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23.05.2013

10:22 Uhr

„EU-Protektionismus“

Chinas Solarhersteller wehren sich gegen Strafzölle

Die Strafzölle der EU regen die chinesischen Solarhersteller auf. Das sei Protektionismus, sagt der Chef des Herstellers Yingli. Europas Solarindustrie ist in dem Konflikt gespalten.

Die EU will bis zum fünften Juni den Solar-Billigimporten aus China einen Riegel vorschieben. dpa

Die EU will bis zum fünften Juni den Solar-Billigimporten aus China einen Riegel vorschieben.

PekingIm Streit um Billigimporte von Solartechnik machen Chinas Hersteller Front gegen die Europäische Union. Strafzölle auf Produkte aus China seien widerrechtliche Eingriffe in den internationalen Wettbewerb, betonte Liang Tian vom chinesischen Photovoltaik-Herstellers Yingli am Donnerstag in Peking. „Wir treten dem Protektionismus der EU entschieden entgegen“, sagte der Yingli-Sprecher.

Die EU will bis 5. Juni den Solar-Billigimporten aus China einen Riegel vorschieben. Die Einfuhr von Solarpaneelen soll dem Vernehmen nach mit einem durchschnittlichen Zollsatz von 47 Prozent belegt werden.

Trotz mehrfacher Versuche habe die EU die chinesischen Hersteller kaum in ihre Pläne eingebunden, klagt Liang Tian. „Wir haben auf allen Kanälen versucht, mit der EU zu verhandeln. Aber die EU hat nicht ausreichend geantwortet.“ Handelsbarrieren würden allen Seiten schaden.

Aber auch in der europäischen Branche sind die Anti-Dumping-Zölle umstritten: Solaranlagen könnten sich massiv verteuern. Zudem fürchtet Europa Vergeltungsmaßnahmen seitens Chinas. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Außenhandelsverband BGA warnten vor einer Eskalation im Handelsstreit mit China.

Die größten Solarmodulhersteller der Welt

Platz 9: Hanwha Solar One und REC (Norwegen und Korea)

Das Research-Team des Handelsblatts hat aus Daten von Bloomberg, des Marktforschers IHS und Unternehmensangaben die aktuell zehn größten Solarmodul-Hersteller der Welt ermittelt. Die Liste dürfte vor allem für die Deutschen ernüchternd sein.

Den zehnten Platz teilen sich das koreanische Unternehmen Hanwha Solar und das norwegische Unternehmen REC. Beide verkauften 2012 jeweils Solarmodule mit einem Erzeugungspotenzial von 750 Megawatt.

Platz 8: Sun Power (USA)

Das 1985 im US-amerikanischen Silicon Valley gegründete Unternehmen Sun Power machte im vergangenen Jahr rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz und verkaufte Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 850 Megawatt.

Platz 7: Jinko Solar (China)

Auf dem siebten Platz befindet sich das chinesische Unternehmen Jinko Solar. Es setzte 2012 mit Auslieferungen von Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität in Höhe von 900 Megawatt insgesamt 591 Millionen Euro um.

Platz 6: Sharp (Japan)

Zu den großen Gewinnern beim Ranking 2012 gehört Sharp. Das Unternehmen lieferte im vergangen Jahr Solarmodule mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1050 Megawatt aus. 2011 waren es noch 725 MW, was Sharp damals den 16. Platz in der Weltrangliste brachte.

Platz 5: Suntech (China)

Der chinesische Konzern Suntech stürzte mit verkauften Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität von geschätzt 1390 Megawatt vom ersten Platz im Jahr 2011 auf den fünften Platz ab. Im April musste das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit mitteilen und ist nun offenbar auf der Suche nach einem strategischen Investor.

Platz 4: Canadian Solar (Kanada)

Das Unternehmen Canadian Solar wurde erst im Jahr 2001 im kanadischen Ontario gegründet. Nun befindet es sich bereits auf dem vierten Platz der Weltrangliste. Im Jahr 2012 verkaufte es Solarmodulen mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1550 Megawatt.

Platz 3: Trina Solar (China)

Das chinesische Unternehmen Trina Solar schaffte einen großen Sprung vom fünften Platz 2011 auf den dritten Platz 2012. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 1600 Megawatt aus.

Platz 2: First Solar (USA)

Der US-Konzern First Solar belegt unverändert den zweiten Platz in der Weltrangliste der größten Solarmodulhersteller. 2012 lieferte es Produkte mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1800 Megawatt aus.

Platz 1: Yingli Solar (China)

Absolute Weltspitze ist das chinesische Unternehmen Yingli Solar. Der Konzern arbeitete sich von Platz 4 in 2011 hoch mit Auslieferungen von Solarmodulen von 2300 Megawatt im vergangenen Jahr.

„Eine solche Zuspitzung würde den Aufschwung in Deutschland gefährden und damit auch Europa in den Abgrund stürzen“, sagte der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner. Nötig sei ein freier Austausch von Waren, Dienstleistungen und Kapital. „Wer Sand ins Getriebe wirft, handelt unverantwortlich“, warnte Börner.

Anders sieht das die Initiative „EU ProSun“ als Sprachrohr der beschwerdeführenden Firmen aus Europa. Die Gruppe zählt Hilfen des chinesischen Staats an seine Firmen auf: Zinslose oder verbilligte Kredite, die Erstattung von Energiekosten, kostenloses Bauland. Und die Initiative verweist auf das Beispiel USA, wo die Einführung von Anti-Dumping-Zöllen zur Erholung der dortigen Solarbranche beigetragen habe.

Die Diskussion um die möglichen Strafzölle spitzt sich wenige Tage vor dem Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang am Wochenende in Berlin zu. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte vergangene Woche über mögliche Zölle gegen China gesagt: „Wir haben die Sorge, dass man sich gegenseitig aufschaukelt (...) Ich glaube, das sollte man möglichst vermeiden.“

Es bestehe die Gefahr, dass die EU und China wechselseitig mit Strafzöllen reagierten, die dann verschiedenste Branchen von der Solar- bis zur Stahlindustrie treffen könnten. Rösler plädierte für eine einvernehmliche Lösung. Dafür hatte sich zuvor auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgesprochen. BGA-Präsident Börner hofft auf eine Einigung in letzter Minute im Rahmen des Staatsbesuchs.

Von

dpa

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