Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.12.2016

07:54 Uhr

Energiewende

DIHK beklagt hohe Kosten für Unternehmen

Die Energiewende stellt für viele Unternehmen eine hohe Belastung dar. Der DIHK-Präsident richtet sich deswegen an die Bundesregierung und fordert in der kommenden Legislaturperiode deutliche Reformen.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertag, Eric Schweitzer, erwartet von der nächsten Bundesregierung klare Reformen. dpa

Eric Schweitzer und Sigmar Gabriel

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertag, Eric Schweitzer, erwartet von der nächsten Bundesregierung klare Reformen.

BerlinDer Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht Firmen durch die Kosten der Energiewende stark belastet. Für viele Unternehmen sei hier inzwischen „ein Niveau erreicht, das für sie langfristig nicht tragbar ist“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der Nachrichtenagentur AFP. Die nächste Bundesregierung müsse „schnell und wirksam“ gegen den weiteren Anstieg der Stromkosten vorgehen. Konkret solle die Stromsteuer, die derzeit 2,05 Cent pro Kilowattstunde beträgt, „auf nahe null gesenkt werden“.

Auch bei der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht Schweitzer Änderungsbedarf. Hier müsse „über alternative Finanzierungskonzepte“ nachgedacht werden. Die wichtigste Aufgabe sei allerdings nach wie vor, „beim Tempo des Netzausbaus ein paar Gänge hoch zu schalten“. Die Politik müsse sich „geschlossen“ hinter dieses Vorhaben stellen.

Zusammensetzung des Strompreises

Netznutzungskosten

Dem Vergleichsportal nach schlagen die Netznutzungskosten, die die Stromanbieter an die Netzbetreiber für die Nutzung ihrer Leitungen zahlen, beim Strompreis mit dem höchsten Anteil zu Buche: 23,8 Prozent. Zum 1. November 2005 mussten die Netzbetreiber gemäß des Energiewirtschaftsgesetz ihre Netznutzungsentgelte erstmals bei der Bundesnetzagentur vorlegen. Heute haben die Betreiber in Deutschland ihre gültigen Entgelte im Internet zu veröffentlichen.

Ökostrom/EEG-Umlage

Am Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (kurz: Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)) ist bis heute vieles umstritten. Nicht nur die generelle ökonomische und ökologische Effizienz, auch die Bezeichnung der Umlage als Kosten, die aus der Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen entstehen, wird diskutiert. Wenig Spielraum für Diskussionen bietet der auf 23 Prozent festgesetzte Anteil der EEG-Umlage am Strompreis.

Beschaffung, Vertrieb, Margen der Stromanbieter

Mit 21,4 Prozent platziert sich der Anteil, in welchem die Beschaffung, der Vertrieb sowie die Margen der Stromanbieter zusammengefasst werden, im guten Mittelfeld.

Mehrwertsteuer

Im undurchsichtigen Dschungel aus Steuern, Abgaben und Umlagen findet sich auch noch der Klassiker: die Mehrwertsteuer. Beim Strompreis schlägt sie brutto mit 16 Prozent zu Buche.

Sonstige Umlagen, Steuern und Abgaben

In die restlichen 15,8 Prozent spielt noch einmal einiges rein: die Offshore-Haftungsumlage, die Konzessionsabgabe, das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG), die Stromnetzgeldverordnung (§19-NEV-Umlage), die Umlage für abschaltbare Lasten (§18-AbLaV-Umlage) sowie die allgemeine Stromsteuer.

An die nächste Regierung nach der Bundestagswahl im Herbst formulierte Schweitzer noch weitere Wünsche. „Ganz oben auf der Agenda“ müsse die Stärkung der beruflichen Bildung stehen, sagte er AFP. „Fast jedes zweite Unternehmen sieht im Fachkräftemangel eine Gefahr für seine Geschäftsentwicklung.“

Außerdem müsse das deutsche Steuerrecht „dringend modernisiert werden“, verlangte der DIHK-Präsident. Das System hinke derzeit „den wirtschaftlichen Realitäten hinterher, etwa bei der Förderung von Forschung und Entwicklung, bei zeitgemäßen Abschreibungsbedingungen sowie bei der hohen Gewerbesteuerbelastung“. Die aktuellen steuerlichen Rahmenbedingungen „bilden vielfach Hürden für die Investitionsvorhaben der Unternehmen“, warnte Schweitzer.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×