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23.02.2016

16:16 Uhr

Erdöl- und Erdgasgewinnung

Plädoyer für Fracking

VonRegine Palm

Soll „Fracking“ in Deutschland zum Einsatz kommen oder nicht? Gernot Kalkoffen, Vorsitzender des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung, drängt auf eine gesetzliche Regelung. Denn: Die Branche hat Probleme.

Arbeiter auf einer Fracking-Plattform in Colorado: Auch bald in Deutschland? Reuters

Fracking

Arbeiter auf einer Fracking-Plattform in Colorado: Auch bald in Deutschland?

DüsseldorfDie deutsche Erdgasproduktion schrumpft immer weiter. Nach Angaben des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) wurden im vergangenen Jahr nur noch 8,6 Milliarden Kubikmeter Erdgas in Deutschland gefördert. Im Jahr zuvor waren es noch 0,6 Milliarden Kubikmeter mehr. Die inländische Ölproduktion blieb dagegen dank hoher Investitionen in die Entwicklung von Feldern mit rund 2,4 Millionen Tonnen weitgehend stabil.

Ursache für den starken Rückgang bei der Erdgasförderung sind laut WEG die alten Felder, vor allem aber verzögerte Genehmigungen für die Erschließung neuer Lagerstätten. Gerade mit Blick auf die immer noch ungelöste Debatte um Fracking in Deutschland ist es schwieriger geworden, Genehmigung für neue Erdgasbohrungen zu erhalten. Durch Fracking wird Schiefergestein mit Hilfe eines Wasser-Sand-Gemisches aufgebrochen, dem in kleinen Mengen Chemikalien beigefügt sind, um Öl und Erdgas fördern zu können. Vor allem wegen der Sorge um das Trinkwasser ist sind solche Bohrungen in Deutschland bisher verboten. In den USA ist Fracking nun schon seit einiger Zeit erlaubt. Dadurch sind die Gaspreise in den USA stark unter Druck gekommen. Öl aus Schiefergestein hat sogar weltweit zu einer regelrechten Ölflut beigetragen und den Ölpreis abstürzen lassen.

„Erdgas ist ein zentraler Stützpfeiler der Energiewende“, sagte der WEG-Vorsitzende Gernot Kalkoffen in Hannover auch mit Blick auf die damit verbundenen Arbeitsplätze in Deutschland. Die Politik müsse das Regelungspaket „Fracking“ zum Abschluss bringen, forderte Kalkoffen, der zugleich Chef von Exxon Mobil Central Europe ist. „Wenn wir nicht endlich wieder klare Rahmenbedingungen für unsere Aktivitäten bekommen, hat unsere Branche mit all ihrer technologischen Exzellenz und Exportpotenzialen bald keine Zukunft mehr“, ergänzte Detlev Doering, Vorsitzender der WEG Tarifgemeinschaft Dienstleister.

Der geopolitische Wert heimischer Energierohstoffe werde bei den Debatten bislang kaum berücksichtigt, so Kalkoffen. Im Gegenteil: „Die Diskussion zeigt mitunter absurde Züge. Ich habe selten ein Thema erlebt, bei dem Fakten so offensichtlich verdreht und wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert werden.“ Dabei hätten zahlreiche wissenschaftliche Studien inzwischen grünes Licht für die Anwendung der Fracking-Technologie gegeben.

Auch die Bundesanstalt für Geo-Wissenschaften und Rohstoffe (BGR) hatte in einer neuen Untersuchung zu Schieferöl- und gas unterstrichen, dass Trinkwasserschutz und Fracking miteinander vereinbar seien. Entgegen der Vorstudie, die 2012 durchgeführt worden war, hat die BGR allerdings das Potenzial mit 320 bis 2030 Milliarden Kubikmeter Schiefergas deutlich nach unten revidiert.

Wie hoch die Vorkommen tatsächlich sind, dürfte sich wohl erst dann zeigen, wenn tatsächlich Fracking betrieben werden darf. Andere Länder, darunter Polen, mussten nach Probebohrungen ihre zuvor großen Hoffnungen jedenfalls schnell begraben.

