Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2014

13:51 Uhr

Erneuerbare Energien

Nur noch halb so viele neue Solaranlagen

In Deutschland werden bedeutend weniger Solaranlagen nachgefragt als noch 2012. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft ist sich sicher: Das liege an der extremen Kappung der Förderung.

Solarparzellen weniger gefragt: Die Förderung von Ökostromanlagen wird in Deutschland im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Reuters

Solarparzellen weniger gefragt: Die Förderung von Ökostromanlagen wird in Deutschland im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt.

BerlinDer Aufbau neuer Solaranlagen in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr deutlich verlangsamt. Es seien 124.000 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von gut 3300 Megawatt installiert worden, teilte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) am Donnerstag unter Berufung auf Zahlen der Bundesnetzagentur mit. Das sei ein Rückgang von mehr als 56 Prozent im Vergleich zu 2012 und der niedrigste Wert seit fünf Jahren.

BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig beklagte, die „extreme Kappung der Solarförderung“ habe die Nachfrage nach neuen Anlagen „geradezu einbrechen lassen“. Notwendig sei eine „Reparatur des Fördermechanismus“ im Rahmen der geplanten Gesetzesreform.

Das Energie-Konzept von Wirtschaftsminister Gabriel

Ausbaukorridore

Der Neubau von Wind-, Solar- oder Biomasseanlagen wird gesetzlich gesteuert. So sollen jährlich Windräder an Land mit maximal 2500 Megawatt Leistung gebaut werden. Gleiches gilt für Solaranlagen. Dies wäre für beide Erzeugungsarten weniger als 2013 installiert wurde. Zudem wird damit das bisherige Solar-Regierungsziel von 2500 bis 3500 Megawatt kassiert. Neue Biogasanlagen sollen nur noch mit maximal 100 Megawatt ans Netz gehen. Zum Vergleich: Ein mittleres Kohlekraftwerk hat etwa 500 Megawatt Leistung.

Förderhöhe

Die Fördersätze für Neuanlangen sollen – bis auf Solar – überall nochmals gekürzt werden. Bei Windenergie an guten Standorten, vor allem der Küste, soll der garantierte Abnahmepreis 10 bis 20 Prozent schrumpfen. Sollte der Ausbaukorridor überschritten werden, greifen zusätzliche Kürzungen. Die Vergütung für Strom aus Windanlagen auf hoher See sinkt 2018 und 2019 um jeweils ein Cent pro Kilowattstunde, was prozentual einem Minus ähnlich wie an Land entsprechen dürfte. Für Biogas-Anlagen werden Boni bei der Strom-Vergütung gestrichen und die Grundvergütung sinkt in den kommenden Jahren schneller.

Derzeit wird Ökostrom im Schnitt für 17 Cent pro Kilowattstunde den Produzenten abgekauft. Bei den ab 2015 gebauten Anlagen sollen es nur noch gut 12 Cent sein.

Ökostrom-Vermarktung

Das bisherigen System der auf 20 Jahre garantierten Abnahme- und Preisgarantie soll zügig fallen. Bereits Anlagen ab 500 Kilowatt Leistung müssen ihren Strom dann selber vermarkten, erhalten über eine Prämie zunächst aber einen Ausgleich bis zur festgelegten Garantie. Bis 2017 sinkt die Pflicht zur Direktvermarktung bis auf 100 Kilowatt, also praktisch für alle bis auf kleinere Solaranlagen auf Hausdächern.

Vor allem soll ab 2017 die Prämie als Aufschlag auf den Marktpreis per Ausschreibung für Investoren vorab festgelegt werden. Wer die geringste Prämie verlangt, bekommt den Zuschlag. Der Investor trägt dann zudem das Risiko sinkender Börsenstrompreise.

Eigenverbrauch und Industrie-Privilegien

Strom aus eigenen Kraftwerken, auf den derzeit keine Umlage zur Ökostrom-Förderung fällig wird, soll künftig mit einem Mindestsatz belegt werden. Die Frage der Rabatte auf die Umlage für große Teile der Industrie, gegen die auch die EU-Kommission vorgeht, bleibt im Eckpunktepapier offen. Hier wird zunächst eine Verständigung mit der EU erwartet.

Zeitplan

Die Eckpunkte sollen mit zusätzlichen Details als Gesetzentwurf am 9. April im Kabinett beschlossen werden. Bis 27. Juni soll der Bundestag zustimmen, der Bundesrat soll das Gesetz am 11. Juli passieren lassen. In Kraft treten könnte es so ab August.

Um einen massiven Ausbau zu den alten Konditionen in den kommenden Monaten zu verhindern, ist der kommende Mittwoch als Stichtag zumindest für die Windenergie vorgesehen. Nur Windräder, die bis dahin schon genehmigt sind und noch 2014 in Betrieb gehen, bekommen die alten Konditionen.

Die Förderung von Ökostromanlagen wird in Deutschland im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) plant eine Reform des EEG mit deutlichen Abstrichen bei der Förderung von Ökostrom sowie Ausbaugrenzen für Windstrom. Erneuerbare Energien sollen zwar weiter ausgebaut werden, Voraussetzung soll aber eine stärkere Marktintegration sein.

Von

afp

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

holger29

06.02.2014, 14:22 Uhr

Da die Einstrahlungsdichte der Sonne auf der Erde zur Stromerzeugung unzureichend ist und die Stromerzeugung dem Tagesverlauf, dem Jahresverlauf und den Launen des Wetters folgt gibt und nicht dem Elektritzitätsbedarf und damit nahezu wertlos ist, gibt es auf diesem Planeten keine Solaranlage ohne "Förderung", besser Subvention, oder einen Mäzen.

Mit der Reduzierung der Subventionssätze nimmt die Wirtschaftlichkeit der umweltschädlichen Solaranlagen innerhalb des Subventionssystems ab. Der Zubau vermindert sich.

"Lohnen" tut sich der "Eigenverbrauch" weil diese Erzeuger am Netz hängen und weder für die Kapazitätsbereitstellung, noch für das Netz, oder die Frequenzstabilisierung bezahlen müssen. Auch die Steuern, ca. 40% des Strompreises müssen die Eigenstromverbraucher nicht bezahlen.

Christen müssen für ihre Kirchen bezahlen, Muslims für die Moscheen, die Oekogläubigen lassen den Rest der Gesellschaft für die heilsbringenden Solaranlagen und "Erneuerbaren Energien" bezahlen. Mittlerweile betragen die Kosten ca. 30 Mrd. € pro Jahr, oder inklusive MwSt. Steuern, Gemeinkosten gut 1000 €/Jahr und Haushalt.

Es stellt sich die Frage wie lange sich die Gesellschaft dies noch gefallen lässt.

HofmannM

06.02.2014, 14:40 Uhr

Staaliche Zwangssubventionen wie es das EEG darstellt haben in einer Marktwirtschaft auch nichts zu suchen!
Darum ist es richtig, dass das EEG seine Subventionstatbestände (staatlich garantierte überhöhte Marktpreise aus 20 Jahre garantiert) zurückfährt! Die sog. Erneuerbaren Energiebranche basiert alleine auf diesen EEG-Subventionen zu Lasten des deutschen Bürgerwohlstand und wirtschaftlichen Arbeitsplätzen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×