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28.11.2012

18:04 Uhr

Folgen der Ölkatastrophe

Keine Neuaufträge für BP in den USA

Die US-Regierung zieht Konsequenzen: Wegen mangelnder Integrität nach der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ soll es für BP vorläufig keine Neuaufträge geben.

Das Verhalten von BP im Zuge der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat die US-Regierung veranlasst, dem Konzern vorläufig keine Neuaufträge zu geben. dpa

Das Verhalten von BP im Zuge der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat die US-Regierung veranlasst, dem Konzern vorläufig keine Neuaufträge zu geben.

WashingtonDie US-Regierung will wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 vorläufig keine neuen Verträge mit dem britischen Konzern BP abschließen. Das sei eine Konsequenz aus dem Mangel an Integrität, den das Unternehmen im Zuge der Explosion der Plattform „Deepwater Horizon“ und der folgenden Ölpest gezeigt habe, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung der US-Umweltbehörde EPA.

Neuaufträge würden erst dann wieder erteilt, wenn der Konzern hinreichend beweise, dass seine Praktiken den Geschäftsstandards der US-Regierung entsprächen. Laufende Verträge seien nicht betroffen. BP gehört zu den wichtigsten Lieferanten für das US-Verteidigungsministerium.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Die größte Umweltkatastrophe der USA

Die Explosion der vom BP-Konzern geleasten Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Bei dem Unglück starben elf Menschen, zwei weitere kamen später bei Rettungsarbeiten ums Leben.

Fatales Öl-Leck

Aus einem Leck in 1500 Meter Tiefe waren fünf Monate lang insgesamt bis zu 780 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt. Bei Fischern und Anwohnern des Katastrophengebiets bleibt die Sorge um Spätschäden infolge des Öls und knapp sieben Millionen Liter chemischer Öl-Bekämpfungsmittel.

Verheerende Folgen

Mehr als 1000 Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt. Hunderttausende Tiere wie Meeressäuger, Fische, Pelikane und Schildkröten starben an den Folgen. Die Tourismusbranche und Fischer aus der Region erlitten schwere Einbußen.

Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“

Die im Golf von Mexiko gesunkene Öl-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war auf die Erkundung von Tiefseevorkommen spezialisiert. Im September 2009 erreichte sie bei einer Bohrung im Meeresboden die Rekordtiefe von mehr als 10.600 Metern.

Tiefsee-Plattform

Die schwimmende Plattform konnte in bis zu 3000 Meter tiefen Gewässern eingesetzt werden. Sie wurde vom Tiefsee-Spezialisten Transocean betrieben und war für den britischen Ölkonzern BP im Einsatz.

Größer als ein Fußballfeld

Die 121 Meter lange und 78 Meter breite „Deepwater Horizon“ war größer als ein Fußballfeld. Sie wurde 2001 in Südkorea fertiggestellt und konnte auch in orkanartigem Sturm mit neun Meter hohen Wellen arbeiten.

Derweil beschafft sich BP weiteres Geld durch den Rückzug aus der Nordsee. Für 1,1 Milliarden US-Dollar gingen Öl- und Gasfelder an Abu Dhabi, teilte Europas zweitgrößter Ölkonzern am selben Tag in London mit. Das staatlich kontrollierte Unternehmen Taqa übernehme Anteile an drei Feldern in der zentralen Nordsee. Taqa ist zu drei Vierteln im Besitz des arabischen Emirates und produziert Öl und Gas im Mittleren Osten, der Nordsee, Indien und Nordamerika.

BP hat nach eigenen Angaben bisher insgesamt 36 Milliarden Dollar durch Verkäufe von Vermögenswerten eingenommen. Der Konzern benötigt insgesamt wohl deutlich mehr als 40 Milliarden Dollar, um die Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu begleichen. BP-Finanzvorstand Brian Gilvary sagte jüngst, dass nach weiteren Möglichkeiten gesucht werde, um die restlichen Finanzmittel aufzutreiben.

Bei der Explosion der „Deepwater Horizon“ im April 2010 waren elf Menschen ums Leben gekommen. 4,9 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl liefen 87 Tage lang ungebremst ins Meer. Ganze US-Küstenabschnitte wurden verschmutzt. Am 15. November hatte sich BP zur Zahlung einer Strafe von 4,5 Milliarden Dollar (knapp 3,5 Mrd Euro) an die US-Regierung bereiterklärt.

Darüber hinaus müssen sich die beiden damals hochrangigsten BP-Aufseher auf der „Deepwater Horizon“ im kommenden Jahr vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Außerdem soll einem weiteren damals ranghohem BP-Manager der Prozess gemacht werden. Ihm wird angelastet, Informationen über den Unfall vor dem US-Kongress verheimlicht und Ermittler angelogen zu haben. Alle drei ehemaligen BP-Mitarbeiter sollten am Mittwoch zur Anklageverlesung vor einem Gericht in New Orleans (Louisiana) erscheinen.

Von

dpa

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