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14.12.2014

15:22 Uhr

Frank Asbeck

Solarworld belebt Bosch-Fabrik wieder

ExklusivDas zweite Leben einer Fabrik: Bosch hatte sich vor einem halben Jahr von seiner Solarproduktion in Arnstadt getrennt. Käufer war Solarworld. Nun soll die Produktion wieder angekurbelt werden.

Hat große Pläne: Der Vorstandsvorsitzende von Solarworld , Frank Asbeck. dpa

Hat große Pläne: Der Vorstandsvorsitzende von Solarworld , Frank Asbeck.

DüsseldorfSolarworld-Chef Frank Asbeck hat nach der Rettung seiner Firma wieder ehrgeizige Ziele. „Wir möchten einen weiteren Teil des Bosch-Werks in Arnstadt wiederbeleben“, kündigte er gegenüber dem Handelsblatt (Montagsausgabe) an.

Derzeit läuft in dem thüringischen Werk der Testbetrieb. Wenn alles planmäßig verläuft, will Asbeck dort künftig Ingots - ein Vorprodukt für Solarmodule - produzieren. „Wir könnten dort im zweiten Quartal mit der Produktion starten“, sagte Asbeck. Damit würde Solarworld eine Fertigungskapazität für Ingots von 500 Megawatt erhalten. Auf diese Weise erhöht das Unternehmen seine Fertigungstiefe, denn bisher kauft es die Ingots auf dem Weltmarkt ein.

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Vor einem halben Jahr hatte der Stuttgarter Bosch-Konzern einen Großteil seiner Solarfabrik in Arnstadt an Solarworld verkauft. Bosch gab dem Bonner Unternehmen noch eine Mitgift von rund 130 Millionen Euro mit. So konnten sich die Stuttgarter von ihrer Problemsparte trennen. Und Asbeck erhielt eine moderne Solarfabrik zu äußerst günstigen Konditionen.

Auch von der Kooperation mit dem Emirat Katar verspricht sich Asbeck viel. Solarworld und Qatar Solar Technologies werden bald ein Silizium-Werk in Katar starten - der Rohstoff ist wichtig für die Modulproduktion. „Die Produktion des Siliziumwerks in Katar startet spätestens im ersten Quartal des kommenden Jahres“, verriet Asbeck. Die Fertigung soll dann schrittweise auf die Jahreskapazität von 8000 Tonnen hochgefahren werden.

Katar will jedoch noch mehr in der Solarbranche mitmischen. „Derzeit laufen die Planungen für ein Modulwerk in Katar“, sagte Asbeck. „Noch im nächsten Jahr will Qatar Solar Technologies mit dem Bau beginnen.“ Bis 2016 soll dort ein Werk für Hochleistungsmodule mit einer Jahreskapazität von rund 250 Megawatt für den arabischen Markt entstehen.

Von

wt

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