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07.12.2017

08:45 Uhr

Energiekonzern mit neuer Strategie

Uniper verlässt den Krisenmodus

VonJürgen Flauger

Uniper fühlt sich wieder stark genug, um sich nach neuen Wachstumschancen umzuschauen – und ohne eine Übernahme durch Fortum bestehen zu können. Den Aktionären verspricht der Stromproduzent steigende Dividenden.

Die Strompreise im Großhandel sind kräftig gestiegen, und die Kraftwerke des Konzerns verdienen wieder gutes Geld. Reuters

Uniper-Kraftwerk in Hanau

Die Strompreise im Großhandel sind kräftig gestiegen, und die Kraftwerke des Konzerns verdienen wieder gutes Geld.

DüsseldorfRegelmäßige Präsentationen für Analysten und Investoren gehören zum Pflichtprogramm eines jeden Vorstands. Für gewöhnlich stehen die Termine im Finanzkalender langfristig fest. Die aktuelle Informationsveranstaltung zur „künftigen strategischen Ausrichtung des Unternehmens“ hatte Uniper-Chef Klaus Schäfer aber erst vor einem Monat angesetzt – und zwar aus aktuellem Anlass.

Das Strategie-Update soll nicht nur über neue Ziele des Stromproduzenten informieren. Es soll auch eine Demonstration der Stärke sein und im Übernahmekampf mit dem finnischen Energiekonzern Fortum eine klare Botschaft aussenden: Uniper ist stark genug, um selbstständig am Markt bestehen zu können.

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Vor allem eine Ankündigung dürfte die Aktionäre freuen: Schäfer verspricht steigende Dividenden. Schon für 2018 soll die Ausschüttung um 25 Prozent auf rund 310 Millionen Euro steigen. Und das Plus von 25 Prozent will Uniper bis 2020 im Schnitt jährlich beibehalten.

Und auch strategisch soll es vorangehen: „Uniper ist bereit für eine neue Phase, in der wir nun den Blick auf einzelne Wachstumsfelder richten können“, sagte Schäfer. Dabei will Uniper aber behutsam vorgehen, wie Finanzvorstand Christopher Delbrück betonte: „Sollten sich finanzielle Spielräume für neue Investitionen ergeben, werden wir diese mit Disziplin nutzen.“

Uniper erwartet, dass in Europa Versorgungssicherheit zu einem knappen Gut wird. Mit seinen Kraftwerken, Speichern, Leitungen und Handelspositionen könne Uniper davon künftig deutlich profitieren, so der Vorstandsvorsitzende Klaus Schäfer. Vor allem verschaffe die starke Position im Gasgeschäft dem Unternehmen im Wettbewerb Vorteile.

Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Umsatz 2016: 9,3 Milliarden Euro

Die hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.

EnBW

Umsatz 2016: 19,4 Milliarden Euro

Die Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden

Eon

Umsatz 2016: 21,8 Milliarden Euro

Der Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.

RWE

Umsatz 2016: 25 Milliarden Euro

Den umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.

Und auch außerhalb Europas sieht der Uniper-Chef Wachstumschancen: Dort wachse „die Nachfrage nach sicherer und effizienter Energieerzeugung und damit verbundenen Dienstleistungen“. Und durch „eine aktive Rolle“ im globalen Energiehandel könne man Preisdifferenzen und Nachfragetrends nutzen. „Wir werden trotz eines anhaltenden Fokus auf Europa vor allem die USA und Asien stärker als bisher in den Blick nehmen“, sagte Schäfer – und fügte bewusst hinzu: „Die gründlichen Analysen im Zuge der Überprüfung unserer strategischen Ausrichtung haben uns im Übrigen deutlich gezeigt, dass Uniper als eigenständiges Unternehmen mit einem sehr vernetzten und werthaltigen Portfolio bestens aufgestellt ist und im Wettbewerb hervorragende Chancen hat.“

Uniper ist mit einer Übernahmeofferte durch Fortum konfrontiert. Die Finnen bieten 22 Euro je Aktie, womit Uniper mit rund acht Milliarden Euro bewertet wird. Schäfer lehnt die Offerte als feindlich zurück. Er hält das Gebot zum einen für finanziell nicht attraktiv. Schließlich notiert die Aktie aktuell bei knapp 26 Euro, womit Uniper fast 9,5 Milliarden Euro wert ist. Zudem sieht der CEO keinen strategischen Mehrwert für sein Unternehmen. Schäfer hatte die Offerte schon Ende September, als die Pläne öffentlich wurden, als „feindlich“ zurückgewiesen.

Kommentare (2)

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Herr Holger Narrog

07.12.2017, 11:09 Uhr

Uniper ist ein Spielball der Launen der Politik. Wenn die künftige Regierung eine grüne Merkel Politik gegen eine moderne Stromversorgung vertritt kann es je nach Gestaltung für Uniper düster werden, sofern eine moderne, unterbrechungsfreie und einigermassen preiswerte Stromversorgung geduldet wird, hat Uniper eine sehr helle profitable Zukunft.

Der Strom aus den subventionierten, umweltschädlichen Windmühlen und Solaranlagen geniesst gesetzlichen Vorrang. Der überwiegende Teil der Einspeisung des Wind/Solarstroms erfolgt in < 1000 Stunden/Jahr. In dieser Zeit ist der Strompreis bei, oder nahe 0, Weitere 1500 h/Jahr erfolgt eine bedeutende Wind/Solarstromeinspeisung. In den verbleibenden 6000h ist die Einspeisung des hochsubventionierten Wind/Solarstroms gering oder sehr gering. Mit der Stilllegung von weiteren modernen Grosskraftwerken vermindert sich der Wettbewerbsdruck und die Betreiber können in den verbliebenen Betriebszeiten hinreichend Geld verdienen.

Frau Annette Bollmohr

08.12.2017, 11:17 Uhr

Was hat Herrn Teyssen eigentlich bewogen, sich auf den Deal mit Fortum einzulassen?

Alles einfach „laufen lassen“ wäre aus meiner Sicht besser gewesen.

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