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28.11.2012

16:04 Uhr

Erneuerbare Energien

Junge Firma will Solarthermie-Markt aufmischen

VonDana Heide

Exklusiv30 Prozent weniger Kosten für Solarthermieanlagen - das versprechen die Gründer von Protarget. Schaffen wollen zwei ehemalige Auto-Manager und ein Ingenieur das mit dem Baukasten-System aus der Automobilproduktion.

Die Sonne scheint über einem Parabolspiegel mit in der Mitte platzierten Solarreceivern eines solarthermischen Parabolrinnenkraftwerks in der Nähe von Las Vegas. dpa

Die Sonne scheint über einem Parabolspiegel mit in der Mitte platzierten Solarreceivern eines solarthermischen Parabolrinnenkraftwerks in der Nähe von Las Vegas.

Ende Oktober schockte eine Meldung die Solarthermie-Branche: Siemens steigt aus dem Markt aus. Der Konzern hatte 2009 für 418 Millionen Dollar ein israelisches Solarthermie-Unternehmen gekauft, nach Abschreibungen in Höhe von 50 Prozent will Siemens-Chef Peter Löscher die Firma wieder loswerden. Der Zukauf hatte die Erwartungen der Münchner nicht erfüllt.

Es sieht nicht gut aus für die Solarthermie. Bei dieser Technik wird mit Hilfe der Sonnenstrahlen Wasser erhitzt, sodass es verdampft. Der Dampf treibt Generatoren an, die Strom erzeugen. Bei der Photovoltaik-Technik wird hingegen direkt mit den Sonnenstrahlen Strom produziert, der ins Netz eingespeist werden kann.

Die Photovoltaik wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt, sodass die Preise für die Anlagen in den vergangenen fünf Jahren um rund 50 Prozent gefallen sind. Da kann Solarthermie nicht mithalten.

Ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten steigt ein kleines Kölner Unternehmen in den Markt ein und verspricht Kosteneinsparungen von bis zu 30 Prozent für seine Anlagen. Die Gründer und Hauptanteilseigner John Mitchell und Martin Scheuerer arbeiteten mehr als zehn Jahre als Manager in fast allen Unternehmensbereichen des japanischen Autoherstellers Toyota - von dort haben sie das in der Industrie bewährte standardisierte Baukasten-Prinzip zur Fertigung mitgebracht. Das soll nun die Produktion ihrer Solarthermieanlagen billiger machen.

Die Idee für ihr Unternehmen wurde vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) mitentwickelt. Ein Pilotprojekt steht bereits bei Rosenheim in Bayern. „Dass die Kosteneinsparungen von 30 Prozent auch realistisch sind, haben wir mit unserer Pilotanlage unter Beweis gestellt. Die wurde bereits unter den Bedingungen der standardisierten Serienproduktion hergestellt.“

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Platz 1: China

China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

Platz 2: USA

Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

Platz 3: Japan

Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

Platz 4: Russland

Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

Platz 5: Indien

Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

Platz 6: Kanada

Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

Platz 7: Deutschland

Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

Platz 8: Frankreich

Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

Platz 9: Brasilien

Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

Platz 10: Südkorea

Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Die zweijährige Forschung bis zum Pilotprojekt haben die Gesellschafter nach eigenen Angaben komplett aus eigener Tasche bezahlt. Erst, als es an die Pilotanlage ging, holten sich die ehemaligen Automanager Hilfe zur Finanzierung. Sie fanden sie in Form eines privaten Investors, der mit 20 Prozent einstieg, und des Bielefelder Autozulieferers Hörmann Automotive, der sich mit 10 Prozent an Protarget beteiligte. Anfang 2013 wollen die Kölner wieder nach Investoren suchen, ein Gang an die Börse ist bisher nicht geplant.

Kommentare (7)

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vandale

28.11.2012, 17:35 Uhr

Die Produktionsverlagerung der umweltschädlichen Photovoltaikzellen nach China hat diese Technik soweit verbilligt, dass die Solarthermie sehr eindeutig das Nachsehen hat. Deshalb dürfte auch dieser Vorstoss keine Erfolgsaussichten haben.

Der Strom aus der Solarthermie ist mittels Wärmespeichern eher dem Bedarf anzupassen als Photovoltaikstrom und damit wertvoller, bzw. nicht so wertlos wie der Photovoltaikstrom. Allerdings wird dies in keinem Subventionsgesetz abgebildet. Das Eingeständnis das Photovoltaikstrom wertlos ist, würde den betroffenen Politikern und Lobbyisten schwer fallen.

Die Solarthermie lässt sich am sinnvollsten in sonnenreichen Wüstenregionen nutzen. Die Subventionsgeetze sind jedoch national beschränkt. Deutschland hat lediglich eine Absichtserklärung gegeben Desertec mit einem 2-stelligem Millionenbetrag subventionieren. Dafür gibt es dann lediglich ein sehr bescheidenes Oekosolarmonsterchen.

Fazit...Solange die Bundesregierung nicht willens ist signifikante Subventionsversprechen für Installationen in südlichen Ländern zu geben wird es keine Solarthermie geben.

Vandale

Charly

28.11.2012, 18:37 Uhr

Aber Solarthermie kann im Gegensatz zur Photovoltaik nur im Grosseinsatz Verwendung finden. Photovoltaik kann zur dezentralen Eigenversorgung eingesetzt werden, Solarthermie ist nur im Grossen und mit dem Technik-Know-How einer Grossfirma machbar.

Ausserdem erzeugt Solarthermie Strom ja nicht direkt sondern indirekt über eine DampfTurbine. Eine Dampfturbine benötigt aber eine Kühlung (Carnot), In der Wüste mit Heissluft zu kühlen ist problematisch, also benötigt Solarthermie Wasser, (in der Wüste ist das oft Grundwasser)
Solarthermie ist also nicht unbedingt umweltfreunlicher als Photovoltaik, wird aber von Grosskonzernen propagiert, weil sie nicht dezentralisiert werden kann.

b.sc.

28.11.2012, 21:23 Uhr

1.Solarthermie kann doch auch dezentral eingesetzt werden, aber halt nur zur Wärmeversorgung oder in Kombination mit einer Wärmepumpe auch eine interessante Angelegenheit.

2. Sie wissen aber schon, wie kalt es nachts in der Wüste werden kann. Somit sind schon einmal mind. 8h Stunden der benötigten kalten Luft gedeckt. Das Wasserproblem ist auch nur eine einmalige Sache, da doch alles im Kreislauf geführt wird, abgesehen von ein paar Leckagen vielleicht.

3. M.E. nach ist es sinnvoller über die konzentrierende zentrale Solarthermie indirekt Strom zu erzeugen, anstatt die Wüste komplett mit PV zu zubauen. Wenn man denn schon dieses Ziel verfolgt. In Spanien gibt es ein Pilotprojekt mit dieser Verfahrensweise, das nach externen Informationen ganz gut läuft. Es wird momentan erweitert.

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