Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.07.2013

10:53 Uhr

Energiekonzern

Schwaches Stromgeschäft setzt Vattenfall zu

Der schwedischen Energiekonzern Vattenfall leidet unter den schwachen Großhandelspreisen. Angesichts der Umwälzungen in den Energiemärkten spaltet der Versorger sein Geschäft auf.

Blick in den Braunkohle-Tagebau von Vattenfall: Die Großhandelspreise von Strom belasten das Geschäft. dpa

Blick in den Braunkohle-Tagebau von Vattenfall: Die Großhandelspreise von Strom belasten das Geschäft.

Stockholm, DüsseldorfDem in Deutschland stark vertretenen schwedischen Energiekonzern Vattenfall machen die schwächelnden Großhandelspreise immer mehr zu schaffen. Angesichts der Umwälzungen in den Energiemärkten spaltet der Versorger sein Geschäft auf. Anfang 2014 werde das Geschäft in die Bereiche Skandinavien sowie Kontinentaleuropa und Großbritannien aufgeteilt, kündigte der Staatskonzern am Dienstag bei der Vorlage seiner Halbjahreszahlen an. "Die neue Struktur ermöglicht jeder Region, sich auf ihre jeweiligen Hauptthemen zu konzentrieren", erklärte das Management. Der Versorger nahm hohe Abschreibungen auf seine Kraftwerke vor, darunter in Deutschland, und will nun die Kosten weiter drücken.

Der Strommarkt in Skandinavien bewegt sich in einem ruhigeren Marktumfeld als in Kontinentaleuropa und Großbritannien. Während insbesondere in Südeuropa die Nachfrage wegen der Rezession deutlich zurückgegangen ist, ist die Lage in Nordeuropa relativ stabil. Ein Großteil der Stromerzeugung wird aus Wasserkraft gewonnen. Die Rolle der Atomkraft ist in der Politik und Bevölkerung bei weitem nicht so umstritten wie etwa in Deutschland, wo der letzte Meiler bis Ende 2022 stillgelegt werden soll. Hierzulande werden zudem Milliardensumme in den Ausbau des Ökostroms gepumpt. In Deutschland hatte Vattenfall im Zuge der Atomwende die Meiler Krümmel und Brunsbüttel stilllegen müssen. In wenigen Jahren muss auch das mit E.ON betriebene Atomkraftwerk Brokdorf vom Netz.

Wie E.ON und RWE drücken auch bei Vattenfall die gefallenen Großhandelspreise die Gewinne. Die Notierungen an den Strombörsen sind so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Ursache hierfür sind unter anderem der massive Ausbau der erneuerbaren Energie und die schwache Nachfrage in den krisengeplagten Staaten Südeuropas. Der Vattenfall-Konzern, der neben E.ON, RWE und EnBW zu den größten Versorgern in Deutschland gehört, rechnet nicht mit einer baldigen Wende. Die Aussichten trübten sich zunehmend ein. "Das Unternehmen geht davon aus, dass sich der Markt in absehbarer Zukunft nicht erholen wird", erklärte Vorstandschef Öystein Löseth.

Operativ konnte der Konzern im ersten Halbjahr sein Ergebnis zwar um 3,3 Prozent auf 16,95 Milliarden schwedische Kronen (rund zwei Milliarden Euro) verbessern. Vattenfall nahm aber Abschreibungen auf Kraftwerke in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro vor. Der größte Anteil entfiel auf Gas- und Steinkohlekraftwerke in den Niederlanden, doch auch in Deutschland schrieben die Schweden auf Steinkohlekraftwerke knapp 500 Millionen Euro ab. "Es wiegt natürlich schwer, Abschreibungen in dieser Größenordnung vornehmen zu müssen. Doch sie spiegeln unsere aktuelle Realität wider und wir müssen von unseren jetzigen Erkenntnissen über den Markt ausgehen."

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×