Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.02.2017

19:48 Uhr

General Electric

760 Jobs in Mannheim und Bexbach werden gestrichen

Länger als ein Jahr streiten der US-Konzern General Electric und der Betriebsrat um den Erhalt von Arbeitsplätzen in Mannheim und Bexbach. Nun werden hunderte Stellen gestrichen und ein Werk komplett geschlossen.

GE hatte das Werk in Mannheim im November 2015 vom französischen Konkurrenten Alstom übernommen und Anfang 2016 angekündigt, in Deutschland rund 1700 Arbeitsplätze zu streichen - davon etwa 1060 in Mannheim. Reuters, Sascha Rheker

General Electric

GE hatte das Werk in Mannheim im November 2015 vom französischen Konkurrenten Alstom übernommen und Anfang 2016 angekündigt, in Deutschland rund 1700 Arbeitsplätze zu streichen - davon etwa 1060 in Mannheim.

Mannheim Trotz intensiver Verhandlungen von Betriebsrat und Gewerkschaft streicht der Siemens-Konkurrent General Electric (GE) in Mannheim etwa 600 und in Bexbach (Saarland) rund 160 Stellen. Das teilte die Betriebsratsvorsitzende Elisabeth Möller am Dienstag in Mannheim mit. In Gesprächen mit dem US-Konzern sei es nicht gelungen, die „falsche Umstrukturierung“ zu stoppen, sagte sie. Das Werk in Bexbach werde geschlossen, in Mannheim verbleiben noch 700 Stellen.

Mit dem Unternehmen seien ein Interessenausgleich und ein Sozialplan ausgehandelt worden, meinte Möller. „Die finanzielle Regelung ist gut bis sehr gut, aber sie ersetzt nicht den Arbeitsplatz.“ Das Unternehmen zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Die Einigung gebe nun allen Beteiligten eine gewisse Sicherheit. Der Konzern stimmte unter anderem Auffanggesellschaften sowie Abfindungen zu.

Die Stärken und Schwächen von General Electric

GE hat turbulente Jahre hinter sich

Das Unternehmen ist ein riesiger Mischkonzern: Handelsblatt Online zeigt, wo der Elektronikriese stark ist - und wo Gefahren lauern.

Stärke 1: Das Geschäft in den USA

Auf dem großen Heimatmarkt hat General Electric eine starke Stellung. Das schützt das Unternehmen in schwierigen Zeiten.

Stärke 2: Gesundes Finanzpolster

Der Konzern verfügt über eine enorme Finanzkraft - und kann so auch in Zukunft durch Übernahmen wachsen.

Stärke 3: Großes Sortiment

Über die Jahrzehnte hat GE ein breites Sortiment an Industrieprodukten aufgebaut. Das senkt das Risiko, wenn einzelne Märkte schwächeln.

Stärke 4: Hohe Bekanntheit

Die Marke gehört zu den renommiertesten der Welt. Sie steht für Solidität und Stärke - ein Merkmal, dass die Produkte des Unternehmens von der Konkurrenz abhebt.

Schwäche 1: Die Finanzgeschäfte

Zwar hat die große Finanzsparte des Konzerns sich zuletzt erholt - aber der Geschäftsbereich birgt nach wie vor große Risiken. Er ist stark vom Wirtschaftsklima in Amerika abhängig.

Schwäche 2: Schwerfällige Erholung

Seit dem letzten Halbjahr befindet sich GE wieder im Aufschwung - doch der Konzern hat ein grundsätzliches Problem: Er erholt sich von Krisen weitaus langsamer als die Konkurrenz.

Schwäche 3: Atomkraft unsicher

Kernenergie galt lange als großer Zukunftsmarkt - doch spätestens seit dem Desaster in Japan ist die Zukunft der Branche auf der ganzen Welt unsicher. Damit steht auch das Geschäftsfeld von GE in Frage.

Schwäche 4: Investoren sind misstrauisch

Inzwischen dürften die Anleger sich wieder beruhigt haben - aber sie beobachten noch immer argwöhnisch jeden Schritt des Konzerns. Zu groß war die Unsicherheit in den Krisenjahren.

GE hatte das Werk in Mannheim im November 2015 vom französischen Konkurrenten Alstom übernommen und Anfang 2016 angekündigt, in Deutschland rund 1700 Arbeitsplätze zu streichen - davon etwa 1060 in Mannheim. Die Fabrik am Standort, in der Turbinen für konventionelle Kraftwerke gebaut werden, sollte komplett geschlossen werden.

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sprach von einem harten Kompromiss. „Insbesondere für die betroffene Belegschaft und deren Familien bedeutet dies einen herben Schlag“, sagte sie. Auch das Bundeswirtschaftsministerium bedauerte den Stellenabbau. „Die Beschäftigten brauchen Planungssicherheit und müssen wissen, woran sie sind. Die Verständigung auf einen Interessenausgleich und Sozialplan trägt dem Rechnung - auch wenn in Deutschland jeder mittelfristige Verlust von Industriearbeitsplätzen einer zu viel ist“, sagte eine Sprecherin.

Kraftwerksbauer Siemens, GE & Co.: Käufer verzweifelt gesucht

Kraftwerksbauer Siemens, GE & Co.

Premium Käufer verzweifelt gesucht

Nicht nur RWE, Eon & Co. setzt die Energiewende zu, sondern auch Anlagenbauern wie Siemens und GE. Dass die Nachfrage nach Kohlekraftwerken steigt, ist unwahrscheinlich, viele Jobs fallen weg. Es bleibt nur das Ausland.

Zuletzt hatte eine Einigungsstelle aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern unter dem Vorsitz von Ex-Arbeitsrichter Lothar Jordan um einen Kompromiss gerungen. „Wir haben eine gute Auffangregelung, zum Beispiel bleiben Mitarbeiter bis zu 18 Monate in Transfergesellschaften, zudem wurde eine weit überdurchschnittliche Abfindung für den Verlust der Arbeitsstelle vereinbart“, sagte Jordan. Letztendlich habe sich GE zu seiner Verantwortung bekannt.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×