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29.03.2016

20:28 Uhr

Eon hebt Gewinnprognose an

Streit mit Gazprom gelöst, Erwartungen angepasst

Eon-Tochter Uniper hat sich erneut mit Gazprom über Gaspreisnachlässe geeinigt. Nun kann der Versorger Rückstellungen auflösen – und traut sich beim Gewinnziel mehr zu als bisher. An der Börse kommt die Nachricht gut an.

Die Eon-Gewinnprognose für das Gesamtjahr wurde nach oben angepasst. dpa

Energiekonzern Eon

Die Eon-Gewinnprognose für das Gesamtjahr wurde nach oben angepasst.

Düsseldorf/EssenDie Eon-Tochter Uniper hat sich mit dem russischen Staatskonzern Gazprom erneut auf Preisnachlässe für langfristig vereinbarte Gaslieferungen geeinigt. Ein Schiedsverfahren zwischen den Unternehmen sei damit beigelegt worden, teilte Eon am Dienstag in Essen mit.

Das Unternehmen profitiere einmalig mit rund 380 Millionen Euro beim Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) im ersten Quartal 2016. Auf die Gaspreise für Endverbraucher habe dieser Einmaleffekt keine Auswirkungen, es sei keine Preissenkung geplant, sagte ein Eon-Sprecher.

Eon und Gazprom hatten schon einmal 2012 eine ähnliche Vereinbarung geschlossen. Hintergrund sind langfristige Lieferverträge von Eon mit Gazprom, die sich zum Zeitpunkt des Abschlusses noch stark am Ölpreis orientiert hatten. Da der Öl- und Gaspreis am Markt seitdem stark gesunken ist, Eon aber weiter auf der Grundlage der vereinbarten Preise bei Gazprom einkaufen musste, hatte das Unternehmen teils draufgezahlt.

Die deutschen Atomkraftwerke und ihre Restlaufzeiten

Schrittweiser Automausstieg

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 nahm die Bundesregierung ihre erst ein Jahr zuvor vereinbarte Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke zurück und beschloss einen schrittweisen Atomausstieg. Statt frühestens 2036 soll nun der letzte Meiler bis 2022 vom Netz gehen. Acht AKW wurden 2011 sofort stillgelegt.

Rückbau

Der Rückbau wird Jahre dauern und Milliarden kosten - hinzu kommen die ungewissen Kosten bei der Endlagerung des Atommülls. Die Restlaufzeiten der noch in Betrieb befindlichen Reaktoren:

Neckarwestheim II (Baden-Württemberg)

Haupteigentümer: EnBW

Nennleistung in Megawatt: 1395

Restlaufzeit: fünf Jahre (1989 - 2022)

Philippsburg II (Baden-Württemberg)

Haupteigentümer: EnBW

Nennleistung in Megawatt: 1458

Restlaufzeit: zwei Jahre (1984 - 2019)

Isar II (Bayern)

Haupteigentümer: Eon

Nennleistung in Megawatt: 1475

Restlaufzeit: fünf Jahre (1988 - 2022)

Gundremmingen B (Bayern)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1344

Restlaufzeit: bis Ende des Jahres (1984 - 2017)

Gundremmingen C (Bayern)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1344

Restlaufzeit: vier Jahre (1984 - 2021)

Grohnde (Niedersachsen)

Haupteigentümer: Eon

Nennleistung in Megawatt: 1360

Restlaufzeit: vier Jahre (1984 - 2021)

Emsland (Niedersachsen)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1400

Restlaufzeit: fünf Jahre (1988 - 2022)

Brokdorf (Schleswig-Holstein)

Haupteigentümer: Eon/Vattenfall

Nennleistung in Megawatt: 1440

Restlaufzeit: vier Jahre (1986 - 2021)

Uniper-Chef Klaus Schäfer zeigt sich zufrieden mit dem Gazprom-Abschluss: „Unsere Partnerschaft hat sich damit auch in einem schwierigen, durch stark gefallene Energiepreise gekennzeichneten Marktumfeld bewährt.“ Nun kann der Versorger auch Rückstellungen auflösen – und traut sich beim Gewinn mehr zu als bisher.

Die Eon-Gewinnprognose für das Gesamtjahr wurde nach oben angepasst. Der um Sondereffekte bereinigte nachhaltige Konzernüberschuss, auf dessen Grundlage die Dividende festgelegt wird, soll jetzt bei 1,5 bis 1,9 (vorher 1,2 bis 1,6) Milliarden Euro liegen. Die Zahl stellt aber nur eine Momentaufnahme dar, da noch in diesem Jahr die Abspaltung des Mehrheitsanteil an Uniper geplant ist und sich damit die Konzern-Prognose stark verändert.

Das Dax-Unternehmen stellte nun ein Ebitda von 6,4 bis 6,9 Milliarden Euro in Aussicht. Anfang März hatte Vorstandschef Johannes Teyssen inklusive der neuen Energiegesellschaft Uniper hier noch eine Spanne von 6,0 bis 6,5 Milliarden Euro genannt.

Die Nachrichten kamen an der Börse recht gut an: Eon-Aktien stiegen am späten Nachmittag um 0,7 Prozent. „Gazprom und Uniper haben erneut bewiesen, dass man bei langfristigen Gaslieferverträgen flexible Lösungen finden kann“, betonte Schäfer.

Im vergangenen Jahr hatte Eon einen Rekordverlust von sieben Milliarden Euro geschrieben. Teyssen hat dem Konzern eine Aufspaltung verordnet. Die Gas- und Kohlekraftwerke werden bei der Tochter Uniper geführt, während Eon sich auf das zukunftsträchtige Ökostromgeschäft konzentriert.

Uniper habe durch die Einigung mit Gazprom seine Risikopositionen im Bezug auf die langfristigen Gaslieferverträge reduziert, hieß es weiter. Eon hatte in der Vergangenheit beklagt, dass der Konzern teurer Gas einkaufe als er es verkaufen könne.

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