Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.03.2016

10:26 Uhr

Eon macht Rekordverlust

Scheiden tut weh

VonJürgen Flauger

Zum letzten Mal legt Eon-Chef Teyssen eine Bilanz für den Gesamtkonzern vor. Und die hat es in sich: Der Energiekonzern hat vor der Trennung von Uniper einen historischen Fehlbetrag verbucht.

Noch nie so ein hoher Fehlbetrag in der Konzerngeschichte. dpa

Eon-AKW Grohnde

Noch nie so ein hoher Fehlbetrag in der Konzerngeschichte.

Düsseldorf/EssenZum Jahreswechsel hat Eon die Scheidung von Uniper vollzogen – und das mit finanziellen Nachteilen: Der Energieriese hat das letzte gemeinsame Geschäftsjahr mit einem historischen Verlust abgeschlossen. Unter dem Strich verbuchte Eon 2015 einen Fehlbetrag von sieben Milliarden Euro.

Schon 2014 hatte der Konzern einen Nettoverlust von 3,2 Milliarden Euro ausgewiesen. So einen hohen Fehlbetrag wie jetzt hat aber weder Eon seit der Gründung im Jahr 2000 jemals zum Jahresende verbucht, noch eines der Vorgängerunternehmen.

Eon begründete den dramatischen Verlust mit Abschreibungen auf seine notleidenden Kraftwerke von 8,8 Milliarden Euro, die der Konzern schon im dritten Quartal vorgenommen hatte. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um zehn Prozent auf 7,6 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis lag nach Angaben des Konzerns damit aber im Rahmen der Erwartungen. Die Nettoverschuldung reduzierte sich 2015 um 5,7 Milliarden auf 27,7 Milliarden Euro.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

„Wir haben in einem sehr schwierigen Marktumfeld ein ordentliches operatives Ergebnis abgeliefert. Unsere Kennzahlen spiegeln wider, dass sich die Branche in einem grundlegenden strukturellen Umbruch befindet, der sich in diesem Jahr ungebremst fortsetzt“, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen. „Die strategische Ausrichtung von Eon und Uniper auf zwei Energiewelten ist die richtige unternehmerische Antwort auf diesen Umbruch, der Weg wird aber härter und länger als erwartet.“

Eon-Chef Teyssen präsentiert zum ersten Mal die Bilanz in Essen. Dorthin war er zum Jahresbeginn mit seinem Unternehmen gezogen. Die alte Zentrale in Düsseldorf hat er Uniper und dessen Chef Klaus Schäfer überlassen. So dramatisch der Verlust ist, überraschend kam er letztlich nicht.

Überraschender war da schon die Prognose für das laufende Jahr. Für 2016 stellte Teyssen inklusive Uniper einen Rückgang des Ebitda auf 6,0 bis 6,5 Milliarden Euro in Aussicht. Damit sorgte Eon für Verdruss unter den Anlegern: Die Aktien drehten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und gaben 2,2 Prozent auf 8,14 Euro nach. Sie gehörten damit zu den größten Verlierern im Dax. Teyssen bereitete die Anleger zugleich auf niedrigere Ausschüttung vor. Im Gegensatz zum Konkurrenten RWE zahlt Eon den Aktionären für 2015 eine Dividende. Sie bekommen je Aktie 50 Cent. Teyssen hatte das beim Strategiewechsel versprochen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×