Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.09.2013

06:42 Uhr

Energieversorger

RWE-Chef Terium will die Dividende kürzen

ExklusivNun geht es den Aktionären doch an den Kragen: RWE-Chef Terium will offenbar die Dividende kürzen – anders als noch vor einigen Monaten versprochen. Der Konzern kommt mit den Folgen der Energiewende nicht klar.

Hat derzeit wenig zu lachen: RWE-Chef Peter Terium. AP

Hat derzeit wenig zu lachen: RWE-Chef Peter Terium.

DüsseldorfRWE-Chef Peter Terium will nach Informationen des Handelsblatts im Zuge des Sparprogramms auch die Dividenden senken. Terium wolle das jahrelange Versprechen kassieren, 50 bis 60 Prozent des nachhaltigen, das heißt um diverse Sondereffekte bereinigten, Nettogewinns auszuschütten, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrates. Noch stehen die Details nicht fest. Wahrscheinlich ist aber keine komplette Abschaffung, sondern eine Reduzierung der Quote. Auf jeden Fall soll es aber schon für das laufende Jahr nicht mehr die zwei Euro je Aktie geben, die RWE noch für 2012 zahlte.

Das brisante Thema soll schon auf der nächsten Aufsichtsratssitzung Ende kommender Woche diskutiert werden. Die kommunalen Aktionäre, die rund 25 Prozent der Anteile halten, dürften die Pläne ablehnen. In den chronisch klammen Haushalten sind die hohen RWE-Dividenden fest eingeplant.

Terium sieht sich angesichts des massiven Gewinneinbruchs in der Stromproduktion aber gezwungen, an allen Stellen zu sparen. So will er die jährlichen Kosten um mindestens zwei Milliarden Euro senken. Das ist doppelt so viel wie noch vor einem Jahr geplant.

RWE hat wie die anderen großen Energieversorger Probleme durch die Umstellung der deutschen Stromversorgung auf erneuerbare Energien. Die Erträge aus der konventionellen Stromerzeugung sind gesunken. „Erhebliche Teile unserer konventionellen Kraftwerke weisen rote Zahlen aus“, sagte Terium bei der Hauptversammlung des Konzerns im April. Vor allem viele Gaskraftwerke des Konzerns lohnt sich auf Grund der gesunkenen Börsenstrompreise und des zeitweise riesigen Angebots von Strom aus erneuerbaren Energiequellen kaum noch.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

Zuletzt hatte der Konzern zwar einen um 9,1 Prozent gestiegenen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für das erste Halbjahr ausgewiesen, dieser sei jedoch vor allem auf Sondereffekte zurückzuführen, hieß es. Anfang Juli hatte ein Schiedsgericht RWE in einem jahrelang währenden Streit mit dem russischen Gaslieferanten Gazprom weitgehend Recht gegeben. Gazprom hatte seine Preise an den Ölpreis gekoppelt, das Gericht löste diese Bindung. Gazprom muss dem Essener Energieversorger nun Rückzahlungen leisten.

Ohne Sondereinflüsse sank das Nettoergebnis jedoch um fast 40 Prozent auf 979 Millionen Euro. Der Unternehmensbereich Konventionelle Stromerzeugung büßte im ersten Halbjahr 2013 fast zwei Drittel seines operativen Ergebnisses ein.

Kommentare (33)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

MartinH

12.09.2013, 07:20 Uhr

Ich würde ehr sagen, die Aktionäre müssen dafür büßen, wegen den alten Führungskräften die nicht Kompetent genung waren, um zu erkennen wieviel Potenzial in den Regerativen Energien stecken und es lieber runtergespielt haben. Jetzt rennt man allem hinterher, sei es bei den Ausbau der Offshoranlagen oder der Speicherung, wo große Energiekonzerne Punkten könnten mit ihren Kapital.

Account gelöscht!

12.09.2013, 07:34 Uhr

Der "alte" Ausstiegsablauf wurde von Merkel abrupt gekippt, um dann nach Fukushima eine für die Versorger unerwartete Volte aus rein machtpolitischen Gründen hinzulegen. Da ist es schon schwer, bei einem Großtanker so plötzlich den Kurs zu ändern. Die verantwortungsvolle Kürzung der Dividende geht daher in Ordnung und es ist auch gut so, dass es die so ausstiegsgeilen SPD/GRÜN-Kommunen jetzt trifft. Unternehmensführung ist kein Ponyhof!

Account gelöscht!

12.09.2013, 07:39 Uhr

@ MartinH

Sie meinen die alten Führungskräfte hätten vor 10 Jahren erkennen müssen dass die Deutschen jedem Vollpfosten der verführerische Reden schwingt nachlaufen und gerne den doppelten EU-Durchschnittspreis dafür zahlen um wieder einmal einen Sonderweg in Europa zu beschreiten.

Es gibt bis heute keine technische Lösung die wirtschaftlich genug wäre den Strombedarf zu speichern. Trittin hat 1999 einfach die Abschaltung eingeleitet in der Hoffnung dass sich Technik und Wirtschaftlichkeit der Speicherung in seinem Sinne entwickeln würden.

Vielleicht hätte er mal an den technischen Universitäten nachfragen sollen was voraussichtlich zwischen 2010-2020 machbar ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×