Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.06.2013

17:26 Uhr

Energieunternehmen

EnBW steckt sieben Milliarden Euro in Konzernumbau

„Im Gestern verhaftet“: EnBW-Chef Mastiaux will den Energieversorger grundlegend neu ausrichten. Er nimmt mehr als sieben Milliarden Euro in die Hand, um in Windenergie und Netzgeschäft zu investieren.

EnBW will sich verändern: Der Fokus des Konzerns soll in Zukunft auf den Erneuerbaren Energien liegen. dpa

EnBW will sich verändern: Der Fokus des Konzerns soll in Zukunft auf den Erneuerbaren Energien liegen.

StuttgartDeutschlands drittgrößtes Energieunternehmen EnBW will mehr als sieben Milliarden Euro in den Umbau des Konzerns stecken. Die Hälfte dieses Betrages solle in den Ausbau der Windenergie fließen, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux am Montag in Stuttgart. „Wir haben das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 signifikant von heute 12 Prozent auf fast 40 Prozent mehr als zu verdreifachen.“ Weitere drei Milliarden Euro sollen in das Netzgeschäft investiert werden.

Gleichzeitig will sich das Unternehmen in den kommenden sieben Jahren von Beteiligungen trennen in einer Größenordnung von 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro, um das Geld für den Umbau einzuspielen. Zudem plant es, etliche seiner 150 Tochtergesellschaften wieder in die Mutter einzugliedern. Ein Personalabbau ist aber nach Angaben von Mastiaux nicht vorgesehen.

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien soll künftig der industrielle Maßstab zählen. „Wir werden nicht mehr in kleinteilige Sonnenkollektoren investieren, außer ein Kunde will das“, sagte Mastiaux. Auch bei Windkraftanlagen auf dem Land seien größere Einheiten im Blick. Ein Schwerpunkt liege auf der Aufrüstung bereits bestehender Standorte mit effizienterer Technik. Allein bei den Onshore-Anlagen sei eine Kapazitätserhöhung von derzeit 200 Megawatt auf rund 1750 Megawatt geplant. „Wir werden hier deutlich Fahrt aufnehmen.“

Die Aussichten bei Offshore-Anlagen beurteilte der EnBW-Chef vorsichtiger. Mit Baltic II will die EnBW im kommenden Jahr ihren zweiten Park in der Ostsee ans Netz nehmen. Ihre Pläne für Windparks in der Nordsee hat sie wegen Anbindungsproblemen vorerst auf Eis gelegt.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Für das Jahr 2020 strebt die EnBW ein Ergebnis von 2,5 Milliarden Euro vor Steuern und Abschreibungen an (2012: 2,34 Milliarden). „Davon wollen wir insgesamt 40 Prozent aus den neuen Investitionsschwerpunkten generieren“, sagte Mastiaux. Nach Berechnungen des Finanzvorstandes Thomas Kusterer wird der Anteil der Stromerzeugung und des Stromhandels von 1,2 Milliarden Euro in 2012 auf 300 Millionen Euro in 2020 sinken. „Das ist ein Minus von 80 Prozent.“ Gleichzeitig geht er davon aus, dass der Anteil der erneuerbaren Energien von 200 Millionen auf 800 Millionen Euro steigt. „Das ist ein wesentlich robusteres Geschäftsrisikoprofil“.

Von welchen Beteiligungen sich die EnBW trennen will, wollte Kusterer nicht sagen. Ein Hinweis könnte aber die Ankündigung sein, dass die EnBW die Stromerzeugung mit konventionellen Kraftwerken auf Baden-Württemberg konzentrieren will.

Als wichtigen Wachstumsmarkt nannte Mastiaux die Türkei. Hier sollen dreistellige Millionenbeträge in Wind- und Wasserkraft investiert werden. Beim Gasgeschäft will er vorsichtig agieren. „Wir rechnen mit einem kontinuierlichen Ausbau, aber es gibt zurzeit viel Unwägbarkeiten.“

Um die neuen Ziele umsetzen zu können, müsse sich die EnBW schlanker aufstellen und kundenfreundlicher werden. „Wir wollen eine flache Hierarchie“, sagte Mastiaux. Zurzeit gebe es rund 350 Beteiligungen, davon 150 Tochterfirmen. Dies führe zu sehr aufwenigen Abstimmungsprozessen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×