Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.03.2017

04:25 Uhr

Eon

Kapitalerhöhung spült 1,3 Milliarden Euro in die Kasse

VonJürgen Flauger

Der Versorger Eon hat seine Kapitalerhöhung erfolgreich über die Bühne gebracht. Nach Platzierung von 200 Millionen neuen Aktien fließen nun 1,35 Milliarden Euro in die Kasse. Das Geld braucht Eon für den Atomausstieg.

Abschreibungen und Belastungen aus dem Atomausstieg hatten 2016 tiefe Löcher in die Bilanz von Eon gerissen. dpa

Eon

Abschreibungen und Belastungen aus dem Atomausstieg hatten 2016 tiefe Löcher in die Bilanz von Eon gerissen.

DüsseldorfAm Mittwoch hatte die Eon-Aktie wieder einen schwarzen Tag erlebt. Der Titel gab mehr als gut drei Prozent nach – und war einer der schlechtesten Werte im Dax. Eon hatte am Vormittag den größten Verlust der Konzerngeschichte eingeräumt: Mehr als 16 Milliarden Euro. Aber das war nicht der Grund für den Kurssturz. Die Aktionäre hatten sich endlich Klarheit in einer Frage erhofft, die sie seit Monaten umtreibt: Zu welcher Kapitalmaßnahme wird Vorstandschef Johannes Teyssen greifen?

Dass eine solche kommt, hatte Teyssen schon lange angekündigt und sein Team lange nach der richtigen Form suchen lassen. Auf der Bilanz-Pressekonferenz gab es dazu am Mittwoch aber überraschend keine Aussage. Das enttäuschte die Anleger zunächst schwer. Einen Tag später aber legte Eon nach: „Wir haben gestern in der Bilanzpressekonferenz angekündigt, dass wir Maßnahmen zur Finanzierung der Risikoprämie zügig durchführen werden. Dies ist uns bereits heute mit der Kapitalerhöhung erfolgreich gelungen“, sagte der kommende Finanzchef Marc Spieker laut Mitteilung nach Börsenschluss am Donnerstag.

Nach Platzierung von gut 200 Millionen neuen Aktien fließen nun etwa 1,35 Milliarden Euro in die Kasse. Die Aktien wurden in einem beschleunigten Platzierungsverfahren verkauft. Mit dem Erlös will Eon vor allem eine zur Jahresmitte auf das Unternehmen zukommende Zahlung an den staatliche Atomfonds finanzieren.

Der Konzern nimmt dafür das bereits genehmigte Kapital in Anspruch. Die Bezugsrechte der bestehenden Aktionäre werden ausgeschlossen. Die neuen Aktien werden ausschließlich institutionellen Investoren angeboten. Der Platzierungspreis dürfte zwischen 6,71 Euro und dem Xetra-Schlusskurs von 6,83 Euro liegen, wie aus einer Mitteilung der Bank of America hervorgeht, die die Transaktion begleitet.

„Vor dem Hintergrund der Belastung des Unternehmens durch die zur Jahresmitte an den staatlichen Kernenergie-Fonds zu zahlende Risikoprämie dient die Kapitalerhöhung der Stärkung der Eigenkapital- und Liquiditätsbasis der Eon SE“, teilte das Unternehmen mit.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Mit dem Erlös will Teyssen einen Teil der Zusatzbelastung durch den neuen Atomfonds finanzieren. Eon hatte sich wie die anderen Atomkonzerne RWE, EnBW und Vattenfall mit der Bundesregierung auf eine Neuregelung der Atommüllentsorgung geeinigt.

Die Konzerne behalten zwar die Verantwortung für den Rückbau der Kernkraftwerke. Die Verantwortung für die Zwischen- und Endlagerung des nuklearen Abfalls übernimmt aber der neue öffentlich-rechtliche Fonds. Eon muss seine dafür gebildeten Rückstellungen von rund acht Milliarden Euro einbringen – plus einen Risikozuschlag von etwa zwei Milliarden Euro. Im Gegenzug wird Eon aber auch ein schwer kalkulierbares Risiko los, das den Aktienkurs in den vergangenen Jahren schwer stets belastet hatte.

Teyssen hatte seine Investoren bei vielen Gesprächen befragt, ob sie den Deal unterstützen. Dabei stellte er auch klar, dass sie sich letztlich per Kapitalmaßnahme daran beteiligen sollen. Schließlich hätten sie selbst einen Vorteil bei der künftigen Entwicklung des Aktienkurses.

Konsortialführer für die Platzierung sind die Bank of Amerika, Merrill Lynch und Citigroup.

Eons Bilanz ist durch die Abspaltung von Uniper stark angespannt. Milliardenschwere Abschreibungen reduzierten das Kapital von rund 19 Milliarden auf nur noch 1,3 Milliarden Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×