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08.06.2016

18:50 Uhr

Eon-Hauptversammlung

Fast wie in der DDR

VonJürgen Flauger, Franz Hubik

Zahme Aktionäre, maue Proteste: Der Energieriese Eon hat die Aufspaltung in zwei Teile mit einer überwältigenden Mehrheit von 99,7 Prozent beschlossen. Noch ist Konzernchef Teyssen aber nicht endgültig am Ziel.

Aufspaltung bei Eon

Wer zahlt die Zeche? Diese Kosten kommen auf Stromkunden zu!

Aufspaltung bei Eon: Wer zahlt die Zeche? Diese Kosten kommen auf Stromkunden zu!

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EssenAm Ende seiner Rede auf der Hauptversammlung richtete Eon-Chef Johannes Teyssen einen eindringlichen Appell an die Aktionäre: „Unterstützen Sie uns heute mit Ihrer Zustimmung! Stimmen Sie der Abspaltung zu!“ Und die Anteilseigner folgten dem Aufruf mit einer geradezu überwältigenden Mehrheit. Letztlich sicherte sich Teyssen 99,7 Prozent der Stimmen der anwesenden Aktionäre. Am Ende herrschten in der Essener Grugahalle also fast schon „sozialistische Verhältnisse“.

Tatsächlich konnte sich Teyssen schon zu Beginn der Hauptversammlung sicher sein, dass er das wichtigste Votum seiner Amtszeit mit Bravour bestehen würde. Vor Beginn der Veranstaltung hatte sich Eon bereits mehr als 90 Prozent der Stimmen gesichert. Die meisten Großaktionäre hatten im Vorfeld signalisiert, das Projekt zu billigen. Es lag auch kein Gegenantrag vor.

Eon und RWE spalten sich auf - welcher Weg ist besser?

Energieriesen im Umbruch

Unter dem Druck rapide abstürzender Gewinne teilen Deutschlands größte Energiekonzerne Eon und RWE konventionelle und neue Energie in eigene Unternehmen auf. So hoffen sie auf mehr Erfolg im immer unterschiedlicheren Geschäft mit konventioneller Erzeugung einerseits und Ökostrom andererseits. Eon ist dabei einen Schritt voraus. Bei der Hauptversammlung stellten die Aktionäre die Weichen für die rechtliche Trennung . Aber ist Eons Weg richtig?

Eon

Der Marktführer hat bereits Anfang April 2015 das neue Unternehmen Uniper mit rund 14.000 Mitarbeitern gegründet. Es führt die Eon-Gas- und Kohlekraftwerke - also die „alte“ Energie - sowie den Energiehandel und die Wasserkraft. Die deutschen Eon-Kernkraftwerke mussten auf politischen Druck beim Mutterkonzern bleiben. Im Herbst will Uniper an die Börse - zunächst, indem Eon gut 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Eon-Aktionäre ausgibt. Einige Jahre später will sich Eon auch von den restlichen Anteilen trennen. Eon gibt also die „alte“ Energie praktisch komplett auf und konzentriert sich ganz auf Erneuerbare, Netze und Vertrieb. Die Trennung wurde auch räumlich vollzogen: Seit Jahresbeginn 2016 ist Uniper mit Sitz in Düsseldorf bereits selbstständig am Markt tätig. Eon zog nach Essen.

RWE

RWE hatte eine Aufteilung lange abgelehnt. Firmenchef Peter Terium ist ein Anhänger des „integrierten Konzerns“, der alle Leistungen aus einer Hand anbietet. Ende 2015 schlug der Konzern den Weg dennoch ein - wenn auch völlig anders als Eon. Die Essener legten ihre Geschäftsfelder Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb zu einer neuen Gesellschaft zusammen, die am 1. April die Arbeit aufgenommen hat. In dem Unternehmen mit dem Namen Innogy und Sitz in Essen sollen später einmal zwei Drittel der 60.000 RWE-Beschäftigten arbeiten.

Ende 2016 will RWE zunächst rund 10 Prozent der Innogy-Aktien im Zuge einer Kapitalerhöhung an die Börse bringen, weiter Schritte können folgen. Die Mehrheit an der Zukunftstochter soll aber beim Mutterkonzern RWE AG bleiben. Alte und neue Energie bleiben also weiter verbunden.

Was ist besser?

