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17.09.2013

13:29 Uhr

Energiewende

17 Jahre Atom-Abriss

VonDana Heide

Seit 1997 und noch bis 2014 baut der Energieversorger Eon in Würgassen ein Atomkraftwerk ab. Kosten: Eine Milliarde Euro. Es ist ein Vorgeschmack dessen, was die Branche noch erwartet. Ein Baustellenbesuch.

Innenleben des Kernkraftwerks in Würgassen: Akribische Messung der Radioaktivität. Dana Heide

Innenleben des Kernkraftwerks in Würgassen: Akribische Messung der Radioaktivität.

Würgassen„3,2,1... nicht kontaminiert“ – für die Arbeiter ist es längst Routine, für einen Besucher immer noch eine Erleichterung, wenn er durch die Metallschleuse des Atomkraftwerks Würgassen geht und eine weiblich klingende Metallstimme bestätigt, dass keine strahlenden Partikel am Körper haften. Dabei wurden hier zuletzt am 26.August 1994 Atome gespalten. Von dem Kraftwerk ist nach fast 17 Jahren Abbauzeit nur noch ein Gerippe übrig – doch die Sicherheitsmaßnahmen sind immer noch hoch.

500 Mitarbeiter arbeiten in Würgassen im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen daran, die Überreste des ersten kommerziellen Atomkraftwerks Deutschlands abzubauen. Das sind weit mehr als zu den Betriebszeiten der Anlage. Damals arbeiteten 360 Mitarbeiter in Würgassen.

Eine solch mühsame Kleinarbeit wie in dem Eon-Kernkraftwerk wird in den nächsten Jahren die ganze Branche auf Trab halten. Alle 17 deutschen Atomkraftwerke müssen bis spätestens 2022 abgeschaltet sein und anschließend abgebaut werden. Eine teure Angelegenheit – pro Atomkraftwerk rechnet man in der Branche mit rund einer Milliarde Euro Kosten. Ein Besuch im Eon-Kraftwerk Würgassen zeigt, warum der Abbau so teuer ist.

Ohne kraftwerkseigene Schuhe, einen blauen Schutzkittel und weiße Baumwollhandschuhe kommt niemand in die ehemaligen Reaktorräume – trotz drückender Wärme. Die Mauern sind so dick, dass sie kein Lüftchen rein- oder rauslassen. Baustellenlampen leuchten die leeren Räume mit den meterhohen Decken aus.

Die Wände sehen aus, als hätte hier jahrelang ein Wahnsinniger gewütet: In blauer und roter Farbe sind Ziffern und Buchstabenkombinationen aufgemalt, schwarze Striche unterteilen die Mauern in kleine Rechtecke. Es wird genau gemessen, wie hoch die Kontaminierung der einzelnen Stellen ist. Immer wieder ist an mal kleinen, mal größeren Flächen der Stein abgekratzt. Hier war die Kontaminierung zu hoch. In dem Fall wird der Stein abgeschabt, das radioaktiv verseuchte Material in gelbe Fässer verpackt und in ein Zwischenlager gebracht.

Kommentare (26)

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17.09.2013, 13:50 Uhr

Vermutlich der grösste Irrweg des letzten Jahrhunderts und finanziell der Super-Gau: Atomenergie. Mit aber-zig Millirden Euro subventioniert, mit zig Milliarden aufrecht erhalten und am Ende mit zig Milliarden abgewrackt. Der ultimative Issin und ein Verbrechen an der Natur/Umwelt und am Menschen. Und das "Dreckszeugs" wird auch die nächsten tausende von jahre tief in der Erde vor sich hin strahlen. Gibt es eine dümmere Spezies im Weltraum als den Menschen?

manduvel

17.09.2013, 13:52 Uhr

Ich bin als Kind mit dem Blick auf dieses Kraftwerk groß geworden, ich werde es nicht vermissen.

Wahrhaftigkeit

17.09.2013, 13:53 Uhr

Dafür wurden schließlich auch Rückstellungen gebildet, d.h. die jetzt anfallenden Kosten haben über Jahre hinweg das Ergebnis der Betreiber gemindert und somit auch schon die entsprechende Steuer gespart und sind bereits im Atomstrompreis berücksichtigt worden. Die Reserven sind also vorhanden. Wo ist das Problem?

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