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27.10.2015

15:37 Uhr

Energiekonzern

Vattenfall drückt beim Braunkohle-Verkauf aufs Tempo

Noch im ersten Halbjahr 2016 soll Schluss sein: Vattenfall will seinen Tagebau in Ostdeutschland und seine Braunkohlekraftwerke möglichst bald in einem Paket abstoßen. Interessen gebe es bereits, melden die Schweden.

Vattenfall betonte, dass es durch die Schließung der Blöcke in Jänschwalde keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. dpa

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde

Vattenfall betonte, dass es durch die Schließung der Blöcke in Jänschwalde keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde.

Stockholm/DüsseldorfDer Energiekonzern Vattenfall will den Verkauf seines deutschen Braunkohlegeschäfts im ersten Halbjahr 2016 über die Bühne bringen. Die politische Diskussion um die Braunkohle habe die Pläne verzögert, sagte Vorstandschef Magnus Hall am Dienstag. „Jetzt läuft der Prozess.“

Es hätten sich eine Reihe von Interessenten gemeldet. Vattenfall wolle das Geschäft in einem Paket abstoßen. Die Schweden hatten vor einem Jahr angekündigt, den Tagebau in Ostdeutschland und die Braunkohle-Kraftwerke zu veräußern. Dort sind mehr als 8000 Mitarbeiter beschäftigt.

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Ausgerechnet Greenpeace schlägt Vattenfall einen Deal vor: Die Umweltorganisation will das Braunkohle-Geschäft des Energiekonzerns übernehmen und den Tagebau abwickeln. Konkurrent ist der reichste Mann Tschechiens.

Der Wert des Geschäfts wird auf zwei bis drei Milliarden Euro geschätzt. Namen der Bieter nannte Vorstandschef Hall nicht. Interesse hatten zuvor die tschechischen Versorger CEZ und EPH angemeldet. Ursprünglich hatte Vattenfall den Verkauf der Anlagen bereits 2015 abschließen wollen. Wegen der politischen Diskussion um die Stilllegung klimaschädlicher Braunkohlekraftwerke war der Prozess ins Stocken geraten. Inzwischen gebe es mehr Klarheit, sagte Hall.

Nach der jetzt mit der Bundesregierung geschlossen Vereinbarung für eine Kapazitätsreserve legt Vattenfall 2018 und 2019 insgesamt zwei 500-Megawattblöcke seines in der Nähe von Cottbus gelegenen Braunkohlekraftwerks Jänschwalde vorläufig und vier Jahre später endgültig still.

Die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Den zehnten Platz belegt ein Energieversorger aus Südkorea: Korea Electric Power kam im April 2016 auf einen Marktwert von 33,1 Milliarden US-Dollar.

Quellen: Bloomberg; Factset; Forbes

Platz 9

Den neunten Platz belegt GDF Suez. Das französische Unternehmen hatte im April 2016 einen Marktwert von 39 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 49,5 Milliarden Dollar gewesen.

Platz 8

hiAuf dem achten Platz befindet sich chinesische Energieversorger China Yangtze Power. Im April 2016 war der Konzern 41,8 Milliarden US-Dollar wert.

Platz 7

Dominion Resources auf dem siebten Platz der weltgrößten Energieversorger stammt aus den USA und hat einen Markt von 43,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 6

Den sechsten Platz belegt ein Versorger aus Spanien: Iberdrola hat einen Marktwert von 44,1 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Der fünftgrößte Energieversorger stammt aus Spanien. Enel kam im April 2016 auf einen Marktwert von 44,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 4

Auf dem vierten Platz befindet sich ein Unternehmen aus den USA: Southern Co. Der Versorger hatte im April 2016 einen Marktwert von 45,3 Milliarden US-Dollar.

Platz 3

Der drittgrößte Energieversorger der Welt kommt aus dem Vereinigten Königreich. National Grid hatte im April 2016 einen Marktwert von 51,4 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich ein amerikanisches Unternehmen: Nextra Energy. Der Wert des Energieversorgers beträgt 52,8 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

Das US-amerikanische Unternehmen Duke Energy ist nach Marktwert wie schon 2015 der weltweit größte Energieversorger. Im April 2016 betrug sein Wert 53,1 Milliarden US-Dollar. 2,3 Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr.

Die Bundesregierung will durch die Stilllegung von acht Braunkohleblöcken ihre Klimaschutzziele erreichen. Darunter sind auch fünf Blöcke von RWE. Als erstes soll nach einem Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums spätestens im Oktober 2016 das niedersächsische Kraftwerk Buschhaus des Betreibers Mibrag in die Reserve gehen.

Vattenfall betonte, dass es durch die Schließung der Blöcke in Jänschwalde keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Dem Konzern machen wie Eon und RWE die gefallenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen. Hall kündigte weitere Kostensenkungen an.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

„Wir prüfen nun unter anderem die Möglichkeit, Teile unserer Verwaltung und der IT an externe Dienstleister auszulagern.“ Zuvor hatte er bereits den Abbau von 1000 Jobs auf den Weg gebracht. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 30.000 Mitarbeiter, die Hälfte in Deutschland.

Im dritten Quartal konnte der schwedische Staatskonzern dank einer höheren Stromproduktion und Kostensenkungen seinen Umsatz und Betriebsgewinn steigern. Der operative Gewinn kletterte um fast ein Viertel auf 3,4 Milliarden schwedische Kronen (rund 360 Millionen Euro). Unter dem Strich schrieb der Vattenfall einen Gewinn von 1,6 Milliarden Kronen nach einem Verlust von 18 Milliarden im Vorjahreszeitraum.

Von

rtr

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