Eon-Chef Johannes Teyssen ist von seinem Weg einer klaren Trennung überzeugt. Eon böten sich nach einer Konsolidierungsphase sichere Einnahmen durch den hohen Anteil an staatlich reguliertem Geschäft und zugleich große Wachstumschancen vor allem mit Erneuerbaren Energien und kundennahen Netzen, sagte er vor Analysten. Teyssen ist überzeugt, dass auch die neue Eon ein Wert für den Dax bleibt. Und Uniper habe mit modernen Gaskraftwerken und Speichern, der Wasserkraft und dem Handelsgeschäft kräftige Pfunde, betont dessen neuer Chef Klaus Schäfer. Wie die ganze Branche setzen Eon und Uniper dabei darauf, dass sich in den kommenden Jahre die Strom-Großhandelspreise wieder erholen.

RWE sieht sich dagegen mit seinem vorsichtigeren Ansatz im Vorteil. „Ich denke, dass unsere Strategie die bessere ist“, sagte der RWE-Vize und künftige RWE-AG-Chef Rolf Martin Schmitz im „Handelsblatt“. Der Vorteil von RWE: Die Essener gehen mit einer Zukunftsgesellschaft ohne Altlasten an die Börse, die sicher auf Interesse der Aktionäre stoßen wird. Uniper muss dagegen seine Anleger von einem Unternehmen überzeugen, dessen Kraftwerke derzeit kaum Geld verdienen - wenn sie überhaupt am Netz laufen.

Vorteil RWE?

Auf den ersten Blick ja. Aber man kann es auch anders sehen. Schließlich bringt RWE gerade die zukunftsträchtigsten Bestandteile mit der neuen Gesellschaft Innogy schrittweise an die Börse, beim Konzern bleiben die konventionellen Kraftwerke der Vergangenheit. „Mit den Einnahmen aus den Erneuerbaren muss RWE die Konventionellen noch lange stützen“, sagt der Geschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW, Thomas Hechtfischer. Im Grunde sei das ein Ausstiegsmodell: „RWE verkauft die Zukunft, Eon trennt sich von der Vergangenheit.“

Quelle: dpa

Dabei stand am Mittwoch auf der Tagesordnung eine der wichtigsten Entscheidungen in der Konzerngeschichte – eine „Zäsur“ wie Aufsichtsratschef Werner Wenning betonte. Und auch für Teyssen stand viel auf dem Spiel. Ende 2014 hatte er die Aufspaltung von Eon in zwei Teile angekündigt, eineinhalb Jahre lang arbeiteten Management und Mitarbeiter daran. Seit Anfang des Jahres ist das neue Unternehmen Uniper auch schon am Start, das die Kohle- und Gaskraftwerke, den Großhandel und die Gasproduktion übernommen hat. Eon konzentriert sich seitdem auf das Geschäft mit der Energiewende, die erneuerbaren Energien, Vertrieb und Netz. Jetzt sollten die Aktionäre die Trennung endgültig besiegeln. Sie stimmten über die Veräußerung von gut 53 Prozent der Anteil ab. Jeder Eon-Aktionär soll pro zehn Anteile eine zusätzliche Aktie von Uniper bekommen.

Komplett am Ziel ist Teyssen aber immer noch nicht. Mindestens ein Aktionär legte auf der Hauptversammlung Widerspruch ein. Er könnte den Abschluss der Transaktion zumindest verzögern. Eigentlich wollte Teyssen die Spaltung im Sommer ins Handelsregister eintragen.

Insgesamt erntete der Eon-Chef aber so viel Zustimmung wie selten zuvor. „Es ist der einzig richtige Schritt“, sagte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger. Noch vor wenigen Jahren habe es kaum Hoffnung für Eon gegeben. „Heute haben wir ein Unternehmen, von dem ich den Eindruck habe, es fängt wieder an zu leben“, erklärte Buhlmann. Thomas Deser, Portfoliomanager von Union Investment, hält die Zweiteilung von Eon für „alternativlos, um beide Unternehmensteile für die nächsten Jahre über Wasser zu halten“. Deshalb erhalte die Strategie von Eon-Chef Teyssen seine volle Zustimmung. Und Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erklärte: „Ich sehe auch keinen besseren Plan.“

Neuer Eon-Chefaufseher Kley: Der Ausgeschlafene

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Premium Der Ausgeschlafene

Bis vor kurzem führte Karl-Ludwig Kley noch die Geschäfte beim Pharma- und Chemieriesen Merck. Nun wird der 64-Jährige Aufsichtsratschef bei Eon. Eine schwierige Aufgabe – und doch könnte er genau der Richtige sein.

Die Spaltung erfolgt aus einer Situation der Not heraus. Der Energieriese durchleidet die größte Krise in der Unternehmensgeschichte. Für das abgelaufene Geschäftsjahr meldet Eon einen Rekordverlust von rund sieben Milliarden Euro.

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