindo no Brasil.
Aceitamos seu dinheiro aqui!"

HofmannM

10.05.2013, 09:58 Uhr

EON hat das richtig erkannt! Kraftwerke sind besser zu kalkulieren als diese politisch diktierte Energiewende (unwirtschaftlichen Erneuerbaren Energieerzeuger).
Deutschland und der EU stehen harte und teure Energieerzeugunszeiten bevor.

Palhaco

10.05.2013, 10:48 Uhr

Brasilien ist nicht Deutschland.

Offensichtlich wissen Sie überhaupt nichts über den brasilianischen Energiemarkt. Ebenso wenig scheinen Sie über die überall an der brasilianischen Küste entstehenden Windparks zu wissen.

Wenn Sie jetzt überrascht sind, dann schauen Sie sich einfach mal in Brasilien vor Ort um. Ob und was EON erkannt haben will, ist nicht erkennbar. Dem Konzern fehlt schlichtweg eine Strategie. Es geht dort eher zu wie bei Ebay. Kaufen und Verkaufen. Leider wird meistens mit einem dicken Abschreibungsminus verkauft. Der Politik die Schuld zu geben, ist schlichtweg zu einfach.

Offensichtlich stehen Sie sich mit Ihrer Einstellung zum Fortschritt selbst im Weg. Machen Sie nicht den Fehler Brasilien mit Deutschland zu vergleichen. Wir sind in Brasilien flexibler, schneller und einfach besser. EON und Co brauchen wir längst nicht mehr, trotzdem gehen wir gerne strategische Partnerschaften ein, die uns den Schritt nach Europa ermöglichen. Bezahlt wird dies allerdings von euch!

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