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23.11.2016

18:45 Uhr

Erneuerbare Energien

Trump wütet gegen deutsche Windkraft

VonFranz Hubik

Subventionsfresser, Vogelmörder, „ästhetisches Desaster“: Donald Trump hasst Windräder. Jetzt wetterte der künftige US-Präsident gegen Anlagen von Herstellern wie Siemens. Die deutsche Ökostrombranche reagiert gelassen.

Trump ist seit Jahren ein erklärter Gegner von Windrädern. Bereits 2012 twitterte er, dass Windturbinen aus seiner Sicht ein „ökologisches und ästhetisches Desaster“ seien. Reuters

Donald Trump

Trump ist seit Jahren ein erklärter Gegner von Windrädern. Bereits 2012 twitterte er, dass Windturbinen aus seiner Sicht ein „ökologisches und ästhetisches Desaster“ seien.

DüsseldorfDonald Trump verabscheut Windräder. Bei einem Besuch in der Redaktion der amerikanischen Tageszeitung New York Times wetterte der künftige Präsident der Vereinigten Staaten erneut gegen Ökostromanlagen. „Ich habe ein Problem mit Wind“, sagte Trump. „Windmühlen töten Vögel und Windmühlen benötigen massive Subventionen.“ Der Immobilienunternehmer ist davon überzeugt, dass sich Windenergieanlagen, die teils 200 Meter hoch in den Himmel ragen, ohne staatliche Fördergelder überhaupt nicht rechnen würden.

„Das stört mich, und sie töten all die Vögel“, erklärte Trump. Zudem würden die Anlagen „aus enormen Mengen Stahl hergestellt, das in die Atmosphäre geht“, sagte Trump. Was den politischen Quereinsteiger aber offenbar am meisten empört: „Wir stellen die Windmühlen nicht in den Vereinigten Staaten her. Sie werden in Deutschland und Japan gefertigt“, so Trump.

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Auf den Hinweis des New York Times-Kolumnisten Thomas L. Friedman, dass beispielsweise der US-Industriekonzern General Electric in einer großen Fabrik in South Carolina Windturbinen herstellt, erklärte Trump: „Das ist gut. Aber […] Siemens und die Chinesen machen die meisten davon.” Trump betonte, dass er Windmühlen nicht subventionieren will – und wohl schon gar keine Anlagen aus Deutschland.

Siemens wollte sich auf Handelsblatt-Anfrage nicht zu den Aussagen von Trump äußern. Siemens-Chef Joe Kaeser betonte nach dem Wahlerfolg von Trump aber, dass er sich „auf eine weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der neuen US-Administration“ freue. Der Münchner Dax-Konzern beschäftigt in Amerika mehr als 50.000 Mitarbeiter, dazu zählen auch hunderte Beschäftigte im Windenergiebereich. Siemens fertigt etwa Rotorblätter in Fort Madison und Iowa sowie Maschinenhäuser für Windkraftanlagen in Hutchinson und Kansas.

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Deutsche Unternehmen zählen insgesamt zu den führenden Herstellern von Windkraftanlagen. Neben Siemens könnten deswegen nun auch für die beiden Hamburger Turbinenbauer Nordex und Senvion in Amerika schwierige Zeiten anbrechen. Laut der Unternehmensberatung Ernst & Young sind die Vereinigten Staaten derzeit noch das attraktivste Land für Investitionen in Ökostrom weltweit. Unter Trump als Präsident könnte sich das allerdings schnell ändern.

Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie, gibt sich betont gelassen. „Präsident Trump ist noch in der Findungsphase. Warten wir ab, wer ihn energiepolitisch beraten wird“, sagte Albers dem Handelsblatt. „Die Erneuerbaren sind heimische Energien, die sein Ziel einer Stärkung der US-Wirtschaft und der Beschäftigung eigentlich stützen. Das sollten wir mit den Amerikanern besprechen“, erklärte Albers.

Kommentare (27)

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24.11.2016, 08:25 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Holger Narrog

24.11.2016, 09:07 Uhr

Die Subventionen für umweltschädliche Windmühlen betragen in den USA 12 Mrd. $/Jahr. Der Kongress wollte diese Subventionen gerne streichen, allerdings kam es zu einem Kuhhandel mit dem Obama die Subventionen für seine Sponsoren rettete.

Es ist zu hoffen dass dies wieder thematisiert wird und es ist dem amerikanischen Volk zu wünschen das diese sinnlosen Subventionen gestrichen werden.

Hintergrund: Die Stromerzeugung von Windmühlen folgt den Launen des Wetters. In einem Stromnetz in dem Stromerzeugung und Strombedarf in jedem Augenblick gleich sein müssen ist solcher Zufallsstrom wertlos. Praktisch ergibt sich je nach Situation und Betrachtung ein Wert im negativen Bereich bis hin zu den ersparten Brennstoffkosten moderner Grosskraftwerke.

Markus Hammermann

24.11.2016, 09:13 Uhr

Wenn man die Entwicklung der Energieversorgung nur dem freien Markt überlässt ohne Subventionen, würden im Moment noch weitere Kohlekraftwerke dazugebaut, sowie Kernkraftwerke. Dann wird es den Zeitpunkt geben, an dem Windkraft plus Stromspeicher oder Umwandlung in z.B. Wasserstoff oder Methan kostengünstiger ist, wann das sein wird, weiß niemand. Jedenfalls ist es oft sinnvoll, schon im Vorfeld in aufkommende Technologien zu investieren, bevor sie wirtschaftlich sind, und bevor es andere tun. Ein anderes Beispiel ist die Produktion von Akkus für Autos. VW will jetzt damit anfangen, andere machen es längst. Da hätten Subventionen vielleicht geholfen. In den USA kann man sehr viel Strom mit Windenergie erzeugen, allerdings kann man sich dann nicht mehr damit brüsten, dass "der ganze Klimawahnsinn" erfunden ist und die entsprechenden Wählerschichten mobilisieren, die gerne SUVs fahren.

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