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05.04.2017

12:11 Uhr

Energiekonzern

RWE prüft Ausstieg aus der Braunkohle in Ungarn

Das Braunkohlkraftwerk Matrai Erömü ist der zweitgrößte Stromproduzent in Ungarn und gehört mehrheitlich dem deutschen Energieversorger RWE. Die Essener prüfen nun nach eigenen Angaben einen Verkauf.

Der Energiekonzern prüft den Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung an einem Kraftwerk in Ungarn. dpa

RWE

Der Energiekonzern prüft den Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung an einem Kraftwerk in Ungarn.

Düsseldorf, BudapestDer in Deutschland auf die Braunkohle setzende Energiekonzern RWE könnte sein Geschäft mit dem klimaschädlichen Brennstoff in Ungarn abstoßen. „Wir prüfen alle strategischen Optionen. Dazu gehört auch ein Verkauf“, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. RWE hält 50,9 Prozent an dem Kraftwerk Matrai Erömü. Es ist mit einer Leistung von rund 900 Megawatt der zweitgrößte Stromproduzent in Ungarn. An der Anlage ist auch der Karlsruher Versorger EnBW beteiligt. In dem Kraftwerk und dem dazu gehörigen Tagebau sind rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt.

Umweltschützer fordern seit Jahren von RWE, sich rasch von seinen Braunkohlekraftwerken in Deutschland zu verabschieden. Der Konzern lehnt dies ab und will noch bis zur Mitte des Jahrhunderts Braunkohle abbauen und in seinen Kraftwerken verfeuern. Der Versorger beschäftigt im Tagebau und den Kraftwerken im Rheinischen Revier rund 10.000 Mitarbeiter. Die Anlagen stehen allerdings wegen des Verfalls der Strom-Großhandelspreise unter Druck. RWE nimmt daher seine Kraftwerke genau unter die Lupe, hat diverse Anlagen geschlossen und zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

An dem Kraftwerk in Ungarn ist EnBW mit 21,7 Prozent beteiligt. Der Konzern wollte sich zu etwaigen Verkaufsabsichten seines Anteils nicht äußern. Dieser zähle aber zu den nicht-strategischen Beteiligungen. EnBW habe solche Beteiligungen auf den Prüfstand gestellt. „Wir prüfen also grundsätzlich alle Optionen.“ Das Kraftwerk in Ungarn erzielte zuletzt einen Umsatz von umgerechnet rund 316 Millionen Euro und einen Nettogewinn von 33,4 Millionen Euro. Sowohl RWE als auch EnBW könnten Einnahmen aus einem Verkauf gut gebrauchen. Beide Konzerne schrieben im vergangenen Jahr Milliardenverluste und kämpfen mit hohen Schulden.

Wegen des vergleichsweise hohen Ausstoßes von Kohlendioxid hatte der staatliche schwedische Energiekonzern Vattenfall nach zähen Verhandlungen im vergangenen Jahr seine deutschen Braunkohlekraftwerke und den Tagebau an den tschechischen Versorger EPH und den Finanzinvestor PPF verkauft. EPH, der tschechische Konkurrent CEZ und der ungarische Staatskonzern MVM wurden von Zeitungen in Ungarn auch nun als mögliche Interessenten für die heimischen Braunkohlegeschäfte ins Spiel gebracht.

Angebote könnten in zwei Monaten eingereicht werden, berichteten die Zeitungen „Magyar Idok“ und „Vilaggazdasag“. CEZ erklärte, nicht interessiert zu sein. EPH lehnte einen Kommentar ab. Von MVM war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Von

rtr

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