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28.11.2012

07:17 Uhr

Energiewende

Unternehmen schalten das Licht aus

VonDana Heide

Frühestens 2020 werden die Strompreise wieder sinken, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier. Bis dahin belasten die hohen Energiekosten Firmen und Verbraucher. Wie die Unternehmen ihre Stromkosten drücken.

Photovoltaik-Anlage dpa

Photovoltaik-Anlage

Düsseldorf/KasselBundesumweltminister Peter Altmaier hat gestern bei einem Energiekongress in Berlin Hoffnungen geweckt: „Ab 2020 oder 2025 werden wir preiswerte Energie zur Verfügung haben.“ In acht Jahren sei mit positiven Effekten der Energiewende auch für die Strompreise zu rechnen. Doch bis dahin müssen die Kosten für die Förderung von Ökostrom und Ausbau und Stabilisierung der Netze gerecht verteilt werden. Die Strompreise werden also weiter kräftig steigen. Und das birgt Streit.

So drohte etwa Marijn Dekkers Deutschland. Ein Unternehmen wie Bayer könne sich überlegen, seine Produktion ins Ausland zu verlagern, wenn die Energiekosten weiter steigen, sagte er im vergangenen Jahr. Bald wird sich zeigen, ob der Chef des Chemiekonzerns seine Drohung wahr macht.

Dekkers steht nicht allein da: Bereits seit Monaten wettern Unternehmen und Verbände gegen die steigenden Strompreise und verteufeln die Energiewende als Preistreiber. Dabei bestreiten viele Experten diesen Zusammenhang.

Erst im August warnte der Europa-Chef des Energieversorgers Vattenfall, Tuomo Hatakka, vor steigenden Preisen. Bis 2020 müssten sich die Stromverbraucher auf 30 Prozent höhere Kosten einstellen, sagte er.

„Ich wäre froh, wenn die Stromkosten in den nächsten zehn Jahren nur um 30 Prozent steigen würden“, sagt Andree Böhling, Energieexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Handelsblatt Online. In den vergangenen zehn Jahren sind die Strompreise für Haushalte nämlich sogar um satte 60 Prozent gestiegen, wie eine Statistik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft zeigt. Dabei hat die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und mit ihr der Ausbau der erneuerbaren Energien erst seit 2009 an Bedeutung gewonnen. Zuvor lag die Umlage zur Finanzierung des Ausbaus bei unter 1,1 Cent pro Kilowattstunde.

Viel stärker subventioniert werden hingegen fossile Brennstoffe. Laut einem aktuellen Bericht der Internationalen Energieagentur betrugen die Finanzhilfen für Kohle, Gas und Co im Jahr 2011 weltweit 532 Milliarden US-Dollar – das entspricht dem sechsfachen der Subventionen für erneuerbare Energien.

Greenpeace Energieexperte Böhling weist zudem darauf hin, dass zahlreiche Kohle- und Gaskraftwerke hätten erneuert werden müssen – auch ohne Energiewende. Der Strompreis wäre also ohnehin gestiegen. Der Ausbau von Windkraft und Co sei „der einzige Garant für stabile Energiepreise in der Zukunft“.

Wer die Strompreise am stärksten erhöht

Berechnung

Strompreiserhöhungen ab Januar 2013, Preise auf Grundlage eines Durchschnittsverbrauches von 5.000 kWh / Jahr.

Stand: 26.11.2012, Quelle: check24.de

Platz 6

Versorger: Infra Fürth GmbH
Tarif: infra grundversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.361,03 Euro
Neuer Preis: 1.618,53 Euro
Differenz in Euro: 257,50 Euro
Differenz in Prozent: 18,92 %

Platz 5

Versorger: EMB Energieversorgung Miltenberg-Bürgstadt GmbH & Co. KG
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.238,82 Euro
Neuer Preis: 1.474,82 Euro
Differenz in Euro: 236,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,05 %

Platz 4

Versorger: Stadtwerke Borken/Westf. GmbH
Tarif: Strom Basis HH
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Alter Preis: 1.213,50 Euro
Neuer Preis: 1.445,50 Euro
Differenz in Euro: 232,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,12 %

