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10.07.2014

16:59 Uhr

Energy Academy

Korrekturen nach dem Hype

Die deutschen Versorger müssen sich nach der Energiewende neu aufstellen. Doch auch sie können profitieren. Wie, darüber diskutierten Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft beim Round Table der Energy Academy.

Photovoltaik-Panelen und eine Windkraftanlage: Das neue Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) kann wie geplant Anfang August in Kraft treten. dpa

Photovoltaik-Panelen und eine Windkraftanlage: Das neue Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) kann wie geplant Anfang August in Kraft treten.

HamburgDer Energieversorger RWE meldet einen Milliardenverlust, das erste Stadtwerk geht pleite und die Bundesregierung streitet sich mit der EU über die Ökostromsubventionen - Stoff für eine Diskussion über den Stand und die Zukunft der deutschen Energiewende gab es genug für die Vorstände der Energy Academy, dem vom Handelsblatt und dem Industriekonzern General Electric initiierten Thinktank für die Energiewirtschaft. Matthias Wendel, Deutschlandchef des dänischen Versorgers Dong Energy diskutierte mit Georg Erdmann, Professor für Energiesysteme an der Technischen Universität Berlin, Jens Raschke, Partner der Unternehmensberatung Bearing Point, Frank Schmidt, Leiter des Geschäftsfelds Energie bei der Deutschen Telekom und Georg Kofler, Gründer der Energieberatung Kofler Energies. Moderiert wurde der Round Table von Handelsblatt-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs. 

„Der Hype vom Anfang ist vorbei“, fasste Unternehmensberater Raschke die aktuelle Situation zusammen. „Wir sind jetzt im Arbeitsmodus angekommen. Und der ist geprägt von Korrekturen.“ Wie eine solche Ausbesserung aussieht, zeigte sich Ende Juni bei der Rundumerneuerung des Gesetzes, das die erneuerbaren Energien fördert (EEG). Obwohl sich die Diskutanten nicht mit jeder Änderung einverstanden zeigten, wünschten sie sich vor allem eines: Ruhe.

„Ich hoffe, dass diese Diskussion jetzt abgeschlossen ist und andere Themen der Energiewende, wie zum Beispiel die Rahmenbedingungen für intelligente Netze, auf die Agenda kommen“, sagte Telekom-Manager Schmidt. Doch mancher bezweifelte, dass es bei der einen Reform bleibe. „Wir werden sehen, dass sich zwei Wochen nach dem Start des neuen EEG im August die ersten Probleme zeigen. Und dann muss wieder nachgebessert werden“, prophezeite Universitätsprofessor Erdmann. 

Energy Academy: Ein Think-Tank für bessere Energie

Energy Academy

Ein Think-Tank für bessere Energie

Die Energiewende ist für viele Menschen ein Rätsel. Der Think-Tank „Energy Academy“ will Fragen klären, Probleme lösen und aktuelle Debatten begleiten. Dazu ehrt er nun schon zum zweiten Mal die „Energizer des Jahres“.

Dass bei dem Hin und Her der vergangenen Jahre die Ziele der Energiewende nicht mehr klar sind, zeigte auch die Diskussion in Hamburg. „Die zentralen Ziele der Energiewende sind der Ausstieg aus der Kernenergie und die Verbesserung des Klimaschutzes. Wir sind aber derzeit bei der Reduktion der Treibhausgasemissionen weniger erfolgreich als beispielsweise die USA, und die haben noch nicht einmal eine Energiewende“, mahnte Erdmann.

Energieberater Kofler widersprach: „Für mich ist das Ziel der energiepolitischen Unabhängigkeit mindestens genauso wichtig wie das Thema Klimaschutz.“ Energieunabhängigkeit sei nicht erreichbar, konterte Erdmann. Autarkie sei ohnehin ein „unangemessenes Ziel für eine Nation, deren Wirtschaft international so stark verflochten ist wie die Deutschlands“. 

Eben diese global verflochtene Wirtschaft muss sich in Deutschland auf noch höhere Stromkosten einstellen. Denn industrielle Stromverbraucher sollen mit der Reform des EEG stärker in die Pflicht genommen werden, die Energiewende mitzufinanzieren. Die Teilnehmer des Round Table waren allerdings skeptisch.  „EEG-Vergünstigungen für stromintensive Unternehmen sind absolut notwendig“, mahnte Dong-Deutschlandchef Wendel. Und Bearing-Point-Partner Raschke warnte: „Mit verbesserten Prozessen allein können die ihre steigenden Energiekosten nicht mehr kompensieren.“ Bereits jetzt habe die deutsche Industrie weltweit die größten Fortschritte bei der Energieeffizienz gemacht, lobte Kofler. Luft sei jedoch noch bei der sogenannten Lastenverschiebung, also dabei, dass Unternehmen gezielt dann Strom verbrauchen, wenn er am billigsten ist, erklärte Wendel. „Der Industriekunde hat immer noch die Einstellung, dass Strom jederzeit kostengünstig verfügbar sein muss. Diese Einstellung wird sich ändern, denn Flexibilität hat einen Wert.“

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