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14.03.2017

10:55 Uhr

Gebot für Innogy

RWE will grüne Tochter nicht nach Frankreich verkaufen

VonJürgen Flauger

RWE, Deutschlands größter Stromversorger, steckt weiter tief in den roten Zahlen. Doch Spekulationen über einen Verkauf der grünen Tochter Innogy erteilt Konzernchef Rolf Martin Schmitz eine klare Absage.

Seit der Aufspaltung konzentriert sich der Konzern auf die konventionelle Stromerzeugung und den Großhandel. dpa

RWE

Seit der Aufspaltung konzentriert sich der Konzern auf die konventionelle Stromerzeugung und den Großhandel.

DüsseldorfMilliardenverlust, keine Dividende, Debatte um sein Gehalt - wenn Rolf Martin Schmitz am Dienstag zum ersten Mal als Vorstandschef die Bilanz von RWE auf der jährlichen Pressekonferenz in Essen vorstellt, muss er sich auf unangenehme Fragen gefasst machen. Vielleicht ist Schmitz deshalb ja sogar froh, dass die roten Zahlen, die sein Unternehmen am frühen Morgen meldete, von einer ebenso überraschenden wie vagen Spekulation überlagert wird: Angeblich plant der französische Energiekonzern Engie eine Übernahme der RWE-Ökostromtochter Innogy.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte unter Bezug auf „informierte Kreise“ berichtet, Engie spreche mit Beratern eine Offerte für das Unternehmen durch, das an der Börse rund 17 Milliarden Euro wert ist. Die Überlegungen seien aber noch in einem frühen Stadium und es sei unklar, ob Engie überhaupt einen Vorstoß vage. Das Unternehmen wolle sich nicht äußern.

Schmitz wollte sich am Dienstag zu den Spekulationen nicht äußern. „Marktgerüchte“ kommentiere man grundsätzlich nicht. Der RWE-Chef betonte zwar, dass RWE immer „alle Optionen“ prüfe und man regelmäßig mit den unterschiedlichsten Marktteilnehmern im Gespräch sei. Er stellte gleichzeitig aber auch klar, dass er derzeit nicht das Plazet hat, die Mehrheit an Innogy abzugeben: „Wir haben einen Aufsichtsratsbeschluss aus Dezember 2015, der ist bekannt“, sagte Schmitz, „der gibt uns die Freiheit Innogy-Anteile bis auf 51 Prozent abzuverkaufen.“

Innogy: Terium glückt der grüne Neustart

Innogy

Terium glückt der grüne Neustart

Gelungener Seitenwechsel von Peter Terium: Während RWE wohl weiter tief in den roten Zahlen verharrt, startet die grüne Tochter Innogy mit soliden Gewinnen. 2017 will Terium die Ergebnisse sogar deutlich steigern.

RWE hatte Ende 2015 überraschend die Aufspaltung des Konzerns beschlossen. Im April 2016 lagerte der Konzern das Geschäft mit der Energiewende, also Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze, an die neu gegründete Innogy SE aus und konzentrierte sich selbst auf die konventionelle Stromerzeugung und den Großhandel. Im Oktober brachte RWE das neue Unternehmen an die Börse und hält seither noch 77 Prozent. Zwar will der Konzern in den kommenden Jahren weitere Anteile verkaufen, aber eben die Mehrheit behalten.

In Konzernkreisen gilt auch als unwahrscheinlich, dass Vorstandschef Schmitz im Aufsichtsrat jetzt schon eine Revision des Beschlusses durchsetzen könnte: Dort haben die Arbeitnehmervertreter und kommunale Aktionäre, die auch Standortinteressen haben, die Mehrheit. Andererseits ist ein allzu aggressiver Vorstoß von Engie ebenfalls unwahrscheinlich. Das Unternehmen will zwar bei den erneuerbaren Energien expandieren, ist aber noch zu 29 Prozent in Besitz des französischen Staates.

Dabei könnte RWE die Milliarden durch eine Übernahme von Innogy eigentlich gut gebrauchen. Das Unternehmens steckt tief in den roten Zahlen, wie aus dem Geschäftsbericht hervor geht, den der Konzern am Dienstag früh veröffentlichte. Dabei war die schlimmste Zahl keine Überraschung mehr: Unter dem Strich schloss RWE das Geschäftsjahr 2016 mit einem Verlust von 5,7 Milliarden Euro ab. Den gewaltigen Nettoverlust hatte der Energiekonzern aber schon vor knapp drei Wochen in einer überraschenden Ad-hoc-Mitteilung eingeräumt. Aber auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank um 23 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Jetzt soll aber der Abwärtstrend erstmal gestoppt sein. 2017 soll nach der Prognose des Konzerns beim Ebitda mindestens wieder der Wert von 5,4 Milliarden Euro erreicht werden , am besten soll es aber auf 5,7 Milliarden Euro gesteigert werden. Das Nettoergebnis soll, bereinigt um Sondereffekte, wieder leicht zulegen.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Jetzt geht es darum, auf dieser soliden Grundlage RWE weiter zu entwickeln“, sagt Vorstandschef Rolf Martin Schmitz. Schmitz hatte den Vorstandsvorsitz erst im Oktober nach dem Börsengang von Innogy übernommen. Der damalige RWE-Chef Peter Terium gab die Leitung des Mutterkonzerns an seinen Vize Schmitz ab und konzentrierte sich selbst auf die Führung von Innogy.

Die Stammaktionäre werden wegen der angespannten finanziellen Lage für 2016 wieder keinen Cent bekommen. Die Vorzugsaktionäre erhalten auch nur 13 Cent. Einige der kommunalen Aktionäre, die rund 24 Prozent der Stammaktien halten, protestierten zwar zunächst. Letztlich wurde der Vorschlag des Vorstands in der vergangenen Woche vom Aufsichtsrat aber einstimmig gebilligt. Für 2017 sollen sie aber wieder 50 Cent je Aktie bekommen – und das soll in den Folgejahren auch die Untergrenze sein.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

14.03.2017, 09:48 Uhr

Jetzt habe ich gedacht,die Zukunft gehört der sog. Erneuerbaren Energiebranche...eine von Grünen Hochsubventionierte Energieerzeugung...eine Energiewende auf Basis von EEG Zwangsabgaben Subventionen.

Terium glückt der grüne Neustart
von:
Jürgen Flauger•
Datum:
13.03.2017 07:45 Uhr•

Gelungener Seitenwechsel von Peter Terium: Während RWE wohl weiter tief in den roten Zahlen verharrt, startet die grüne Tochter Innogy mit soliden Gewinnen. 2017 will Terium die Ergebnisse sogar deutlich steigern.

Die Zukunft der Grünen Energiewelt schaut doch nicht so rosa-rot aus...Kapitalverlust-Stellenaubbau-Arbeitslosigkeit-wenig bis gar keine Dividende für Städte, Kommunen, Bundesländer...die neue schöne Grün-Sozialistische Energiewende/EEG...

Rainer von Horn

14.03.2017, 10:01 Uhr

Erneuerbare Energien sind einfach zu teuer, Herr Hofmann, und damit nicht MARKTFÄHIG, sondern nur in einem Schutz-Biotop planwirtschaftlicher Zwangssubventionen überlebensfähig. Und das bleibt so lange so, wie fossile Energien und atomare Energierohstoffe zu einem Bruchteil am freien Weltmarkt gehandelt werden.

Account gelöscht!

14.03.2017, 10:17 Uhr

@Rainer von Horn
Werden jetzt mal in Zukunft genau beobachten, wann der Peter Terium, denn Absprung von Innogy macht...vor oder nach den Verkauf an die Franzosen?

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