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23.05.2014

13:02 Uhr

Energieversorger

Enervie will raus aus Stromerzeugung

RWE und Eon haben Millionenverlusten bei Gas- und Kohlekraftwerken hinnehmen müssen. Kommunalversorger haben ähnliche Probleme. Nun will einer von ihnen, Enervie, die Notbremse ziehen. Was heißt das für die Region?

Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Herdecke: Das Kraftwerk gehört zur Enervie-Gruppe. dpa

Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Herdecke: Das Kraftwerk gehört zur Enervie-Gruppe.

HagenDer südwestfälische Energieversorger Enervie will sich wegen hoher Verluste komplett aus der konventionellen Stromerzeugung zurückziehen. Einen entsprechenden Vorstandsbeschluss teilte das Unternehmen am Freitag in Hagen mit. Es geht um Steinkohle- und Gaskraftwerke sowie ein Pumpspeicherkraftwerk mit insgesamt 1500 Megawatt Kapazität.

Die Kraftwerke sind für die Versorgung der Region mit rund 400.000 Kunden und vielen großen Mittelständlern noch auf Jahre unentbehrlich, weil Südwestfalen bisher unzureichend an die großen Stromautobahnen angebunden ist. Ein Ausbau der nötigen Netzkuppelstelle kann nach den bisherigen Planungen frühestens 2020 bis 2022 fertiggestellt werden.

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

Enervie habe aber allein im Jahr 2013 schon rund 50 Millionen Euro Verlust in der konventionellen Erzeugung erwirtschaftet und wolle nun „weiteren Schaden abwenden“, hieß es. Bereits im vergangenen September hatte der Versorger seinen konventionellen Kraftwerkspark bei der Bundesnetzagentur zur Stilllegung angemeldet.

Der Versorger ist gesetzlich verpflichtet, die Kraftwerke weiter zu betreiben, solange sie zur Versorgung gebraucht werden. Enervie wolle auch nicht kurzfristig abschalten, sondern verlange einen Ausgleich für den verlustreichen Weiterbetrieb der Anlagen, sagte ein Sprecher. Die „Fehlsteuerung der Energiemärkte“ lasse einen wirtschaftlichen Betrieb konventioneller Kraftwerke dauerhaft nicht mehr zu.

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion bezweifelt nicht, dass die Kraftwerke für die Region Südwestfalen unverzichtbar sind. Dies falle aber nicht in die Zuständigkeit von Amprion, wie ein Sprecher betonte. Übertragungsnetzbetreiber müssten die Systemstabilität der großen Leitungen garantieren. Dass der Strom über die Verteilnetze letztlich beim Verbraucher ankomme, sei Sache der regionalen und örtlichen Unternehmen - also in diesem Fall von Enervie selbst.

Seit mehreren Monaten verhandeln Amprion und Enervie über diese Frage. Dabei ist auch die Bundesnetzagentur beteiligt. Für diesen Montag hat NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) einen Runden Tisch mit den drei Parteien organisiert, wie die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ/Freitag) berichtet.

Von

dpa

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