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21.04.2015

15:29 Uhr

Französischer Versorger EDF

Atomkraftgegner zerren Stromriesen vor Gericht

Im Februar floss nach einem Rohrbruch Wasser in den Maschinenraum eines Atomkraftwerks des französischen Stromriesen EDF. Nun ziehen Atomkraftgegner den Konzern vor Gericht. Sie werfen dem Unternehmen Verharmlosung vor.

Das Atomkraftwerk im französischen Fessenheim. AFP

Umstritten

Das Atomkraftwerk im französischen Fessenheim.

StraßburgNach einer neuen Panne im umstrittenen Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass ziehen Atomkraftgegner gegen den französischen Stromriesen EDF vor Gericht. Am Dienstagnachmittag werde eine Klage bei der Staatsanwaltschaft von Colmar eingereicht, kündigten mehrere Verbände an. Die Organisationen, darunter das französische Netzwerk für den Atomausstieg „Sortir du Nucléaire“ und die Bürgerinitiative „Stop Fessenheim“ werfen EDF und dem Direktor des Atommeilers am Oberrhein vor, die Panne „stark verharmlost“ und die französische Atomaufsicht ASN „belogen“ zu haben.

Am 28. Februar waren nach einem Rohrbruch im Reaktor 1 rund hundert Kubikmeter Wasser in den Maschinenraum geflossen. EDF meldete den Vorfall der Atomaufsicht erst drei Tage später und sprach von einem „Dichtungsdefekt“. Damit verstieß das Unternehmen nach Überzeugung der Atomkraftgegner gegen die Vorschrift, „jeden Störfall oder Unfall, der nennenswerte Konsequenzen für die Sicherheit hat oder haben könnte“, unverzüglich der ASN zu melden. Bei Verstößen gegen diese Vorschrift drohen Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr und Geldstrafen bis zu 15.000 Euro.

Die Atomkraftgegner kritisieren außerdem, dass der Konzern EDF den betroffenen Reaktor bereits am 5. März wieder in Betrieb nahm – entgegen seiner Zusage an die Atomaufsicht, zunächst die genauen Ursachen der Panne zu untersuchen. Auch der Direktor der ASN, Pierre-Franck Chevet, hatte das Vorgehen des Stromkonzerns gerügt. Die Mitteilung sei gemessen an der Wirklichkeit „mehr als verzerrt“ gewesen, sagte er kürzlich vor einem gemeinsamen Ausschuss der Nationalversammlung und des Senats, der sich mit Fragen der atomaren Sicherheit befasst.

Die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Den zehnten Platz belegt ein Energieversorger aus Südkorea: Korea Electric Power kam im April 2016 auf einen Marktwert von 33,1 Milliarden US-Dollar.

Quellen: Bloomberg; Factset; Forbes

Platz 9

Den neunten Platz belegt GDF Suez. Das französische Unternehmen hatte im April 2016 einen Marktwert von 39 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 49,5 Milliarden Dollar gewesen.

Platz 8

hiAuf dem achten Platz befindet sich chinesische Energieversorger China Yangtze Power. Im April 2016 war der Konzern 41,8 Milliarden US-Dollar wert.

Platz 7

Dominion Resources auf dem siebten Platz der weltgrößten Energieversorger stammt aus den USA und hat einen Markt von 43,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 6

Den sechsten Platz belegt ein Versorger aus Spanien: Iberdrola hat einen Marktwert von 44,1 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Der fünftgrößte Energieversorger stammt aus Spanien. Enel kam im April 2016 auf einen Marktwert von 44,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 4

Auf dem vierten Platz befindet sich ein Unternehmen aus den USA: Southern Co. Der Versorger hatte im April 2016 einen Marktwert von 45,3 Milliarden US-Dollar.

Platz 3

Der drittgrößte Energieversorger der Welt kommt aus dem Vereinigten Königreich. National Grid hatte im April 2016 einen Marktwert von 51,4 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich ein amerikanisches Unternehmen: Nextra Energy. Der Wert des Energieversorgers beträgt 52,8 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

Das US-amerikanische Unternehmen Duke Energy ist nach Marktwert wie schon 2015 der weltweit größte Energieversorger. Im April 2016 betrug sein Wert 53,1 Milliarden US-Dollar. 2,3 Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr.

Seit 2013 hat das Netzwerk „Sortir du Nucléaire“ nach eigenen Angaben mehrfach aufgrund von Störfällen gegen den Stromkonzern EDF geklagt, der daraufhin zu Geldstrafen verurteilt wurde. Diese seien zwar gemessen am Haushalt der EDF „minimal“ gewesen, räumt die juristische Beraterin des Netzwerks, Marie Frachisse, ein. Die Verurteilungen schadeten aber dem Image des Unternehmens.

Die beiden Reaktoren in Fessenheim wurden 1977 und 1978 in Betrieb genommen und sind damit die ältesten in Frankreich. Umweltschützer und Politiker in Frankreich, Deutschland und der ebenfalls nahegelegenen Schweiz fordern seit langem die Stilllegung des als besonders pannenanfällig geltenden Atomkraftwerks. Frankreichs Staatspräsident François Hollande hatte im Wahlkampf versprochen, das direkt an der deutschen Grenze gelegene Akw werde Ende 2016 stillgelegt.

Von

afp

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