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04.02.2016

14:33 Uhr

Eon-Chef Teyssen

„Wir haben kein zweites Boot“

VonFranz Hubik

Der angeschlagene Energieriese Eon ist zum weltweit zweitgrößten Betreiber von Windparks auf hoher See avanciert. Konzernchef Teyssen setzt voll auf die neue Energiewelt. Eine Hochrisikostrategie ohne Alternative.

Der Eon-Chef setzt auf neue Energiequellen. dpa

Johannes Teyssen

Der Eon-Chef setzt auf neue Energiequellen.

HamburgJohannes Teyssen hat sich offenbar ein digitales Double angeschafft. Seine Gäste im Hamburger Hafenmuseum begrüßte der Eon-Chef jedenfalls auf reichlich unkonventionelle Weise. Statt leibhaftig auf die Bühne zu springen, schickte er zunächst einen Telepräsenzroboter vor – eine zweirädrige Plattform, an der ein iPad an einem langen Stiel montiert ist.

Über das Tablet ließ sich Teyssen virtuell zuschalten. „Ich gehöre vielleicht nicht zu den Digital Natives“, scherzte er. „Aber eben auch nicht zu den Digital Homeless“. Dann zeigte sich Teyssen doch noch in voller Pracht: blauer Anzug, gestreifte Krawatte und nach einer Diät um gut 30 Kilogramm leichter als noch vor einem Jahr.

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Seit dem ersten Januar gibt es einen neuen Energiekonzern: Eon hat in Uniper die fossilen Kraftwerke ausgegliedert. Dessen Chef erklärt, warum er nicht nur Probleme übernommen hat, sondern auch Chancen.

Es war ein besonderer Tag für den Vorstandsvorsitzenden von Deutschlands größtem Energieversorger. Nicht nur, dass er mit „Amrumbank West“, den mittlerweile achten Windpark seines Konzerns auf hoher See offiziell einweihen konnte. Es war auch der erste öffentliche Auftritt von Teyssen als Chef der neuen, grünen Eon.

Seit Jahresanfang hat Teyssen nicht nur ganz persönlich reichlich Ballast verloren – auch sein Unternehmen. Das bisherige Kerngeschäft des Versorgers, die konventionelle Stromerzeugung, hat Teyssen in eine neue Gesellschaft abgespalten. Bei Uniper kümmern sich nun andere um Kohle- und Gaskraftwerke. Teyssen fokussiert sich mit Eon auf die neue Energiewelt: Netze, Kundenlösungen, erneuerbare Energien.

Insbesondere die Stromerzeugung aus regenerativen Energien wie Solar- oder Windkraft sieht Teyssen als „zwingenden Bestandteil“ im Überlebenskampf. Der Konzern ist von der Energiewende arg gebeutelt; musste erst im November 8,3 Milliarden Euro abschreiben und wird 2015 einen Rekordverlust verbuchen. Durch die Aufspaltung soll nun der Befreiungsschlag gelingen.

„Wir werden in der neuen Energiewelt erfolgreich sein oder keine Zukunft haben“, erklärte Teyssen. Er habe keinen Plan B, kein „zweites Boot“, in das er notfalls springen könnte, um sich zu retten. Eon stelle sich „kompromisslos“ den Herausforderungen.

Alle Hoffnungen von Teyssen ruhen auf Projekten wie dem Offshore-Windpark Amrumbank West. Das sei „Technik und Ingenieurskunst vom Feinsten“. Eon hat rund eine Milliarde Euro investiert. Der Park rund 90 Kilometer vor der Küste besteht aus 80 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 302 Megawatt. Er liefert bereits seit Oktober vergangenen Jahres Strom, mit dem rechnerisch rund 300.000 Haushalte versorgt werden können.

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