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29.07.2015

19:12 Uhr

Eon, RWE & Co

AKW-Konzerne halten Atom-Rückstellungen für ausreichend

Die Versorger müssen die Kosten für den Rückbau ihrer Atommeiler selbst tragen – das hat die Bundesregierung erneut klargestellt. Die Grünen hegen allerdings Zweifel, dass RWE und Co das auch wirklich können.

Die Grünen hegen Zweifel, dass RWE. Eon und Co den Rückbau ihrer Atommeiler tatsächlich selbst tragen können. dpa

AKW-Betreiber im Fokus

Die Grünen hegen Zweifel, dass RWE. Eon und Co den Rückbau ihrer Atommeiler tatsächlich selbst tragen können.

Düsseldorf/BerlinDie durch die Energiewende unter Druck geratenen AKW-Betreiber haben nach eigenen Angaben ausreichende Rückstellungen für die Verschrottung ihrer Meiler gebildet. Eon, RWE und Co wiesen am Mittwoch einmal mehr Zweifel zurück, dass sie sich den Abriss und die Müllbeseitigung wegen ihrer schwindenden Gewinne nicht mehr leisten könnten.

„Die Angemessenheit unserer Rückstellungen für Verpflichtungen aus der Kernenergie wird regelmäßig von unabhängigen Wirtschaftsprüfern bestätigt“, betonte Eon. Der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge nährt ein von den Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten daran Zweifel. Die Bundesregierung betonte, dass die Versorger selbstverständlich für alle Kosten des Rückbaus ihrer Atomkraftwerke aufkommen müssten.

„Sowohl bei Eon als auch bei RWE ist festzustellen, dass die vorhandene materielle Substanz derzeit höchstens annähernd ausreicht, um die Gesamtheit langfristiger Verpflichtungen decken zu können“, zitierte die Zeitung aus einer Studie der Professoren Wolfgang Irrek und Michael Vorfeld von der Hochschule Ruhr West.

Nur Eon wäre in der Lage, mit Vermögenswerten und Beteiligungen in Höhe von 56 Milliarden Euro Langfrist-Verpflichtungen von 55 Milliarden Euro zu bedienen. Die RWE-Vermögenswerte dagegen lägen mit 41 Milliarden Euro derzeit zehn Milliarden Euro unter Verpflichtungen von 51 Milliarden Euro. In den nächsten Jahren könne die Lage der Unternehmen noch kritischer werden. Zu den Verpflichtungen zählten neben den Atomrückstellungen auch Rückstellungen für die Braunkohletagebaue sowie finanzielle Verbindlichkeiten etwa durch Kredite.

Die vier AKW-Betreiber in Deutschland Eon, RWE, EnBW und Vattenfall haben insgesamt für den Abriss ihrer Meiler und die Lagerung des Atommülls Rückstellungen in Höhe von 38,5 Milliarden Euro gebildet. Bei Eon sind es 16,6 Milliarden Euro und bei RWE 10,3 Milliarden.

Die Summen liegen aber nicht auf dem Tagesgeldkonto, sondern sind teilweise in Sachwerten wie Kraftwerke und Stromnetze gebunden, deren Wert sich in den vergangenen Jahren verringert hat. Im europäischen Vergleich seien die AKW-Rückstellungen in Deutschland am höchsten, betonen die Betreiber. „Wir gehen davon aus, dass die Rückstellungen korrekt und angemessen sind“, bekräftigte RWE am Mittwoch.

Der Fahrplan zum Atommüll-Endlager

2014 bis Mitte 2016:

Eine 33-köpfige Kommission mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erarbeitet mit Expertenanhörungen die Grundlagen der Suche. Danach muss das Endlagersuchgesetz eventuell noch einmal modifiziert werden.

2015/2016:

Um nicht weitere Fakten für ein Endlager in Gorleben (Niedersachsen) zu schaffen, sollen keine Atommülltransporte mehr in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager gehen. Sie müssen in andere Zwischenlager in Deutschland gebracht werden.

Ab 2016:

Zunächst werden bundesweit alle ungeeigneten Regionen ausgesiebt. Regionen mit guten Gesteinsformationen werden ausgewählt und mehrere Standorte erkundet, auch mittels Probebohrungen.

Bis 2023:

Am Ende sollen die besten Standorte aufwendig unter Tage erkundet werden. Welche Standorte ausgewählt werden, soll mit einem weiteren Bundesgesetz beschlossen werden. Die Kosten pro Erkundung werden mit einer halben Milliarde Euro pro Standort veranschlagt.

2031

Bundestag und Bundesrat sollen endgültig über den Standort entscheiden, der Klageweg soll nicht eröffnet werden. Die Kosten der Endlagersuche werden mindestens zwei Milliarden Euro betragen.

Die Versorger müssten für die Kosten des Rückbaus aufkommen und gegebenenfalls nachlegen, sollten die Rückstellungen nicht ausreichen, sagte ein Sprecher von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Er verwies auch auf Gesetzespläne, um die Mittel im Fall von Umstrukturierungen der Stromkonzerne zu sichern.

Die Regierung reagiert damit unter anderem auf die geplante Aufspaltung von Eon. Gabriel lässt derzeit zudem durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton die Bilanzen der Versorger danach überprüfen, ob die Kostenschätzungen und die dafür gebildeten Vermögen ausreichen. Ergebnisse werden Ende September erwartet. Eine Kommission soll danach anhand der Ergebnisse bis November Empfehlungen zur Abdeckung der Kosten geben.

Von

rtr

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