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04.11.2016

11:04 Uhr

Erneuerbare Energien

Kostenwende beim Offshore-Wind

VonFranz Hubik

Lange war fraglich, ob Windräder auf hoher See jemals ohne Subventionen Strom produzieren können. Nun steht die Meerwindindustrie aber kurz davor, voll wettbewerbsfähig zu werden – und hofft auf einen Wachstumsschub.

Die europäische Offshore-Windbranche könnte bis 2040 in etwa so groß werden, wie die europäische Eisenbahnindustrie. obs

Offshore-Windpark in der Nordsee

Die europäische Offshore-Windbranche könnte bis 2040 in etwa so groß werden, wie die europäische Eisenbahnindustrie.

DüsseldorfTeuer, unkontrollierbar, nutzlos – Offshore-Windenergie gilt unter ihren Kritikern noch immer als verrücktes Wagnis, das Firmen wie Volkswirtschaften tunlichst meiden sollten. Klaus Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, wettert beispielsweise gerne gegen die „kostspieligen Hochseeabenteuer“, die den Preis für die Energiewende unnötig in die Höhe treiben. Manuel Frondel, Energieökonom am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, hält ebenfalls nicht viel von Meerwindanlagen. Die Mühlen, die teils höher als der Kölner Dom (159 Meter) aus dem Wasser ragen, seien „nicht steuerbar“ und wären letztlich nichts anderes als „Subventionsruinen“.

Die unrühmliche Historie von Offshore-Windenergie in Deutschland scheint Mahnern und Zweiflern wie Müller und Frondel Recht zu geben. Über Jahre hinweg prägten Planungschaos, explodierende Kosten und mysteriöse Pannenserien das Bild der Meerwindbranche. Alleine Siemens versenkte fast eine Milliarde Euro im Meeresgrund, weil der Münchner Paradekonzern sträflich unterschätzte, wie schwierig es in der Praxis ist, die Hochseemühlen ans Stromnetz am Festland anzubinden. Doch diese leidvollen Erfahrungen sind mittlerweile überwunden.

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In der deutschen Nord- und Ostsee drehen sich bereits 835 Windräder, die mit einer Kapazität von 3,5 Gigawatt rein rechnerisch mehr als zwei Millionen Haushalte mit Strom versorgen können. Die allermeisten Anlagen laufen dabei übers Jahr hindurch ohne Probleme. Einzig die Kosten von Offshore-Wind sind noch immer ein Ärgernis – zumindest bis jetzt. Denn laut einer Marktanalyse der Unternehmensberatung Roland Berger, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, hat die Offshore-Windindustrie einen Wendepunkt erreicht.

„Offshore-Windenergie wird wettbewerbsfähig und hat sich einen Platz im künftigen Mix der Energieträger gesichert“, schreiben die vier Autoren in ihrer 16-seitigen Einschätzung zur Lage der Meerwindbranche. Ausgangspunkt für den Optimismus der Roland-Berger-Experten ist der neue Offshore-Windpark „Borssele“ in den Niederlanden, den der dänische Energieversorger Dong errichten wird. Mit Gesamtkosten von 87 Euro pro erzeugte Megawattstunde Strom sei das Projekt ein Meilenstein, der beweist, dass die Branche ihre Kosten binnen sechs Jahren mehr als halbiert habe. Der Abstand zu den anderen Energieerzeugungsarten schwindet dadurch im Eiltempo.

„Das Borssele-Projekt zeigt deutlich, dass Offshore-Windenergie schon bald zum ernstzunehmenden Wettbewerber für alle anderen Stromerzeugungsmethoden wird“, erklärt Manfred Hader, der für Roland Berger von Hamburg aus Firmen aus dem Windenergiemarkt berät und beobachtet. Zum Vergleich: Bei fossilen Kraftwerken (Kohle, Gas, Atom) liegen die durchschnittlichen Kosten pro Megawattstunde derzeit zwischen 40 und 60 Euro, bei Windkraft an Land zwischen 40 und 70 Euro und bei Strom aus Photovoltaik zwischen 70 und 130 Euro. Hader sieht Borssele als „Wendepunkt hin zu einem starken Wachstum und einer internationalen Verbreitung der Offshore-Windenergie“.

Kommentare (4)

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Rainer von Horn

04.11.2016, 11:38 Uhr

Zitat:
"Nun steht die Meerwindindustrie aber kurz davor, voll wettbewerbsfähig zu werden.."

Na, "wettbewerbsfähig" wären Offshore Windkraftanlagen -wie übrigens alle wetterbedingten "erneuerbaren" Stromerzeugungsanlagen- erst dann, wenn sie grundlastfähig wären. So wie konventionelle Krfatwerke. Denn erst dann, wenn "erneuerbare" Stromerzeugungsanlagen grundlastfähig wären, erst dann könnten die konventionellen Kraftwerke abgeschaltet werden - so wie man das ja auch ursprünglich vorhatte. Solange die "erneuerbaren" Kraftwerke aber nur wetterbedingt laufen, erlaubt sich Deutschland eine doppelte und somit für den Verbraucher enorm teure Stromerzeugungsinfrastruktur.
Da neben dem Ziel der "ökologischen" Erzeugung des Stroms bei der Energiewende auch Versorgungssicherheit und vor allem Bezahlbarkeit formuliert wurde, liegt für mich der Schlüssel für einen noch denkbaren Erfolg der Energiewende darin, die Erzeuger zufallsbedingten Ökostroms dazu zu verpflichten, GRUNDLASTFÄHIGKEIT herzustellen, z.B. durch den Bau von Zwischenspeichern. Wären die Erzeuger jedoch zur (teilweisen) Zwischenspeicherung gezwungen, wäre es mit einem Aspekt wohl wieder vrbei: der Wettbewerbsfähigkeit. Und das kommt daher, dass die Erzeuer dann diese Kosten der Speicherung selbst schultern müssten - und nicht der Verbraucher über die doppelte Infrastruktur.

Aber da man den Aspekt der Bezahlbarkeit der Energiewende politischer seits ja konsequent ignoriert -siehe Entwicklung der EEG-Umlage und der Stromsteuern-, gehts bei dieser Energiewende wohl viel mehr um Ideologie, als um Ökologie.

Account gelöscht!

04.11.2016, 12:13 Uhr

EEG abschaffen...erst dann wird man sehen ob diese Windmühlen eine wirtschaftliche Wertschöpfungskette in sich tragen.
Aber dazu sind diese EE-Mafiosos zu feige...die zocken uns Bürger über das EEG immer mehr ab und bringen uns den Mangel und die Armut mit ihrer Energieeinsparung wieder zurück.

Herr Lee Rtasche

04.11.2016, 12:49 Uhr



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