Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.11.2013

14:38 Uhr

Frank Asbeck

Solarworld-Chef hofft auf den deutschen Markt

Miese Bilanz, aber guter Ausblick: Solarworld hat das Umsatzziel fürs laufende Jahr gekappt. Trotzdem gibt sich Firmenchef Asbeck optimistisch: Er rechnet damit, dass die Nachfrage anzieht.

Hoffnungsvoll: Solarworld-Chef Frank Asbeck. Reuters

Hoffnungsvoll: Solarworld-Chef Frank Asbeck.

DüsseldorfDer Bonner Photovoltaikkonzern Solarworld bleibt trotz der aktuellen Krise weiter hoffnungsvoll. „Im nächsten Jahr rechnen wir mit einer Belebung unserer Absatzzahlen besonders auf dem deutschen Markt“, sagte Konzernchef Frank Asbeck am Dienstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Auch für das Auslandsgeschäft, das mittlerweile drei Viertel des Absatzes ausmacht, sei er optimistisch. Am Vorabend hatte das Unternehmen seine Umsatzziele für das Gesamtjahr gekappt, vor allem wegen der zurückhaltenden Nachfrage auf dem Heimatmarkt.

Tatsächlich rechnen Experten mit einer Wiederbelebung des weltweiten Solarmarktes. So geht das Marktforschungsunternehmen Solarbuzz davon aus, dass sich die Nachfrage in Europa ab dem vierten Quartal dieses Jahres auf 2,5 Gigawatt pro Quartal stabilisieren wird, für das zweite Quartal 2014 rechnen die Experten sogar mit einem leichten Anstieg. Deutschland werde trotz erwarteter Kürzungen im Bereich der Solarförderung Haupttreiber dieser Entwicklung sein, heißt es.

Dennoch: An alte Zeiten werden die Zahlen vermutlich nicht heranreichen. Solarbuzz erwartet, dass die in Europa installierte Photovoltaik-Leistung 2013 um 37 Prozent sinkt. Asbeck selbst rechnet in diesem Jahr mit drei Gigawatt (GW) installierter Leistung, im vergangenen Jahr waren es sieben. Fraglich ist auch, ob die deutschen Hersteller von der gestiegenen Nachfrage profitieren werden.

Medienberichte zu einer möglichen Übernahme des Solar-Geschäfts von Bosch kommentierte Solarworld nicht weiter. Nach Angaben des Betriebsrates von Bosch Solar Energy zählt Solarworld zu den Interessenten für eine Übernahme. Die Bosch-Solarsparte beschäftigt an seinem Hauptstandort in Arnstadt (Thüringen) rund 1600 Menschen mit der Fertigung von Solarmodulen. Bosch hatte im März nach hohen Verlusten den Komplettausstieg aus dem Solar-Geschäft Anfang 2014 beschlossen.

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Solarworld steckt selbst tief in der Restrukturierung. Daher seien Privatkunden zurückhaltend, wie das Unternehmen mitteilte. Der laufende Prozess blockiere derzeit auch Kredite für Großprojekte.

Solarworld hatte im Sommer ein Rettungskonzept in Gang beschlossen, bei dem die Anteilseigner einem umfangreichen Kapitalschnitt zustimmen mussten. Derzeit laufen Klagen gegen Beschlüsse der außerordentlichen Hauptversammlung vom August. Solarworld rechnet laut Asbeck bis Ende des Jahres mit einem Abschluss des Klageverfahrens. Bis Mitte Februar soll dann die Restrukturierung abgeschlossen sein. „Dann hat Solarworld wieder eine ordentliche Eigenkapitalquote und ist wieder "bankable"“, sagte der Konzernchef.

Vom Ziel eines steigenden Umsatzes in diesem Jahr hatte sich Solarworld am Montagabend verabschiedet. In den ersten neun Monaten sackte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel auf 345,6 Millionen Euro ab. Solarworld schreibt weiter Verluste. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verbesserte sich aber immerhin von minus 123,2 auf minus 60,2 Millionen Euro. Der Konzern begründete die Entwicklung unter anderem mit verringerten Materialaufwendungen und gesunkenen Abschreibungen. In der Kasse lagen zum 30. September 163,8 Millionen Euro. Zum Jahresschluss 2012 waren es noch 224,1 Millionen Euro.

Auch andere deutsche Solarunternehmen haben Schwierigkeiten mit dem Absatzeinbruch in der Branche. So korrigierte der weltweit führende Wechselrichterhersteller SMA Solar aus Nordhessen am Montag seine Umsatz- und Ergebnisprognose für 2013 nach unten. Bis Ende 2014 will das Unternehmen 680 Vollzeitstellen in Deutschland abbauen. Für das kommende Jahr rechnet das Unternehmen wieder mit einem leichten Umsatzanstieg.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gast

12.11.2013, 15:23 Uhr

Nicht sehr nachhaltig die neuen grünen Jobs...
Naja der Niedergang der Solarindustrie wird wohl exemplarisch für das ganze Land werden. Die Energiewende wirkt.

HofmannM

12.11.2013, 15:35 Uhr

Und die Insolvenzverschleppung von Solarworld geht weiter. Asbeck kauft den verschuldeten Solarzweig von Bosch auf. Die Schulden erhöhen sich rasant!
Die Investoren sollten erkennen, dass die Erneuerbare Energiepartie vorbei ist und sollten ihr Geld in wirtschaftlich Basiswerte stecken. Kohle, Gas und Kernkraft ist und bleibt der Marktführer im Energiesektor!

Andrew6466

12.11.2013, 17:24 Uhr

Fürs kommende Jahr wird mit einem Zuwachs der neu zu installierenden Solaranlagen gerechnet, das wird sich auch im Kurs von SOLARWORLD wiederspiegeln.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×