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06.07.2015

14:43 Uhr

Genossenschaft kann starten

Gericht billigt Insolvenzplan für Prokon

Windenergie-Firma Prokon soll nicht an den Energieversorger EnBW verkauft werden, stattdessen wird sie als Genossenschaft fortgeführt. Den Plan der Gläubigerversammlung hat nun das zuständige Amtsgericht gebilligt.

In einem der größten Insolvenzverfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte wird der Schlussakt vollzogen. dpa

Windenergie-Firma Prokon

In einem der größten Insolvenzverfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte wird der Schlussakt vollzogen.

ItzehoeDas Amtsgericht Itzehoe hat den Insolvenzplan für die Windenergie-Firma Prokon bestätigt, den die Gläubigerversammlung am vergangenen Donnerstag beschlossen hatte. Das Insolvenzverfahren könne aufgehoben werden, wenn der Gerichtsbeschluss rechtskräftig und die Prokon-Genossenschaft in das Genossenschaftsregister eingetragen wird, teilte das Amtsgericht am Montag mit. Binnen zwei Wochen sind Einsprüche möglich.

Die Gläubiger hatten sich am Donnerstag mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, die Firma als Genossenschaft fortzuführen und es nicht an den Energieversorger EnBW zu verkaufen.

Prokon-Gläubiger haben ihre Wahl getroffen

Worüber sollten die Gläubiger abstimmen?

Der Insolvenzverwalter hatte einen Genossenschafts-Insolvenzplan und einen Investoren-Insolvenzplan vorgelegt. Über den ersten Vorschlag wurde abgestimmt, weil sich Genussrechts-Inhaber mit Forderungen über nominal 880 Millionen Euro verbindlich verpflichtet hatten, ihr Kapital in die Genossenschaft einzubringen. Der zweite Vorschlag – ein Verkauf an den Karlsruher Energiekonzern EnBW – wäre erst nach dem Scheitern des ersten Vorschlags zum Zuge gekommen.

Was bringt den bisherigen Genussrechts-Inhabern eine Genossenschaft?

Das Kerngeschäft von Prokon – Windenergie-Anlagenbau und Stromhandel – wird fortgeführt. Die Gläubiger erhalten voraussichtlich 57,8 Prozent ihres eingesetzten Geldes zurück (Insolvenzquote) – allerdings über zwei Komponenten: Genussrechts-Inhaber, die an Prokon beteiligt bleiben wollen, können voraussichtlich 23,3 Prozent ihrer Forderungen in eine längerfristige Mitgliedschaft umwandeln. Außerdem haben sie Anspruch auf eine bis zum Jahr 2030 laufende Schuldverschreibung.

Genussrechts-Inhaber, die aus Prokon aussteigen wollen, erhalten eine Barabfindung aus dem geplanten Verkauf eines Palettenwerks in Torgau sowie rumänischer Wälder (ebenfalls 23,3 Prozent). Außerdem bleibt ihnen der Anspruch auf die handelbare, festverzinsliche Anleihe.

Was hätte den Gläubigern das EnBW-Angebot gebracht?

Auch in diesem Fall wäre das Kerngeschäft von Prokon fortgeführt worden, unter dem Dach des Energiekonzerns. Die Insolvenzquote hätte voraussichtlich 52,2 Prozent betragen und setzte sich aus einer sofortigen Barzahlung (34,1 Prozent) und dem Anspruch auf ausstehende Verkaufserlöse (18,1 Prozent) zusammen.

Gab es noch eine weitere Möglichkeit für Prokon?

Ja, die Auflösung der Firma. Aber das wäre für die Anleger wohl die schlechteste Variante gewesen. Die Gläubiger hätten geschätzt 48,5 Prozent ihrer Forderungen zurück erhalten. Diese Lösung wäre auch nur zum Zuge gekommen, wenn die beiden anderen Pläne zuvor durchgefallen wären.

Welchen Rat gab es für die Entscheidung der Anleger?

Unabhängige Verbraucherschützer verwiesen auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen: Wer sich weiter für die Windenergie engagieren wolle und an eine gute Zukunft für Prokon glaube, sollte für das Genossenschaftsmodell votieren. Wer schnell zu Bargeld kommen und das Kapitel Prokon abschließen wollte, sollte für den Verkauf an EnBW stimmen.

Was passiert mit den rund 300 Arbeitsplätzen bei Prokon?

Da das Unternehmen nach beiden Plänen fortgeführt werden sollte, bleiben die Arbeitsplätze vorerst erhalten.

Von

dpa

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