Platz 3

Versorger: Stadtwerke Straubing Strom und Gas GmbH
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.204,76 Euro
Neuer Preis: 1.435,26 Euro
Differenz in Euro: 230,50 Euro
Differenz in Prozent: 19,13 %

Platz 2

Versorger: Elektrizitätsvereinigung Böbing
Tarif: Grundversorgung Eintarif
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.298,31 Euro
Neuer Preis: 1.548,31 Euro
Differenz in Euro: 250,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,26 %

Platz 1

Versorger: Stadtwerke Plattling
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.140,76 Euro
Neuer Preis: 1373,76 Euro
Differenz in Euro: 233 Euro
Differenz in Prozent: 20,42 %

Kommentare (25)

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vandale

28.11.2012, 07:45 Uhr

Die Aussagen sind sämtlich ziemlich bewusste Falschaussagen. Es ähnelt den kommunistischen Versprechungen in der einstigen UDSSR an eine leuchtenden Zukunft. Der Minister Altmaier scheint sich genau wie sein Vorgänger Röttgen in die Fantasie zu flüchten.

Gem. der Bundesregierung soll der Anteil "Erneuerbarer" Energien stark zunehmen, Solarstrom um den Faktor 4, Wind-Offshore um ein zig-faches. Der Wind wird auch künftig nicht bedarfsgerecht wehen und die Sonne nicht scheinen. Ein Bekannter hat bei gleichbleibenden Preisen und Steuen einen Haushaltsstrompreis von ca. 1 €/kWh errechnet.

Real werden die zugesagten EEG Subventionen über das Jahr 2020 hinaus ausgezahlt. Die Abschreibungen für den Ausbau der Netze* werden 2020 - 2030 einen Höhepunkt erreichen. In einem bedarfsgesteuertem Netz muss der Maximalbedarf vollständig durch Reservekraftwerke abgedeckt werden für die Kapazitätsbereitstellungskosten anfallen.

Bei den sogenannten "Subventionen" für fossile Energie handelt es sich um Inlandspreise der Öl- und Gasstaaten die dazu dienen die eigene Bevölkerung am Wohlstand der Länder zu beteiligen. Das heisst der Benzinpreis von 8c/L in Saudi Arabien wird als Subvention gezählt. Die über dem Weltmarktpreis liegenden Benzinpreise Europas werden davon nicht abgezogen. Dazu gehören auch die niedrigen LPG Preise in Ägypten und Indien mit denen man den ärmeren Bevölkerungsteilen den Zugang zu Kochgas ermöglicht.

Ohne die Energiewende hätte man in der Tat im kommenden Jahrzehnt einige Kohlekraftwerke ersetzen müssen. Da Sonne und Wind keine gesicherte Leistung liefern, muss man bei gleichbleibenden Strombedarf auch in einem Ökoszenario konventionelle Kraftwerke ersetzen.

Vandale

*Umweltschädlicher Sonnen- und Windstrom fällt entsprechend den Launen des Wetters zwischen 0 und 100% der Nennleistung an. Die Durchschnittsleistung beträgt bei Wind 15,5% der Nennleistung. Dies erfordert eine vielache Überdimensionierung der Netze.

icke

28.11.2012, 07:57 Uhr

wir haben drei große Themen in Deutschland: Energiewende, Staatsverschuldung und Demografie. Was hat die beste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung bisher geleistet? Die Abschaffung der Praxisgebühr. Wer glaubt denn, das die Energiewende tatsächlich stattfindet? Niemand.

Account gelöscht!

28.11.2012, 08:02 Uhr

Es ist völlig unsinnig zu erwarten, dass für Deutschland Vorteile aus der Energiewende erwachsen. Fossile Energieträger sind weder knapp noch ist zu erwarten dass diese nicht genutzt werden. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass das Fischer-Topsch-Verfahren eine Renaissance erlebt und nunmehr Erdölsubstitute aus Erdgas herstellen kann, von hochwertigster Qualität, die unter dem Weltmarktpreis für Rohöl liegen.

http://glitzerwasser.blogspot.de/2012/11/die-energiewende-von-doha.html

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