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07.10.2015

10:54 Uhr

Energieversorger Eon

Milliarden-Deal vor dem Abschluss

Bei Sorgenkind Eon könnten demnächst die Kassen klingeln: Einem Pressebericht zufolge spült der Verkauf der Öl- und Gasfelder in der norwegischen Nordsee rund eine Milliarde US-Dollar in die Kassen des Energiekonzerns.

Die Energiewende macht Eon zu schaffen – der Verkauf von Randgeschäften soll dabei helfen, den Umbau zu managen. dpa

Energieversorger Eon

Die Energiewende macht Eon zu schaffen – der Verkauf von Randgeschäften soll dabei helfen, den Umbau zu managen.

London/DüsseldorfDer Energiekonzern Eon steht einem Pressebericht zufolge kurz vor dem Verkauf seiner Öl- und Gasfelder in der norwegischen Nordsee. Das Unternehmen befinde sich in weit fortgeschrittenen Gesprächen mit der Investitionsgesellschaft LetterOne des russischen Oligarchen Michail Fridman, berichtete die „Financial Times“ (Mittwoch) unter Berufung auf Insider. Ein Eon-Sprecher wollte den Bericht auf Anfrage von dpa nicht kommentieren.

Der Preis für die Gasfelder dürfte laut „Financial Times“ bei über einer Milliarde US-Dollar (890 Millionen Euro) liegen und damit nah an den von Analysten geschätzten Wert der Felder von 1,2 Milliarden US-Dollar herankommen. Eine Einigung sei bereits in wenigen Tagen zu erwarten, hieß es.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Eon hat seine Beteiligungen an Öl- und Gasfeldern in der Nordsee bereits vor einiger Zeit auf die Verkaufsliste gesetzt. Der Zeitung zufolge will der Konzern seine Anteile an Projekten vor der britischen Küste nun separat verkaufen. Hintergrund ist dabei auch, dass der russische Investor Fridman aus politischen Gründen wegen des Ukraine-Konflikts in Großbritannien nicht gern gesehen ist.

Eon befindet sich wegen der Energiewende in einer Krise und reagiert darauf mit einem tiefgreifenden Umbau, bei dem die Großkraftwerke ausgegliedert werden. Erlöse aus dem Verkauf von Randgeschäften kann der Konzern gut gebrauchen, um die eigenen Schulden zu senken.

Strategiewechsel: Eon behält die Atomkraftwerke

Strategiewechsel

Eon behält die Atomkraftwerke

Die Politik zwingt Eon-Chef Johannes Teyssen zu einer entscheidenden Änderung seines Aufspaltungsplanes. Der Konzern wird doch nicht die Kernkraftwerke abgeben, sondern sich selbst um Rückbau und Entsorgung kümmern.

LetterOne hatte bereits im Frühjahr für gut fünf Milliarden Euro die Öl- und Gasfördertochter Dea des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns RWE übernommen. Dazu zählten auch Felder, die zu Großbritannien gehören. Damit der Deal damals durchgehen konnte, musste sich LetterOne dazu verpflichten, die Geschäfte in Großbritannien bis Herbst weiterzuverkaufen.

Inzwischen soll die in Luxemburg ansässige Gesellschaft um Fristverlängerung gebeten haben. Laut „FT“ verhandelt LetterOne mit dem in der Schweiz ansässigen Chemiekonzern Ineos des britischen Milliardärs Jim Ratcliffe über die britischen Dea-Teile. Ineos hat bereits deutlich gemacht, dass es stärker ins Fördergeschäft einsteigen will.

Von

dpa

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