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11.11.2015

08:03 Uhr

Energiekonzern vor der Aufspaltung

Eon schreibt einen Rekordverlust

Eon räumt auf für die Aufspaltung des Konzerns: Mehr als acht Milliarden Euro werden abgeschrieben. Der Energiekonzern macht so viel Verlust wie noch nie. Das verheißt nichts Gutes für die neue Gesellschaft Uniper.

Hohe Abschreibungen verhageln dem Energiekonzern das dritte Quartal. dpa

Eon-Kernkraftwerk Grohnde

Hohe Abschreibungen verhageln dem Energiekonzern das dritte Quartal.

DüsseldorfDer Energieriese Eon treibt ungeachtet eines Rekordverlustes seine Pläne für eine Aufspaltung voran. In den ersten neun Monaten habe der Konzern einen Verlust von 5,67 Milliarden Euro verbucht, teilte der Versorger am Mittwoch mit. Ursache hierfür waren unter anderem hohe Abschreibungen.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 18 Prozent auf 5,361 Milliarden Euro gefallen. Damit traf der Versorger in etwa die Erwartungen der Analysten. Das Handelsblatt hatte schon im Vorfeld über den Rekordverlust und die Milliarden schweren Abschreibungen berichtet. Die Aktie hatte deshalb schon am Dienstag kräftig an Wert eingebüßt.

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Eon wird am Mittwoch für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres einen Fehlbetrag von mehr als fünf Milliarden Euro ausweisen. Warum der Konzern Milliarden abschreiben muss – und was das für die Abspaltung von Uniper heißt.

Eon war auf den Abschreibungsbedarf von 8,3 Milliarden Euro bei den Vorbereitungen für die zum Jahresbeginn geplante Aufspaltung gestoßen. Die Eon SE wird sich dann auf das Geschäft mit der Energiewende konzentrieren, also Vertrieb, Netze und erneuerbare Energien. Das bisherige Kerngeschäft, der Betrieb von Kohle- und Gaskraftwerke, wird von der neuen Gesellschaft Uniper übernommen, von der Eon im Laufe des Jahres die Mehrheit abgegeben will.

Für den Spaltungsbericht, der zur Hauptversammlung im Mai vorliegen muss, müssen alle Chancen und Risiken identifiziert sein. „Wir gehen mit der operativen Trennung der Aktivitäten auf die Zielgerade“, erklärte das Management am Mittwoch.

Deutlich verschlechtert haben sich die Aussichten vor allem in der konventionellen Stromerzeugung, weil der Energiemarkt immer mehr mit Wind- und Solarenergie geflutet wird. An der Energiebörse EEX wird eine Megawattstunde Strom, die 2016 geliefert werden soll, derzeit für gerade noch 29 Euro gehandelt. Vor vier Jahren waren es noch mehr als 60 Euro. Weil sich deshalb die Kraftwerke immer weniger rechen, musste Eon die Firmenwerte abschreiben.

Das Atomgeschäft von Eon

Atomkraft ohne strategische Bedeutung

Für Eon ist die Kernenergie nach dem beschlossenen Atomausstieg kein strategisches Geschäftsfeld mehr. Der Anteil der Atomkraft an der gesamten Stromerzeugung des Konzerns betrage nur noch acht Prozent. Bei Preussen-Elektra sollen rund 2300 Mitarbeiter beschäftigt sein. Bei Eon verbleiben 43.000, bei Uniper knapp 14.000.

Preussen-Elektra

Eon will das Kernkraftgeschäft nun in Hannover in einer eigenen Einheit unter dem Namen „Preussen-Elektra“ führen. Unter dieser Marke hatte der Eon-Vorläufer Veba Atomkraftwerke betrieben. Die Firma werde die drei Eon-Meiler bis zum Ende ihrer Laufzeit betreiben und dann den Abriss und die Müllentsorgung regeln.

Brokdorf, Grohde und Isar 2 folgen

Eon betreibt noch drei Atomkraftwerke in Deutschland und hält an drei weiteren Minderheitsbeteiligungen. Die eigenen Meiler Brokdorf und Grohnde müssen 2021 vom Netz, der Reaktor Isar 2 wird 2022 stillgelegt.

Atomausstieg

Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 hat die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernenergie bis Ende 2022 beschlossen. Als einst größter AKW-Betreiber in Deutschland hat Eon bereits 2011 seine Meiler Unterweser in Niedersachsen und Isar 1 in Bayern stillgelegt. 2015 folgte das Kernkraftwerk im bayerischen Grafenrheinfeld.

