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11.02.2013

16:33 Uhr

Energieversorger

EnBW stellt seine Gaskraftwerke in Frage

VonDana Heide

EnBW-Chef Frank Mastiaux zieht nach 100 Tagen eine drastische Bilanz: Weil viele konventionelle Kraftwerke nicht profitabel sind, hinterfragt er alle Projekte. Der Verkauf von Beteiligungen soll bis 2014 beendet sein.

100 Tag im Amt: EnBW-Chef Frank Mastiaux will den Konzern umkrempeln. dpa

100 Tag im Amt: EnBW-Chef Frank Mastiaux will den Konzern umkrempeln.

DüsseldorfDer drittgrößte deutsche Energieversorger EnBW will seine konventionellen Kraftwerke auf den Prüfstand stellen. Die Wirtschaftlichkeit der Energieerzeugung aus Gas und Kohle habe sich in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert, sagte Vorstandschef Frank Mastiaux am Montag bei seiner 100-Tage-Bilanz. „Das Marktumfeld ist extrem herausfordernd.“ Jede Beteiligung werde geprüft und jedes Projekt auf seine Profitabilität hin untersucht. „Wir können gar nicht anders, als jeden einzelnen Standort zu hinterfragen.“

Wegen des großen Aufkommens von Solar- und Windstrom wird Strom aus Gas und Kohle oft nur noch in wind- und sonnenarmen Zeiten gebraucht. Das führt dazu, dass vor allem die im Vergleich zu Kohlekraftwerken teureren Gaskraftwerke oft nicht zur Stromgewinnung genutzt werden. Mastiaux zufolge werden EnBW-Gaskraftwerke derzeit weniger als hundert Stunden im Jahr ausgelastet. „Das ist ein sehr kritisches Thema“, sagte er. Auch EnBW-Konkurrent Eon prüft derzeit die Stilllegung von mehreren Gaskraftwerken. Mastiaux hatte vor seinem Wechsel zur EnBW unter anderem den Geschäftszweig erneuerbare Energien bei Eon aufgebaut.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Platz 1: China

China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

Platz 2: USA

Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

Platz 3: Japan

Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

Platz 4: Russland

Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

Platz 5: Indien

Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

Platz 6: Kanada

Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

Platz 7: Deutschland

Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

Platz 8: Frankreich

Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

Platz 9: Brasilien

Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

Platz 10: Südkorea

Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Mastiaux kündigte das Umbauprogramm „EnBW 2020“ an. Konkrete Ziele und Schritte zu deren Umsetzung soll ein Strategieteam bis März vorlegen. Im Juni sollen die Vorschläge dann im Aufsichtsrat beraten werden.

Die Aufgabe sei so komplex, dass Schnellschüsse nicht angebracht seien, sagte er. EnBW wurde vom Ausstieg aus der Kernenergie stark getroffen und musste bereits zwei seiner vier Atomkraftwerke still legen. Beim Umsteuern auf erneuerbare Energien kommt das Unternehmen nur langsam voran. Aus Wind und Sonne gewinnen die Karlsruher erst zwei Prozent ihrer gesamten Erzeugungskapazität von 13.400 Megawatt im Jahr. In der Planung sind weitere knapp 1300 Megawatt.

Kommentare (14)

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Vandalee-mit-Doppel-E

11.02.2013, 17:36 Uhr

Zitat:

"Jede Beteiligung werde geprüft und jedes Projekt auf seine Profitabilität hin untersucht."

Aha, d.h. früher hat man scheinbar Projekte nicht auf seine Profitabilität untersucht.

Das würde passen, wenn man dem Gejammere der Energieriesen von EON und EnBw folgt.

Einfach erbärmlich, und das wollen TOP-Manager sein!?

Wenn er nicht in der Lage ist, einen Industriekonzern zu führen, dann soll er schnellsten abtreten. Der Aufsichtsrat sollte umgehend die Vorstandsbezüge unter die Lupe nehmen und drastisch kürzen!

vandale

11.02.2013, 17:55 Uhr

Ja nun, wenn Ihre Existenz durch eine ziemlich destruktive Religion in Frage gestellt würde, würden Sie auch nicht gerade jubeln.

Gem. der ökoreligiösen Visionen soll Strom mittels im Mittelalter bekannter Verfahren, Wind, Verbrennung von Lebensmitteln und Sonne hergestellt werden.

Die Stromeinspeisung von Wind und Sonne erfolgt gem. den Launen des Wetters. Dieser eigentlich wertlose Oekostrom geniesst gesetzlichen Vorrang.

In einem Stromnetz muss zu jedem Augenblick soviel Strom eingespeist werden wie verbraucht wird.

In der Konsequenz werden die modernen Grosskraftwerke in Bereitschaft gehalten, im Teillastbetrieb, im Lastfolgebetrieb gefahren. Die Auslastung ist unzureichend, die Wirkungsgrade schlecht und der Reparaturbedarf steigt. Moderne Grosskraftwerke werden im Umfeld einer religiös motivierten Einspeisung von Oekostrom zunehmend unrentabel. Die wirtschaftliche Konsequenz sollte eigentlich eine Stilllegung sein. Andererseits beträgt die gesicherte Leistung von Wind- und Sonne 0 und so muss die gesamte Leistung als konventionelle Kraftwerksleistung bereit gehalten werden.

Ich gehe davon aus, dass ENBW eine Kapazitätsbereitstellungsprämie fordern wird. Diese kann bei Vollausbau ökoreligiöser Energie einen 2-stelligen Milliardenbetrag/Jahr ausmachen. Eine Religion hat nun mal seinen Preis.

Der richtige Vandale

Account gelöscht!

11.02.2013, 18:09 Uhr

Sie haben wohl nicht mitbekommen, dass die Regierung diese Unternehmen enteignet hat und deren Geschäftsmodell durch die sog. Energiewende zerstört ist. Sehen Sie sich die Aktienkurse und die Gewinnentwicklung an.
Aber nicht nur die Energieversorger sind die Verlierer der "Energiewende". Wir alle werden durch die Vergewaltigung des Marktes mit dem EEG zur Kasse gebeten und die Wirtschaft wird nach Auswegen suchen, die höchsten Strompreise in Europa durch Produktionsverlagerung zu umgehen.
Die arbeitende Bevölkerung wird den Hauptteil der Zeche über die Stromrechnung bezahlen. Sozialhilfeempfänger (aufgewertet jetzt Hartz IV-Empfänger genannt) werden entlastet. Die Pläne liegen schon vor.
... und Sie beklagen sich über die Energiekonzerne?

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