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30.07.2015

12:52 Uhr

Erneuerbare Energien

Windkraft führt EnBW aus der Verlustzone

Der Energieversorger EnBW stellt sich auf die Energiewende ein – und profitiert. Im ersten Halbjahr steigt der Gewinn auf eine Milliarde Euro. Vor allem die Gas- und die Windenergie stützen die Bilanz des Versorgers.

Der Versorger profitiert allmählich von der Energiewende. dpa

EnBW

Der Versorger profitiert allmählich von der Energiewende.

FrankfurtDer Ausbau der erneuerbaren Energien und ein gutes Vertriebsgeschäft sorgen beim Energiekonzern EnBW für ein stabiles Ergebnis – und der Verkauf von Wertpapieren für einen satten Gewinn unterm Strich. Wie der drittgrößte deutsche Stromkonzern am Donnerstag in Karlsruhe mitteilte, verbuchte das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Konzernüberschuss in Höhe von 1,06 Milliarden Euro – verglichen mit einem Verlust von 735 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Dieser war im Wesentlichen durch hohe Wertberichtigungen auf den Kraftwerkspark des einst atomlastigen Unternehmens entstanden.

Beim operativen Ergebnis wurde mit 1,276 Milliarden Euro ein leichtes Plus erzielt, der Umsatz wuchs um 5,1 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro. Die über 20.000 Mitarbeiter zählende EnBW sieht sich nach den Worten von Finanzvorstand Thomas Kusterer trotz weiterhin schwierigem Marktumfeld „auf Kurs“. Für das gesamte Jahr rechnet er mit einem Ergebnis zwischen null und fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Zu schaffen machen der EnBW – wie anderen Versorgern auch – unter anderem niedrige Großhandelspreise. Ob und inwiefern der Verbraucher davon profitiert, konnte Kusterer angesichts nötiger Investitionen in Netze und erneuerbare Energien nicht sagen.

Die gescheiterte Übernahme der insolventen Windenergiefirma Prokon ist laut Kusterer „bedauerlich, aber kein Rückschlag“. Mit Prokon wäre der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigt worden; organisches Wachstum stehe aber nach wie vor im Vordergrund.

Die Atomklagen der Energiekonzerne

Atomausstieg

Eon, RWE und Vattenfall sind gegen den 2011 beschlossenen beschleunigten Atomausstieg vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Den Konzernen geht es nicht darum, den bis Ende 2022 geplanten Ausstieg rückgängig zu machen. Sie fordern jedoch Schadenersatz, da die Bundesregierung wenige Monate vor der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima die Laufzeiten der Meiler noch verlängert hatte. Sollte das Verfassungsgericht den Unternehmen Recht geben, müssten diese den Schadenersatz in weiteren Verfahren erstreiten. Eon fordert mehr als acht Milliarden Euro. Bei RWE gehen Analysten von sechs Milliarden aus. Vattenfall will 4,7 Milliarden Euro und klagt auch vor einem Schiedsgericht in den USA.

Brennelementesteuer

Eon, RWE und EnBW klagen auf eine Befreiung und Rückzahlung der 2011 eingeführten Brennelementesteuer. Eon hat nach eigenen Angaben bislang rund 2,7 Milliarden Euro an den Fiskus gezahlt, RWE bis Ende 2015 rund 1,5 Milliarden Euro und EnBW 1,2 Milliarden Euro. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) billigte im Juni 2015 die Steuer. Das Bundesverfassungsgericht könnte sie noch kippen. Eine Entscheidung in Karlsruhe ist noch nicht absehbar.

AKW-Moratorium 2011

Eon, RWE und EnBW klagen gegen Bund und Länder wegen des nach der Atomkatastrophe von Fukushima verhängten dreimonatigen Betriebsverbots für die sieben ältesten der damals 17 deutschen AKWs und des damals geschlossenen AKW Krümmel. Das Moratorium lief von März bis Juni 2011 und mündete schließlich im Sommer in den endgültigen Ausstiegsbeschluss. Ursprünglich hatte lediglich RWE geklagt. Nachdem der Energieriese vor Gericht Recht bekam, zogen Eon und EnBW nach. Eon klagt auf Schadenersatz in Höhe von 380 Millionen Euro, RWE auf 235 Millionen und EnBW auf 261 Millionen. RWE und EnBW haben bei ersten Anhörungen vor Gerichten allerdings einen Dämpfer erhalten. Urteile stehen aus.

In den nächsten beiden Jahren will die EnBW allein an Land Windräder mit einer Leistung von rund 300 Megawatt in Betrieb nehmen. Derzeit sind in der Türkei und Deutschland mehr als 500 Megawatt installiert. Hinzu kommen die Offshore-Windräder von Baltic 2. Bis 2020 will EnBW 2000 Megawatt aus Windenergie beziehen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

30.07.2015, 12:36 Uhr

Diese sog. Erneuerbare Energie Modell ist auf Basis eines marktfeindlichen EEG = Subventionsgesetzt zustande gekommen. Damit gräbt ENBW = Energiewende ihr eigenes Grab. In den sog. Erneuerbaren Energien (Wind und Sonn) steckt keine wirtschaftliche Wertschöpfung und somit auch kein Mehrwert. ENBW wird mit samst der Energiewende früher oder später untergehen. Das ist wirtschaftlich und physikalisch ein Fakt!

Herr Hans Meier

31.07.2015, 11:12 Uhr

"Windkraft führt EnBW aus der Verlustzone" Darüber ist im Artikel nichts zu lesen. ein weiteres Beispiel für den "Qualitätsjounalismus" des HB. Übrigens:

Erträge durch Windkraft entstehen hauptsächlich durch Förderung der Windkraft. Dies Förderung ist in weiten Teilen unsozial organisiert. Das also die Basis für die Gewinne der ENBW sein! Was für ein Seriositäts-, Sozial- und Werteverlust, und das unter SPD/Grüne in BW. Eine Schande!

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