Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.08.2013

18:12 Uhr

EU-Bericht

Solarfirmen fachen Streit mit China wieder an

Die Initiative „EU Pro-Sun“ geht mit einem Bericht der EU an die Öffentlichkeit. Darin sollen massive Subventionen chinesischer Solarhersteller festgestellt worden sein. Für die Firmen ist klar: Schutzzölle müssen her.

Chinesische Arbeiter kontrollieren ein Solarmodul. Mit Hilfe illegaler Subventionen sollen chinesische Unternehmen Firmen aus Europa in den Konkurs getrieben haben, kritisieren Experten. dpa

Chinesische Arbeiter kontrollieren ein Solarmodul. Mit Hilfe illegaler Subventionen sollen chinesische Unternehmen Firmen aus Europa in den Konkurs getrieben haben, kritisieren Experten.

BrüsselDer Streit um billige Solarmodule aus China könnte erneut aufflammen. Die EU-Kommission hat ihre Untersuchungen beendet und europäischen Branchenangaben zufolge zahlreiche Gesetzesverstöße auf chinesischer Seite festgestellt. „Die EU-Kommission bestätigt massive illegale Subventionen an chinesische Solar-Hersteller“, erklärte der Branchenverband „EU Pro-Sun“ am Mittwoch in Brüssel. Die EU-Kommission selbst wollte zum Ergebnis ihrer Untersuchungen nichts sagen.

„Chinesische Solarhersteller, die vor langer Zeit hätten Pleite gehen sollen, wurden durch staatliche Subventionen finanziert“, erklärte Milan Nitzschke, Präsident von EU Pro-Sun, einem Zusammenschluss von Solarherstellern aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern. Dies habe letztlich zu „zahlreichen Schließungen europäischer Unternehmen und Fabriken geführt, ebenso wie zu tausenden Stellenstreichungen“, erklärte Nitzschke. Ein anderer Teil der Solarwirtschaft in Europa steht den günstigen Einfuhren aus China allerdings wohlwollend gegenüber, weil er sie zum Beispiel verbaut.

Die EU-Kommission hatte am Mittwochmorgen bekanntgegeben, dass sie ihre Untersuchungen zu den Subventions- sowie auch Dumpingvorwürfen gegen Solarhersteller aus China abgeschlossen habe. Das Ergebnis werde aber zunächst ausschließlich den Betroffenen mitgeteilt, erklärte der Sprecher von Handelskommissar Karel De Gucht in Brüssel. Dazu gehörten unter anderem die chinesische Regierung sowie Firmen in China und Europa. EU Pro-Sun beruft sich auf die Ergebnisse dieser offiziellen Untersuchungen.

Die größten Solarmodulhersteller der Welt

Platz 9: Hanwha Solar One und REC (Norwegen und Korea)

Das Research-Team des Handelsblatts hat aus Daten von Bloomberg, des Marktforschers IHS und Unternehmensangaben die aktuell zehn größten Solarmodul-Hersteller der Welt ermittelt. Die Liste dürfte vor allem für die Deutschen ernüchternd sein.

Den zehnten Platz teilen sich das koreanische Unternehmen Hanwha Solar und das norwegische Unternehmen REC. Beide verkauften 2012 jeweils Solarmodule mit einem Erzeugungspotenzial von 750 Megawatt.

Platz 8: Sun Power (USA)

Das 1985 im US-amerikanischen Silicon Valley gegründete Unternehmen Sun Power machte im vergangenen Jahr rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz und verkaufte Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 850 Megawatt.

Platz 7: Jinko Solar (China)

Auf dem siebten Platz befindet sich das chinesische Unternehmen Jinko Solar. Es setzte 2012 mit Auslieferungen von Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität in Höhe von 900 Megawatt insgesamt 591 Millionen Euro um.

Platz 6: Sharp (Japan)

Zu den großen Gewinnern beim Ranking 2012 gehört Sharp. Das Unternehmen lieferte im vergangen Jahr Solarmodule mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1050 Megawatt aus. 2011 waren es noch 725 MW, was Sharp damals den 16. Platz in der Weltrangliste brachte.

Platz 5: Suntech (China)

Der chinesische Konzern Suntech stürzte mit verkauften Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität von geschätzt 1390 Megawatt vom ersten Platz im Jahr 2011 auf den fünften Platz ab. Im April musste das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit mitteilen und ist nun offenbar auf der Suche nach einem strategischen Investor.

Platz 4: Canadian Solar (Kanada)

Das Unternehmen Canadian Solar wurde erst im Jahr 2001 im kanadischen Ontario gegründet. Nun befindet es sich bereits auf dem vierten Platz der Weltrangliste. Im Jahr 2012 verkaufte es Solarmodulen mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1550 Megawatt.

Platz 3: Trina Solar (China)

Das chinesische Unternehmen Trina Solar schaffte einen großen Sprung vom fünften Platz 2011 auf den dritten Platz 2012. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 1600 Megawatt aus.