Für Uniper sind die Startbedingungen damit denkbar schlecht. Schließlich übernimmt das Unternehmen, das der ehemalige Finanzvorstand Klaus Schäfer leiten wird, die notleidende Stromerzeugung. Allerdings gehören zu seinem Unternehmen auch der Gasgroßhandel und die Wasserkraftwerke.

Für das Gesamtjahr bekräftigte Eon die Prognose. Danach soll 2015 das Ebitda auf 7,0 bis 7,6 Milliarden Euro fallen nach 8,3 Milliarden Euro zuvor.

Am Donnerstag legt Konkurrent RWE den Zwischenbericht für die ersten neun Monate 2015 vor. Branchenexperten sehen auch bei RWE einen Abschreibungsbedarf. Die dafür nötigen Impairmenttests sind aber erst im vierten Quartal fällig.

Kommentare (49)

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Herr wulff baer

11.11.2015, 08:40 Uhr

Wir lesen im Habla-Bericht, dass sich die Strompreise an der Strombörse halbiert haben.
Wieso zahlen wir deutschen Deppen dann die höchsten Strompreise Europas?
Auf nach Bulgarien: Dort kostet die kw-Std. 8 cent, in Frankreich 15 cent, in Merkels Ars..l....land bis zu 30 cent.
Wieso regt sich denn keiner darüber auf und wählt weiterhin die Enteignungsparteien?
Wählt doch die Volksschädlinge ab, Leute!

Account gelöscht!

11.11.2015, 09:12 Uhr

@wulff baer
Schauen Sie halt mal genauer auf ihre Stromrechnung. Mehr als 50% ihrer Stromkosten besteht aus staatlichen Zwangsabgaben wie UST, EEG, Offshore Umlage usw.
Diese Energiewende via markt- und gesellschaftsfeindlichen EEG treibt die Großhandelspreise in den Keller und die EEG Umlagen und andere staatliche Eingriffe (MWST, Netzentgelt (staatlicher EE-Netzausbau, Offshore Umlagen usw.) in die Höhe.
Viele Stadtwerke können dieser marktfeindlichen Energiewende = EEG auch nicht mehr standhalten und kommen in wirtschaftlicher Existenznot. Die Dividenden und Gewinnausschüttungen für öffentliche Hand, Gemeinden, Städte und Länder fällt mit dieser Volkswirtschaftlich Vernichtenden Energiewende/EEG in Zukunft komplett weg. Statt Gewinn für die Gesellschaft zu generieren, schreiben neben EON; RWE und ENBW auch immer mehr Stadtwerke Verluste. Und diese Verluste müssen zum Schluss die Städte, Kommunen und die öffentliche Hand tragen. Vor der Energiewende/EEG haben die Städte wie auch EON, RWE und ENBW und auch Vattenfall GEWINNE geschrieben, die uns als Gesellschaft (öffentliche Hand) in Form von Dividendenauszahlungen zu Gute gekommen ist.
Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge (Energie wenden zu können), dann der Betrug/Selbstbetrug (marktfeindliches und damit gesellschaftsfeindliches EEG Zwangsabgabensubventionsgesetz der EE-Mafiabranche) danach folgt der Mangel (Insolvenzen und Stromeinsparzwang) und zum Schluss die Armut (unbezahlbare Strompreise bei gleichzeitiger mangelhafter Stromversorgung).

Herr Rainer Feiden

11.11.2015, 09:18 Uhr

"Wieso zahlen wir deutschen Deppen dann die höchsten Strompreise Europas?"

Scheinbar, weil die deutschen Bürger das gut finden. Allerdings fehlt mir irgendwie die Begründung, wieso wir hier in D fast 30 Cent die KWh zahlen müssen, um anschliessen 40 TWh zu 3 bis 5 Cent ins Ausland zu verkaufen. Super Geschäft! :-D

https://www.ise.fraunhofer.de/de/aktuelles/meldungen-2015/exportierter-strom-teurer-als-importierter

Ansonsten: Retten ist halt ein teures Geschäft. Das gilt auch für die deutsche Form der globalen Klimarettung. Die Finanzierung der Abschreibung funktionierender Grundlastkraftwerke gehört da dazu. Ironie aus.

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