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14.08.2013

08:39 Uhr

Energiekonzern

RWE schaltet Kraftwerke ab

VonDana Heide

Der Stromriesen RWE leidet unter den gefallenen Großhandelspreisen und Abschreibungen auf niederländische Kraftwerke. Unterm Strich steht ein heftiger Gewinneinbruch. Die Essener schalten nun unrentable Kraftwerke ab.

Gewinneinbruch beim Stromriesen

Unklare Aussichten für RWE

Gewinneinbruch beim Stromriesen: Unklare Aussichten für RWE

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DüsseldorfDer Energiekonzern RWE hat nur dank Sondereffekten seinen Betriebsgewinn im ersten Halbjahr gesteigert und schaltet nun eine Reihe unrentabler Kraftwerke ab. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei von Januar bis Ende Juni um 9,1 Prozent auf 5,498 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Versorger am Mittwoch mit.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Ebitda von 5,537 Milliarden Euro gerechnet. Das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis stieg um 19 Prozent auf rund 2 Mrd. Euro.

Die Steigerungen im Ergebnis waren vor allem dem positiven Ausgang des Streits mit dem russischen Gaslieferanten Gazprom zurückzuführen. Anfang Juli hatte ein Schiedsgericht RWE in einem jahrelang währenden Streit weitgehend Recht gegeben. Gazprom hatte seine Preise starr an den Ölpreis gekoppelt, das Gericht löste diese Bindung. Gazprom muss dem Essener Energieversorger nun Rückzahlungen leisten. Damit hatte RWE bereits gerechnet, das Geld war mit in die Prognose einbezogen worden.

Doch diesen Sondereffekt außer Acht gelassen, werden die Probleme von RWE deutlich. Die Sondereinflüsse rausberechnet sank das Nettoergebnis um fast 40 Prozent auf 979 Millionen Euro ab. Das Kerngeschäft von RWE, der Unternehmensbereich Konventionelle Stromerzeugung büßte im ersten Halbjahr 2013 fast zwei Drittel seines operativen Ergebnisses ein.

Dem Konzern machten im Erzeugungsgeschäft die stark gefallenen Großhandelspreise zu schaffen. Daher nehme RWE in Deutschland und den Niederlanden Kraftwerke mit einer Leistung von 3100 Megawatt aus dem Markt. „Weitere Kraftwerke sind auf dem Prüfstand; hier werden sämtliche Optionen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit ausgelotet“, erklärte der Versorger.

Auch Konkurrent Eon hat große Probleme im Bereich konventionelle Erzeugung. Allein im abgelaufenen Halbjahr ging der Umsatz in diesem Bereich von 6,2 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) in diesem Bereich schrumpfte von 1,2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 915 Millionen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres.

Bei RWE belasteten das Geschäft zusätzlich noch Abschreibungen auf die niederländischen Kraftwerke von rund 800 Millionen Euro. Wie gestern bekannt wurde, will der Essener Energiekonzern auf Grund der schlechten Ertragslage sein laufendes Sparprogramm drastisch verschärfen. Nach Informationen des Handelsblatts will Unternehmenschef Peter Terium die jährlichen Kosten nun um zwei Milliarden Euro senken. Das wäre doppelt so viel wie ursprünglich geplant.

An der im März dieses Jahres gegeben Prognose hielt RWE fest. Demnach erwartet das Unternehmen ein betriebliches Ergebnis in der Größenordnung von 5,9 Mrd. Euro und ein nachhaltiges Nettoergebnis in der Größenordnung von 2,4 Mrd. Euro.

Kommentare (22)

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Sonnenschein

14.08.2013, 09:10 Uhr

Man kann den großen Versorgern nur raten sich im Sinn der Energiewende einzubringen. Viel zu lange wurde unter einem Vorstandsvorsitzenden wie Großmann an alten Zöpfen festgehalten und das rächt sich jetzt. Die Aufgabe des Stromerzeugers wird immer mehr auf Solaranlagen und Windkraftanlagen übergehen. Immer mehr Großkraftwerke werden unrentabel werden.

Wo ist die Zukunft der Dinosaurier unter den Stromerzeugern? Ich sehe ein RWE oder ein EON mehr als beruhigenden Pol unter den vielen bekanntermaßen fluktuierenden erneuerbaren Energien. Der Betrieb von Speicherkraftwerken ist sicher ein zukünftiges Standbein. Dazu bedarf es aber Garantien seitens der Politik, die den Betrieb solcher Pumpspeicherkraftwerke rentabel machen.

Die Energiekonzerne in Deutschland haben einen ähnlichen Weg vor sich, wie viele Baufirmen in Deutschland. Bauen alleine bringt keinen Gewinn und so wurden aus Baukonzernen „Servicegesellschaften rund ums Bauen und um das Betreiben von Bauwerken“. In Zukunft wird es „Servicegesellschaften rund um die Energieversorgung“ geben.

HofmannM

14.08.2013, 09:24 Uhr

@Sonnenschein
Schafft das EEG ab und kehrt zur Marktwirtschaft zurück! OHNE das Zwangs-EEG (Erneuerbaren Energiegesetz) sind die Windmühlen und Sonnenmodule nicht wirtschaftlich zu betreiben. Nur durch die EEG-Zwangssubvention der deutschen Stromendverbraucher (EEG-Umlage) ist es der Erneuerbaren Energie Abzockerbranche gelungen, den Bürger auch noch sein letztes Hemd aus zu ziehen.
Die Kraftwerke von EON und RWE sind IMMER der Garant für stabile und bezahlbare Energiepreise und zuverlässige Stromversorgung in Deutschland gewesen. Die ökosozialistische Energiewende einer schwarzen Kanzlerin hat aus dem bezahlbaren Allgemeingut Strom ein unbezahlbares Luxusgut gemacht!
EEG/Energieeinsparverordnung = asozial und perfide. In einer Zeit und in einer Welt in der wir mit der Kernkraft die Energiezukunft für Jahrtausende haben, ist diese Energiewende eine Heuchelei und eine Verarsche/Abzocke am deutschen Bürger!

Schauerwetter

14.08.2013, 09:26 Uhr

Zitat @Sonnenschein,

"In Zukunft wird es „Servicegesellschaften rund um die Energieversorgung“ geben."

Aha...

Sie meinen wohl eher, dass im Falle von Stromknappheit, Stromabschaltungen diese "Servicegesellschaften" den verängstigten Bürgern Trost spendend quasi als Seelsorger einspringen...

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