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14.04.2013

16:42 Uhr

Erneuerbare Energien

Windbranche kämpft mit hohen Landpachten

ExklusivGeeignete Standorte für Windräder sind rar, entsprechend hoch sind die Pachten. Zu hoch, finden Unternehmen der Branche. Die Preise könnten dazu führen den Windkraftausbau zu verlangsamen.

Windräder auf Ackerland: Unternehmen der Branche klagen über zu hohe Pachten für die Nutzflächen. dpa

Windräder auf Ackerland: Unternehmen der Branche klagen über zu hohe Pachten für die Nutzflächen.

BerlinDie Pachten, die Landwirte in Deutschland für die Aufstellung von Windrädern auf Ackerflächen fordern, steigen drastisch. „Wir werden immer häufiger mit Pachtforderungen konfrontiert, die jenseits des wirtschaftlich Vertretbaren liegen“, sagte Werner Diwald, Vorstand der Enertrag AG, dem Handelsblatt (Montagausgabe). Enertrag zählt zu den führenden Windstromerzeugern hierzulande.

Viele Projektentwickler ließen sich aus purer Not auf die Forderungen ein. Sie müssten ihre laufenden Kosten decken und nähmen in Kauf, dass sie mit einem Projekt wegen der hohen Pachten unter dem Strich nichts mehr verdienten, sagte Diwald weiter.

Landwirte wollten aktuell in der Spitze mit bis zu zwölf Prozent an den Stromerträgen eines Windrads beteiligt werden, berichten Branchenkenner. Für ein Windrad, das an einem durchschnittlichen Standort in Deutschland pro Jahr rund sechs Millionen Kilowattstunden Strom produziert, ergeben sich so Pachteinnahmen von rund 60.000 Euro pro Jahr. An windreichen Standorten in Norddeutschland sind aber auch 90.000 Euro möglich. Noch vor wenigen Jahren waren sechs Prozent die Regel. Doch die Landwirte haben ihre Pachtforderungen kontinuierlich erhöht, weil geeignete Standorte rar sind. Die Ausweisung neuer Flächen für die Windkraft geht aus Sicht der Windkraftbranche nicht schnell genug voran.

Offshore-Windenergieleistung 2011 weltweit

Platz 1: Vereinigtes Königreich

Offshore-Nennleistung 2011: 1.525 Megawatt

2. Platz: Dänemark

Offshore-Nennleistung 2011: 858 Megawatt

3. Platz: Niederlande

Offshore-Nennleistung 2011: 249 Megawatt

4. Platz: China

Offshore-Nennleistung 2011: 222 Megawatt

5. Platz: Deutschland

Offshore-Nennleistung 2011: 215 Megawatt

6. Platz: Belgien

Offshore-Nennleistung 2011: 195 Megawatt

7. Platz: Schweden

Offshore-Nennleistung 2011: 164 Megawatt

8. Platz: Finnland

Offshore-Nennleistung 2011: 30 Megawatt

9. Platz: Japan

Offshore-Nennleistung 2011: 25,3 Megawatt

10. Platz: Irland

Offshore-Nennleistung 2011: 25 Megawatt

„Gerade an weniger ertragreichen Standorten im Süden Deutschlands können überzogene Pachtforderungen den Ausbau der Windkraft behindern“, sagt Christoph Markl-Meider von Ostwind. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren 80 Projekte mit 465 Windrädern projektiert und entwickelt. Auch politisch ist das Thema brisant. Denn die Hälfte des Ökostroms in Deutschland wird in Windparks erzeugt — zu vergleichsweise niedrigen Kosten. Nur mit einem zügigen Ausbau der Windkraft ist ein weiter wachsender Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung vorstellbar.

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Von

str

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

14.04.2013, 17:12 Uhr

Norbert Schindler (MdB, CDU), selbst Windmüller, erklärte im Bundestag: „Wer über 6m/s ein Windrad hat, der hat nicht ausgesorgt, aber das ist, wie bei guten Fotovoltaikstandorten, eine Gelddruckmaschine.“ Des weiteren, dass üblicherweise 50.000 Euro pro Jahr für die Pacht bezahlt werden, für einen halben Hektar Land und garantiert. Sollte der Ertrag aus dem Stromverkauf, oder sagen wir besser die Einspeisevergütung, höher liegen, wird es noch mehr.

Dieses EEG ist so ziemlich das unsozialste was jemals eine Bundesregierung getan hat.

http://glitzerwasser.blogspot.de/2013/03/windmuller-musste-man-sein.html

Lutz_Wendorff

14.04.2013, 17:46 Uhr

Wo ist bei solchen Anlagen gesichert, so wie bei den Kernkraftwerken, was am Ende der kurzen Lebensdauer einer Windmuehle geschieht? Mit 50.000 Euro fuer einen halben Hektar wuerde ich mich wohl auch bestechen lassen. Nur mit Vernunft im allgemeinen hat das nichts zu tun. Bis 2010 wurden 130 Milliarden Euro bereits ausgegeben fuer Strom aus EE. Da haette man etwa 20 Kernkraftwerke bauen koennen und haette 30 GW seitdem, auch wenn es schneit und kein Wind weht. Das Geld, das seit 2010 so rausgeschmissen wird, koennte in die Infrastruktur, Bruecken, Strassen, Schulen, Krankenhaeuser, Universitaeten, Forschungsanstalten oder Altenpflege gesteckt werden.

Schluss-mit-Agrarsubventionen

14.04.2013, 18:28 Uhr

@Quentin_Quencher

Zitat: "Dieses EEG ist so ziemlich das unsozialste was jemals eine Bundesregierung getan hat."

Der Pachtvertrag wird zwischen Eigentümer und Pächter ausgehandelt. Beiden steht es frei den Vertrag zu den ausgehandelten Konditionen abzuschließen. Wenn sich nicht einer "über den Tisch ziehen läßt", dann entsteht eine Win-Win-Situation.

Die hat aber nichts mit dem EEG zu tun!

In die Landwirtschaft fließen 420 Mrd. Euro Subventionen mitfinanziert aus unseren Steuern. Das nenne ich unsozial. Überließe man den Preis durch Angebot und Nachfrage sich selbst, wären landwirtschaftliche Produkte locker 30% preiswerter.

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