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27.02.2014

07:36 Uhr

Energiewende

Studie wirft Energieversorgern Verschlafen vor

VonDana Heide

Eine Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt: Noch immer tragen die großen Spieler verschwindend wenig zur Energiewende bei. Die Versorger haben zu spät auf die Wende reagiert, lautet der Vorwurf.

Kohlekraftwerke statt Windanlagen: „Die Energieversorger haben zu spät auf die Energiewende reagiert“ urteilt Greenpeace. dpa

Kohlekraftwerke statt Windanlagen: „Die Energieversorger haben zu spät auf die Energiewende reagiert“ urteilt Greenpeace.

DüsseldorfDie Marktmacht der großen Energieversorger ist noch immer beeindruckend groß: Die zehn größten Unternehmen dominieren 59 Prozent des Energiemarktes in Europa - unter den wichtigsten auch die deutschen Unternehmen RWE und Eon mit einem Anteil von je sieben und sechs Prozent. Ganz klein werden die Zahlen dagegen wieder, wenn man auf den Anteil der vier größten Energieversorger in Deutschland RWE, Vattenfall, EnBW und Vattenfall an den Erneuerbaren Energien schaut: Gerade einmal 4,9 Prozent der Erzeugungskapazität gehören ihren, der Rest wird von Banken, Bauern oder Privatpersonen getragen.

Greenpeace hat in einer Studie, die am Donnerstag vorgestellt wird, aufgedröselt, welchen Anteil die Versorger an der Energiewende haben - und wie sie sich bisher angepasst haben. Das Urteil ist vernichtend.

Demnach erzeugten die größten zehn Versorger in der Europäischen Union 2012 mehr als die Hälfte des Stroms, aber nur vier Prozent davon stammten aus Erneuerbaren Energien exklusive Wasserkraft. RWE hat laut der Studie einen Anteil von insgesamt vier Prozent erneuerbarer Energie in der EU-weiten Stromproduktion, Konkurrent Eon sogar nur drei Prozent.

Geld genug jedenfalls wäre dagewesen, um in Windkraft und Co. zu investieren. Denn im vergangenen Jahrzehnt ging es den Versorgern so gut wie nie, zeigt die Studie. Im Zeitraum von 2002 bis 2012 verdoppelten die größten europäischen Energieversorger ihre Umsätze und ihre Gewinne, seit der Finanzkrise sind die Investitionen stark gestiegen. Doch das Geld wurde offenbar in das klassische Geschäft gesteckt. „Die Energieversorger haben zu spät auf die Energiewende reagiert“, urteilt Gyorgy Dallos, Autor der Studie. „Auch als bereits die Nachfrage nach Strom sank und die Kapazitäten bei Wind und Solar stiegen, haben sie noch weiter ihre Kapazitäten bei den konventionellen Kraftwerken ausgebaut.“

Er rechnet damit, dass sie in den nächsten fünf bis sechs Jahren 80 Prozent ihrer Einnahmen aus dem Bereich konventionelle Stromerzeugung verlieren werden. Bereits jetzt haben die acht größten Energieversorger Europas, zu denen neben RWE und Eon auch der spanische Konkurrent Iberdrola und das französische Unternehmen Edf gehören, seit 2007 insgesamt 800 Milliarden Dollar an Marktwert verloren.

Die Versorger fällt es zudem schwerer, sich frisches Geld zu beschaffen. Die Ratingagenturen Moodes und Standard & Poors stuften viele Unternehmen bereits herunter.

Kommentare (8)

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27.02.2014, 09:13 Uhr

Guten Tag Frau Heide,

Greenpeace liegt an der einen Ecke des Spektrums, die Ökostromhasser auf der anderen. Aber schauen Sie mal, was Leute denken, die frei von Ideologien sind:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/oekostrom-regierungsberater-wollen-eeg-abschaffen-12820227.html

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27.02.2014, 10:00 Uhr

Selbst der eher rot-grüne Spiegel steht nicht mehr 100%ig hinter der Energiewende:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fleischhauer-kolumne-zu-den-kosten-der-energiewende-a-954503.html

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27.02.2014, 10:14 Uhr

Greenpiece (sic!), das sind Spinner.

In der konventionellen Energieversorgung stecken milliardenschwere Investitionen, deren Abschreibungsdauer (Nutzungsdauer) im Bereich von 30 bis 50 Jahren liegt. Soll eine Änderung des Geschäftsmodells erfolgen (was ja grundsätzlich erwünscht ist), so dauert das logischerweise eine mittlere Abschreibungsdauer. Anders werden Milliardenwerte schlicht vernichtet, dennn ein Kraftwerk kann nicht wie ein Auto einfach abgestossen und gebraucht verkauft werden. Die Geschäftslage der Energieversorger (RWE, e.on) spiegelt das Dilemma bereits anschaulich wider. Bezahlt wird das durch die Volkswirtschaft auf die eine oder andere Weise. Wir sind ja sooo reich!.

Der Politik ist vorzuwerfen, daß sie bei EEG diese Zusammenhänge weder erkannt noch geprüft hat, sondern den Sirenengesängen der grünen Spinner erlegen ist. Hier hilft nur mehr die volle Kehrtwendung, bevor der Schaden irreparabel wird.

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