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14.04.2015

19:37 Uhr

Eon

Insider nennen Details zur Aufspaltung

Eon will sich aufspalten und neu ausrichten. Noch vor der Hauptversammlung im Mai sollen der Name für den ausgegliederten Teil und die Mitglieder des Vorstandes bekanntgeben werden. Erste Hinweise gibt es bereits.

Eon will die konventionelle und nukleare Energieerzeugung in ein eigenes Unternehmen ausgliedern. Erste Details zu den Plänen wurden jetzt bekannt. dpa

Aufspaltung

Eon will die konventionelle und nukleare Energieerzeugung in ein eigenes Unternehmen ausgliedern. Erste Details zu den Plänen wurden jetzt bekannt.

DüsseldorfDer Versorgungskonzern Eon, der sich in zwei Unternehmen aufspalten will, wird noch vor der Hauptversammlung am 7. Mai den Namen für den ausgegliederten Teil und Mitglieder des Vorstandes bekanntgeben. Das berichten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen.

Eon werde außerdem die Verteilung der Unternehmenstöchter näher benennen, erklärten die Personen, die anonym bleiben wollten, da die Information vertraulich ist. Der in Düsseldorf ansässige Konzern werde die Details wahrscheinlich in der Woche vor der Hauptversammlung veröffentlichen, führten sie aus.

Am 30. November hatte Deutschlands größter Versorger angekündigt, die konventionelle und nukleare Energieerzeugung abzuspalten und sich künftig voll auf erneuerbare Energien zu konzentrieren. Dies ist die bisher radikalste Reaktion auf die Energiewende in Deutschland, die zur Abschaltung von Atomreaktoren geführt und die Strompreise untergraben hat, was an der Profitabilität der traditionellen Versorger zehrt.

Eon werde außerdem darüber informieren, wo die beiden neuen Unternehmen angesiedelt sein sollen, berichtete eine der informierten Personen.

Während der größte Teil der Aktiva des Konzerns im Bereich Erneuerbare Energien bei der Muttergesellschaft bleiben werde, solle der Windpark Amrumbank West in der Nordsee Teil des ausgegliederten Unternehmens werden, berichten zwei unterrichtete Personen. Der Grund hierfür ist, dass der Windpark zu Eon Kraftwerke GmbH gehört, die Kraftwerke an 20 Standorten in Deutschland betreibt und diese Rechtskonstruktion nur teuer wieder aufzulösen ist.

An der Spitze des ausgegliederten Unternehmens dürfte das Eon-Vorstandsmitglied Leonhard Birnbaum stehen, während Johannes Teyssen sowohl Aufsichtsratschef des ausgegliederten Unternehmens werden und Eon-Vorstandschef bleiben dürfte, erklärte eine informierte Person und bestätigte damit einen Bericht der „Rheinischen Post“.

Die Atomklagen der Energiekonzerne

Atomausstieg

Eon, RWE und Vattenfall sind gegen den 2011 beschlossenen beschleunigten Atomausstieg vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Den Konzernen geht es nicht darum, den bis Ende 2022 geplanten Ausstieg rückgängig zu machen. Sie fordern jedoch Schadenersatz, da die Bundesregierung wenige Monate vor der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima die Laufzeiten der Meiler noch verlängert hatte. Sollte das Verfassungsgericht den Unternehmen Recht geben, müssten diese den Schadenersatz in weiteren Verfahren erstreiten. Eon fordert mehr als acht Milliarden Euro. Bei RWE gehen Analysten von sechs Milliarden aus. Vattenfall will 4,7 Milliarden Euro und klagt auch vor einem Schiedsgericht in den USA.

Brennelementesteuer

Eon, RWE und EnBW klagen auf eine Befreiung und Rückzahlung der 2011 eingeführten Brennelementesteuer. Eon hat nach eigenen Angaben bislang rund 2,7 Milliarden Euro an den Fiskus gezahlt, RWE bis Ende 2015 rund 1,5 Milliarden Euro und EnBW 1,2 Milliarden Euro. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) billigte im Juni 2015 die Steuer. Das Bundesverfassungsgericht könnte sie noch kippen. Eine Entscheidung in Karlsruhe ist noch nicht absehbar.

AKW-Moratorium 2011

Eon, RWE und EnBW klagen gegen Bund und Länder wegen des nach der Atomkatastrophe von Fukushima verhängten dreimonatigen Betriebsverbots für die sieben ältesten der damals 17 deutschen AKWs und des damals geschlossenen AKW Krümmel. Das Moratorium lief von März bis Juni 2011 und mündete schließlich im Sommer in den endgültigen Ausstiegsbeschluss. Ursprünglich hatte lediglich RWE geklagt. Nachdem der Energieriese vor Gericht Recht bekam, zogen Eon und EnBW nach. Eon klagt auf Schadenersatz in Höhe von 380 Millionen Euro, RWE auf 235 Millionen und EnBW auf 261 Millionen. RWE und EnBW haben bei ersten Anhörungen vor Gerichten allerdings einen Dämpfer erhalten. Urteile stehen aus.

Dieser Bericht deutete außerdem an, dass der aktuelle Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer den ausgegliederten Teil leiten könnte. Der Name des ausgegliederten Unternehmen wird demzufolge von der Markenagentur MetaDesign entwickelt. Georg Oppermann, ein Sprecher für Eon, wollte sich am Dienstag zu den Vorgängen nicht äußern.

Das ausgegliederte Unternehmen hat nach Berechnungen des Analysten Deepa Venkateswaran von Sanford C. Bernstein & Co. einen Unternehmenswert von 15,8 Mrd. Euro und einen Eigenkapitalwert von 5,2 Mrd. Euro.

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