Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.07.2017

14:07 Uhr

Gas Natural will EDP

Entsteht ein iberischer Energieriese?

Diese Fusion könnte die erwartete Konsolidierungswelle unter Europas Energiekonzernen auslösen: Die spanische Gas Natural plant offenbar die Übernahme der portugiesischen EDP. Der Deal wäre 35 Milliarden Euro schwer.

Der spanische Versorger plant offenbar eine Milliarden-Übernahme in Portugal. dpa

Gas Natural-Zentral in Barcelona

Der spanische Versorger plant offenbar eine Milliarden-Übernahme in Portugal.

MadridIn der europäischen Versorgerbranche könnte durch eine 35 Milliarden Euro schwere Fusion ein neuer Energieriese geschmiedet werden. Der spanische Gas- und Stromversorger Gas Natural sei an den portugiesischen Konkurrenten EDP mit einem Gebot herangetreten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die EDP-Aktie legte am Dienstag zeitweise um mehr als vier Prozent zu, während Papiere von Gas Natural ins Minus rutschten. Gas Natural und EDP dementierten Fusionsverhandlungen. Ein Zusammenschluss der Südeuropäer könnte auch die Spekulationen um die deutschen Versorger Eon, RWE & Co. weiter anheizen.

Aus einem Bündnis der beiden Unternehmen würde gemessen am Marktwert der viertgrößte europäische Versorger nach der italienischen Enel, der spanischen Iberdrola und der französischen Engie entstehen. Die Gespräche befänden sich allerdings noch in einem frühen Stadium, sagten die Insider.

Die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Den zehnten Platz belegt ein Energieversorger aus Südkorea: Korea Electric Power kam im April 2016 auf einen Marktwert von 33,1 Milliarden US-Dollar.

Quellen: Bloomberg; Factset; Forbes

Platz 9

Den neunten Platz belegt GDF Suez. Das französische Unternehmen hatte im April 2016 einen Marktwert von 39 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 49,5 Milliarden Dollar gewesen.

Platz 8

hiAuf dem achten Platz befindet sich chinesische Energieversorger China Yangtze Power. Im April 2016 war der Konzern 41,8 Milliarden US-Dollar wert.

Platz 7

Dominion Resources auf dem siebten Platz der weltgrößten Energieversorger stammt aus den USA und hat einen Markt von 43,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 6

Den sechsten Platz belegt ein Versorger aus Spanien: Iberdrola hat einen Marktwert von 44,1 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Der fünftgrößte Energieversorger stammt aus Spanien. Enel kam im April 2016 auf einen Marktwert von 44,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 4

Auf dem vierten Platz befindet sich ein Unternehmen aus den USA: Southern Co. Der Versorger hatte im April 2016 einen Marktwert von 45,3 Milliarden US-Dollar.

Platz 3

Der drittgrößte Energieversorger der Welt kommt aus dem Vereinigten Königreich. National Grid hatte im April 2016 einen Marktwert von 51,4 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich ein amerikanisches Unternehmen: Nextra Energy. Der Wert des Energieversorgers beträgt 52,8 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

Das US-amerikanische Unternehmen Duke Energy ist nach Marktwert wie schon 2015 der weltweit größte Energieversorger. Im April 2016 betrug sein Wert 53,1 Milliarden US-Dollar. 2,3 Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr.

Die Geschäfte würden sich gut ergänzen. EDP hat sein Geschäft mit Ökostrom ausgebaut, während Gas Natural stark in der Stromerzeugung mit Kohle- und Gaskraftwerken ist. Gas Natural ist zudem in Chile und Mexiko vertreten, EDP in Brasilien und den USA.

Deutsche Versorger wie Eon und RWE sind auf den Märkten in Spanien und Portugal nicht oder kaum vertreten. Eon hatte vor zehn Jahren den spanischen Versorger Endesa für über 40 Milliarden Euro übernehmen wollen, das Bieterrennen jedoch gegen Enel und dem spanischen Konzern Acciona verloren. Zwar erwarb Eon noch diverse Geschäfte in Südeuropa, allerdings hatten die Essener damit kein Glück. Der Konzern musste Milliardenabschreibungen vornehmen.

Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Umsatz 2016: 9,3 Milliarden Euro

Die hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.

EnBW

Umsatz 2016: 19,4 Milliarden Euro

Die Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden

Eon

Umsatz 2016: 21,8 Milliarden Euro

Der Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.

RWE

Umsatz 2016: 25 Milliarden Euro

Den umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.

Der Vorstoß von Gas Natural könnte eine seit längerem erwartete Konsolidierung der europäischen Erzeugerbranche ins Rollen bringen. Die RWE-Ökostromtochter Innogy ist Insidern zufolge im Visier der französischen Engie. An der früheren Eon-Tochter Uniper soll der finnische Fortum-Konzern interessiert sein.

RWE hatte 2011 Fusionsgespräche mit dem spanischen Versorger Iberdrola geführt, die in letzter Minute scheiterten. Auch der durch die Aufspaltung geschrumpfte Eon-Konzern ist mit einem Marktwert von rund 18 Milliarden Euro wesentlich günstiger als zu früheren Zeiten zu haben.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×