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30.09.2013

13:13 Uhr

Fukushima-Betreiber

Banken gewähren Tepco offenbar frische Milliardenspritze

Tepco kann offenbar mit einer Finanzspritze in Milliardenhöhe rechnen. Der Antrag des Fukushima-Betreibers, einige Atomkraftwerke wieder hochfahren zu dürfen, soll bei der Finanzierung geholfen haben.

Begehung im Meiler Fukushima Mitte September: Betreiber Tepco erhält offenbar frische Milliarden. Reuters

Begehung im Meiler Fukushima Mitte September: Betreiber Tepco erhält offenbar frische Milliarden.

TokioAtempause für den Betreiber des Unglücksreaktors von Fukushima: Der einst größte asiatische Versorger Tepco kann nach Informationen von Insidern mit Krediten seiner Banken in Milliardenhöhe rechnen. Die Gläubigerbanken stünden bereit, dem durch die Atomkatastrophe von 2011 in die Verlustzone geratenen japanischen Unternehmen im Dezember umgerechnet knapp 3,8 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, verlautete am Montag aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Zudem gelang es Tepco den Insidern zufolge, bestehende Kredite um zwei Monate zu verlängern.

Eigentlich im Oktober fällige Verbindlichkeiten müssten nun erst später bedient werden, sagte ein Insider. Damit hat sich das Unternehmen etwas Luft verschafft, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Am Freitag hatte Tepco die Behörden um Erlaubnis gebeten, wieder Atomstrom produzieren zu dürfen. Nach der Atomkatastrophe vom März 2011 wurden alle 50 japanischen Kernkraftwerke vom Netz genommen, in der Zwischenzeit produzierten lediglich zwei Meiler zeitweise Strom.

Der Antrag von Tepco bezieht sich auf das weltgrößte Kernkraftwerk Kashiwazaki Kariwa, zwei der dortigen sieben Reaktoren will Tepco wieder hochfahren. Ob und wann es dazu kommt, ist zwar nach derzeitigem Stand unklar. Investoren und Banken verstehen den Antrag aber als wichtigen Schritt auf dem Weg zurück zu einer gewissen Normalität bei Tepco.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

Platz 9

Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

Platz 8

Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

Platz 7

Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

Platz 6

Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

Platz 5

64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

Platz 4

Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

Platz 3

Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

Platz 1

Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Tepco-Präsident Naomi Hirose erklärte am Wochenende in einem Zeitungsinterview, seine Firma werde voraussichtlich im Geschäftsjahr per Ende März erstmals seit drei Jahren wieder einen Gewinn verbuchen - ohne die Preise anzuheben und ohne Reaktoren wieder hochzufahren. Kostensenkungen seien dabei ein wichtiger Faktor. Konkrete Geschäftsprognosen für das Jahr per 31. März 2014 hat Tepco nicht vorgelegt, vor allem wegen der Ungewissheit rund um den Wiederbetrieb von Kashiwazaki Kariwa.

Wegen der Fukushima-Katastrophe schreibt Tepco seit zwei Jahren Verluste. Der Konzern, der auch mit einem schlechten Krisenmanagement für Negativ-Schlagzeilen sorgte, hat seit März 2011 mehr als 20 Milliarden Euro Nettoverlust erwirtschaftet, der Aktienkurs ist seither um 71 Prozent gesunken. Der Staat musste das Unternehmen mit massiven Finanzhilfen vor dem Kollaps retten. Seither gilt Tepco de facto als verstaatlicht.

Ein mit den Verhandlungen mit den Tepco-Banken vertrauter Insider sagte, der Antrag des Unternehmens auf Hochfahren einiger Meiler habe kleinere Gläubigerbanken bei der Entscheidung geholfen, bestehende Kredite zu verlängern. Neben Tepco haben vier weitere Energiekonzerne Anträge eingereicht, Kraftwerke wieder hochzufahren. Regierungschef Shinzo Abe will an der Kernkraft festhalten, während große Teile der Bevölkerung nach der Katastrophe skeptisch sind.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.09.2013, 11:39 Uhr

Ja, ja, billiger Atomstrom! Wer erfindet eigentlich solche Märchen?
Wie viele Milliarden sind eigentlich für den Rückbau von Fukushima eingeplant?

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