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13.03.2013

15:19 Uhr

Eon und Co.

Für die Wende fehlt die Energie

VonDana Heide

Die Pläne waren ambitioniert, jetzt kommt die Ernüchterung: Die Energieriesen Eon, EnBW und RWE investieren deutlich weniger in Solar- und Windkraft als versprochen. Und sie verbreiten wenig Hoffnung auf Besserung.

Tasche leer: Die Energieriesen fahren die Investitionen in die Erneuerbaren zurück. Getty Images

Tasche leer: Die Energieriesen fahren die Investitionen in die Erneuerbaren zurück.

DüsseldorfDie Ankündigung klang markig: „Erneuerbare Energien sind ein zentraler Pfeiler unserer Konzernstrategie“, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen vor wenig mehr als einem Jahr. Gerade Windanlagen auf hoher See seien ein Wachstumsfeld.

Doch die Zahlen, die der Düsseldorfer Versorger heute vorgestellt hat, sprechen eine andere Sprache: Eon fährt die Investitionen zurück – auch in Sonnen- und Windkraft. Bei den Konkurrenten EnBW und RWE sieht es ähnlich aus. 

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Dabei ließen nicht nur Eon, sondern auch die Konkurrenz vor gar nicht allzu langer derartige Bekenntnisse hören. Der neue RWE-Chef Peter Terium etwa verkündete im Sommer die völlige Abkehr von der Atomkraft und die Konzentration auf die erneuerbaren Energien – sein Vorgänger Jürgen Großmann hatte sich noch vehement für die Kernenergie eingesetzt und war dafür vom Naturschutzbund als Dinosaurier gescholten worden. Bei EnBW gab es einen symbolträchtigen Wechsel in der Chefetage: Mit Frank Mastiaux übernahm der Manager, der bei Eon zuvor die Sparte der erneuerbaren Energien aufgebaut hatte.

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Inzwischen wird jedoch deutlich, dass die großen deutschen Energieversorger ihre Investitionen zurückfahren, auch die in die erneuerbaren Energien. Mit Eon folgt auch der dritte im Bunde der großen deutschen Versorger dem Pfad, den zuvor bereits EnBW und RWE eingeschlagen hatten. Wie der Konzern bei der Vorlage seiner Bilanz mitteilte, wird das Unternehmen statt wie im vergangenen Jahr fast 7 Milliarden Euro 2013 nur noch 6,1 Milliarden Euro investieren. Bis 2015 sollen die Investitionen gar auf 4,5 Milliarden Euro sinken.

Der Anteil, der für den Ausbau der erneuerbaren Energien genutzt wird, geht bereits in diesem Jahr von 25 Prozent auf 21 Prozent zurück. Statt wie im vergangenen Jahr rund 1,75 Milliarden Euro investiert der Konzern damit in diesem Jahr nur noch 1,3 Milliarden Euro in seine Windparks und Co. „Die wirtschaftliche Lage im Jahr 2013 ist deutlich angespannt“, erklärte Eon-Chef Johannes Theyssen. „Und in den nächsten Jahren wird es mit Sicherheit nicht einfacher für Eon.“ 2015 sollen die Investitionen in den Bereich erneuerbare Energien sogar auf weniger als eine Milliarde Euro pro Jahr sinken.

Offshore-Windenergieleistung 2011 weltweit

Platz 1: Vereinigtes Königreich

Offshore-Nennleistung 2011: 1.525 Megawatt

2. Platz: Dänemark

Offshore-Nennleistung 2011: 858 Megawatt

3. Platz: Niederlande

Offshore-Nennleistung 2011: 249 Megawatt

4. Platz: China

Offshore-Nennleistung 2011: 222 Megawatt

5. Platz: Deutschland

Offshore-Nennleistung 2011: 215 Megawatt

6. Platz: Belgien

Offshore-Nennleistung 2011: 195 Megawatt

7. Platz: Schweden

Offshore-Nennleistung 2011: 164 Megawatt

8. Platz: Finnland

Offshore-Nennleistung 2011: 30 Megawatt

9. Platz: Japan

Offshore-Nennleistung 2011: 25,3 Megawatt

10. Platz: Irland

Offshore-Nennleistung 2011: 25 Megawatt

Der Konzern wendet sich derzeit vor allem Märkten außerhalb Europas zu, etwa der Türkei, Brasilien und Russland. Die langfristige Unternehmensstrategie sei auf weitere Internationalisierung ausgerichtet, sagte Teyssen. Zwar gehören die erneuerbaren Energien zu den „drei Wachstumsfeldern“ des Konzerns, sagte Eon-Finanzchef Markus Schenck – ihr Anteil an der Stromerzeugung könne sogar schon in diesem Jahr den der konventionellen Kraftwerke übersteigen. Der Anteil am Konzernergebnis soll von derzeit 12 Prozent auf 15 Prozent in zwei Jahren steigen. Doch der „limitierende Faktor“ sei eben die Kapitalausstattung des Unternehmens.

Kommentare (43)

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wpuetz

13.03.2013, 15:33 Uhr

Ein wunderschöner Tag heute, um den Unsinn der Energiewende zu erkennen. Klarer Himmel, kein Bisschen Wind. Die Dächer sind schneebedeckt. Folglich kein Strom aus "erneuerbaren" Quellen.

Account gelöscht!

13.03.2013, 15:42 Uhr

Wenn man diese Energieriesen weiter "wurschteln" läßt,
werden die Taschen der Aktionäre immer praller und die der Privatkunden (nicht nur Firmen) immer dünner.
Das die Politiker etwas unternehmen, außer Sprüche
zu "klopfen", ist unwahrscheinlich.

vandale

13.03.2013, 15:45 Uhr

Die Versorger tragen einen wesentlichen Teil der Last der "Energiewende"

Die umweltfreundlichen Kernkraftwerke wurden nach den Reaktorunfällen in Fukushima in einem ökoreligiösen Delirium entschädigungslos abgeschaltet/enteignet. Die Versorger sind vor Gericht gezogen. Das recht politiknahe Bundesverfassungsgericht wird die Klagen kaum vor der Bundestagswahl entscheiden. Dadurch fehlen den Versorgern die besten Cash Generatoren. Die Entschädigungen werden erst Jahre später geleistet und kaum den Schaden decken.

Gem. des EEG geniesst die Einspeisung "Erneuerbarer Energien" Vorrang, andererseits keine Verantwortung für die Stabilität des Stromnetzes. In der Konsequenz werden die Kohle- und Erdgaskraftwerke der Versorger gem. den Launen des Wetters in kalter, oder warmer Bereitschaft gehalten, oder im unwirtschaftlichen Teillastbetrtieb betrieben. Diese Kosten tragen die Versorger und die staatlichen Körperschaften denen die Versorger gehören.

Sofern man nicht nach der Bundestagswahl die Kapazitätsbereitstellung durch Kohle- und Erdgaskraftwerke honoriert, werden die Versorger mit der zunehmenden Erzeugung umweltschädlichen Wind- und Solarstroms und der Verpflichtung die Netzstabilität sicherzustellen in eine wirtschafltich kritische Lage geraten.

Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Gesellschaft die analog einer gemischtquadratischen Gleichung ansteigenden Subventionen für religiös korrekten, aber wertlosen Strom aus Sonne und Wind auf Dauer leisten kann. Es hoch riskant eine Investition aufgrund dieses Investitionsversprechens 20 Jahre in die Zukunft zu tätigen.

Vandale

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