Die BGR, die die Bundesregierung berät, hat zudem die Rohstoffvorkommen in Deutschland insgesamt untersucht. Demnach werden hierzulande mehr als 40 verschiedene Rohstoffe gewonnen, „weitgehend in ihrer Bedeutung unbekannt und unbemerkt von der Bevölkerung.“

Die größten Goldproduzenten

Platz 10

Sibanye Gold - 44,2 Tonnen

Zum südafrikanische Goldproduzenten gehören die Minen Kloof and Driefontein in der Region West Witwatersrand und die Mine Beatrix in der Provinz Free State.

Quelle: Unternehmensangaben, GFMS, Thomson Reuters

Platz 9

Polyus Gold International - 50,9 Tonnen

Das russische Goldunternehmen hat seine Produktion seit 2004 enorm ausgeweitet. Seitdem die Matrosov-Goldmine erschlossen wurden, gehören die Moskauer zu den größten Goldproduzenten der Welt.

Platz 8

Gold Fields - 55,5 Tonnen

Der südafrikanische Minenbetreiber ging aus der britischen Holding „The Gold Fields of South Africa“ hervor und betreibt heute auch Minen in Australien, Ghana, Peru.

Platz 7

Newcrest Mining - 66,9 Tonnen

Die Unternehmen aus Melbourne fördert Gold in Australien, Indonesien und Papua Neuguinea. Mit der Übernahme von Linir Gold stieg es 2010 zu den größten Goldproduzenten der Welt auf.

Platz 6

Navoi Mining and Metallurgy Combinat - 74,1 Tonnen

Mit dem Uran- und Goldabbau gehört das Staatsunternehmen zu den größten in Uzbekistan. 2011 erwirtschaftete der Minenbetreiber einen Umsatz von 3,5 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Kinross Gold - 77,2 Tonnen

Auch die Kanadier gehören erst seit der Übernahme von Red Back Mining zu den größten Goldproduzenten. Sie betreiben zehn Minen in acht Ländern, unter anderem in Ghana und Mauretanien.

Platz 4

Goldcorp - 82,4 Tonnen

Der zweite kanadische Goldriese betreibt in Red Lake, Ontario, die ertragreichste Goldmine der Welt. Auch in Mexiko und Südamerika macht der Konzern gute Geschäfte. Das Silbergeschäft wurde 2004 abgestoßen.

Platz 3

Anglogold Ashanti - 126 Tonnen

Aus der Fusion der südafrikanischen Anglogold und dem ghanaischen Goldkonzern Ashanti ist einer der weltgrößten Goldproduzenten hervorgegangen. Das Unternehmen betreibt unter anderem die tiefste Goldmine der Welt, die Mponeng-Goldmine, die 3770 Meter in die Erde reicht.

Platz 2

Newmont Mining - 154 Tonnen

Der Goldrausch der Amerikaner ist längst international. Der Minenbetreiber aus Denver, Colorado, baut Gold in Kanada, Bolivien, Australien, Ghana, Indonesien, Neuseeland, der Türkei, Peru und Usbekistan ab. Weltweit Spitze ist aber ein anderes Unternehmen.

Platz 1

Barrick Gold - 223,9 Tonnen

Der weltgrößte Goldproduzent kommt aus Kanada und betreibt weltweit 28 Minen, die meisten davon in Nord- und Südamerika. Aber auch in ausgefallenen Abbaugebieten wie Tansania, Sambia und in der Dominikanischen Republik schürft das Unternehmen nach Gold.

So liege etwa das größte Kieswerk Europas in Mühlberg an der Elbe. Rohstoffarm sei Deutschland also nicht. Selbst wertvolle Metalle finden sich. „121 Tonnen Silber und Kupfer stammen noch aus einem Bergwerk im Schwarzwald und geschätzt zehn Kilogramm Gold werden jährlich in Kieswerken aus Flusskiesen, zum Beispiel des Rheins, gewonnen“, hat Harald Elsner, Hauptautor des Berichts ermittelt.

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