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17.12.2012

19:05 Uhr

„Fracking“

Schiefergas-Boom lockt Unternehmen in die USA

VonSebastian Ertinger

Neue Energievorkommen bescheren einst verödeten Gegenden der USA einen überraschenden Boom. Der Stahlhersteller Voestalpine plant offenbar eine milliardenschwere Investition. Und auch deutsche Firmen profitieren.

Die Förderung von Schiefergas in Pennsylvania: Fracking beschert den USA einen Boom. dpa

Die Förderung von Schiefergas in Pennsylvania: Fracking beschert den USA einen Boom.

DüsseldorfAls eines der ersten europäischen Unternehmen überlegt offenbar der Stahlhersteller Voestalpine, wegen der günstigen Gaspreise in den USA im großen Stil Produktionskapazitäten aufzubauen. Einem Medienbericht zufolge planen die Österreicher, für rund eine Milliarde Dollar im Süden der USA ein Werk zur Herstellung von Eisenkonzentrat aus Erz zu errichten.

Dem österreichischen Wirtschaftsmagazin „Trend“ zufolge soll das US-Werk Vormaterial für die Stahlwerke in Linz und Donawitz erzeugen. Voestalpine-Chef Wolfgang Eder kündigt bereits seit längerem eine Expansion des Konzerns außerhalb Europas an. Der Standort in den USA biete verlässliche und billige Erdgas-Lieferungen. Ein Voestalpine-Sprecher wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Was hinter „Fracking“ steckt

„Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

Künstliche Fließwege

Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

Gefahr für das Grundwasser

Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

Beherrschbarkeit des Verfahrens

Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

Lagerstätten in Deutschland

In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

... und in der Welt

Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Die günstigen Gaspreise locken immer mehr Unternehmen in die USA. Die Förderung aus alternativen Quellen hat den Gaspreis in dem Land einbrechen lassen. Der Kurs sackte seit dem Hoch 2008 um rund 80 Prozent ab. Die Gewinnung von Schiefergas erschließt bislang unerreichbare Vorräte und beschert den USA einen Energie-Boom.

Bei dem sogenannten „Fracking“ wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien in die Tiefe gepresst und Gas an die Oberfläche gedrückt. In den USA begann die Förderung erstmals 1998, seit 2008 boomt sie. Wegen der eingesetzten Chemikalien ist das Verfahren aber umstritten.

Die Förderung von Schiefergas krempelt den Energiemarkt in den USA und weltweit um. Bis zum Jahr 2017 werden sich die USA vom weltgrößten Energieverbraucher zum größten Produzenten wandeln, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA). Schon bis 2015 steigt das Land zudem zum größten Gasproduzenten der Welt auf.

Kommentare (30)

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Wachturm

17.12.2012, 20:13 Uhr

Und in Deutschland verteuert die Politik durch den überhasteten Atomausstieg die Energie. Danke Grüne, SPD und Merkel.

Wachtwurm

17.12.2012, 21:59 Uhr

Voest kann ja die Investitionsruine von Thyssen-Krupp ganz günstig übernehmen.

vandale

17.12.2012, 23:59 Uhr

Hi Wachstum...warum überhasteter Ausstieg...Warum möchten Sie aus der Energiequelle mit dem höchstem Zukunftspotential aussteigen? Die bestehenden Kernkraftwerke könnten einigermassen sachliche Aufsichtsbehörden vorrausgesetzt noch zwischen 50 und 100 Jahren rentabel betrieben werden.

Meinen Sie dass der Wind in 30 Jahren bedarfsgerecht weht?

Vandale

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