Platz 2: First Solar (USA)

Der US-Konzern First Solar belegt unverändert den zweiten Platz in der Weltrangliste der größten Solarmodulhersteller. 2012 lieferte es Produkte mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1800 Megawatt aus.

Platz 1: Yingli Solar (China)

Absolute Weltspitze ist das chinesische Unternehmen Yingli Solar. Der Konzern arbeitete sich von Platz 4 in 2011 hoch mit Auslieferungen von Solarmodulen von 2300 Megawatt im vergangenen Jahr.

Es geht um die Vorwürfe, dass chinesische Firmen die europäische Konkurrenz mit Billigeinfuhren übervorteilen, und zwar mit illegalen Subventionen und Dumping. Zu beiden Vorwürfen hatte die EU-Kommission seit vergangenem Jahr ermittelt. Alle Betroffenen können nun zu den Ergebnissen der Kommissionsuntersuchungen Stellung nehmen. Erst dann werden endgültige Entscheidungen von Seiten der EU gefällt.

Der Konflikt drohte Anfang Juni zum Handelskrieg zu werden, als die EU-Kommission vorläufige Schutzzölle verhängte. Eine Eskalation wurde im Juli verhindert, als sich China und die EU auf einen Kompromiss einigten. Die chinesische Seite verpflichtete sich, für eine bestimmte Menge von Solarmodulen in Europa einen Mindestpreis zu verlangen, dies gilt laut EU bis 2015.

Allerdings betraf der Kompromiss nur den Dumping-Fall und nur die vorläufigen Zölle in diesem Fall. Vorläufige Zölle werden erhoben, um schnell Schaden abzuwenden, der später nicht wieder gut gemacht werden kann. Erst jetzt schloss die Kommission aber ihre Untersuchungen sowohl zu den Vorwürfen wegen Dumpings als auch wegen Subventionen ab.

EU Pro-Sun forderte am Mittwoch Schutzzölle wegen der vermeintlichen illegalen Subventionen. In beiden Fällen, zum Dumping und zu den Subventionen, haben die EU-Regierungen das letzte Wort. Sie müssen bis Anfang Dezember entscheiden, ob sie in einem oder beiden Fällen Schutzzölle für mehrere Jahre einführen und so erneut einen Handelskrieg riskieren wollen.

Von

afp

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Energystar

28.08.2013, 19:18 Uhr

Dann sollten wir auch mal schleunigst sämtliche Subventionen, die die deutsche und europäische Landwirtschaft erhalten, in einem Schlag abschaffen.

Das bisschen Subvention in China für die Solarindustrie ist dagegen nicht mehr als ein "Fliegenschiss".

EU-Pro-Sun sollte erstmal in der eigenen Wirtschaftszone aufräumen. Die Verwerfungen am deutschen Solarmarkt sind politisch hausgemacht. Hinzu kommen Solarkonzerne, die sich selbst durch Subventionen, die regelmäßig in Konzernbilanzen geflossen sind, träge gemacht haben und zu einem Innovationseinbruch geführt haben.

Das Dilemma liegt wie so oft in den Führungsetagen der Konzerne. Lobbyvereine verschlimmern die Gesamtsituation. Man kennt sich -man bedient sich. Warum sollten es die Chinesen anders machen. So clever wie die Deutschen sind die allemal.

EU-Pro-Sun hat verloren! Eine Lobby kämpft ums überleben. Wir Verbraucher haben gewonnen! Preiswerte hoch wertige Ware kommt heure aus China. Ein Verdienst der FDP!

Ausdiemaus

28.08.2013, 21:29 Uhr

Alle habe jahrelang fett Kasse gemacht. Das hat nur funktioniert, dank garantierter Einspeisevergütung, für die wir alle noch viele viele Jahre so richtig blechen werden.
Jetzt wo Wettbewerb angesagt ist, ist Schicht im Schacht.
Und das ist gut so !

HofmannM

29.08.2013, 07:34 Uhr

Das spricht mal wieder für die wirtschaftsfremden EU-Bürokraten. Die EU hat wohl immer noch nicht begriffen, das die sog. Erneuerbaren Energieformen (Windmühlen, Solarmodule und Biogas) wirtschaftlich komplett gegen die Wand fahren. Ohne die staatliche Zwangssubventionsunterstützung durch das EEG (Erneuerbare Energie Gesetz) würde es diese sog. erneuerbare Energieprodukte von Windmühlen und Photovoltaik und Biogasanlagen auf dem MARKT nicht geben! Diese sog. Erneuerbaren Energien sind Nischenprodukte in der Welt der Stromerzeuger/Wirtschaft!
Die Verluste bei Solarworld sprechen wirtschaftlichen Klartext! Und daran ist nicht China schuld, sonder die Gier der Profiteure des EEG auf Kosten der deutschen Volkswirtschaft und damit auf Kosten des deutschen Bürger (Wohlstand). Lug und Trug herrschen in der Schein-Welt der sog. Erneuerbaren Energie Abzocker Branche!
Schafft endlich dieses perfide und asoziale EEG ab! Danke!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×