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08.08.2013

11:39 Uhr

Geplatzter Verkauf

Rohstoffriese Rio Tinto erleidet Rückschlag

Erst fand sich kein Käufer für das Diamantengeschäft von Rio Tinto, nun platzt auch noch der Verkauf der verlustreichen Aluminiumsparte. Zudem erleidet der weltweit zweitgrößte Bergbaukonzern einen Gewinneinbruch.

Eisenerzabbau von Rio Tinto in Australien: Das nachlassende Wirtschaftswachstum in China belastet die Rohstoffpreise. AFP

Eisenerzabbau von Rio Tinto in Australien: Das nachlassende Wirtschaftswachstum in China belastet die Rohstoffpreise.

MelbourneDer weltweit zweitgrößte Bergbau-Gigant Rio Tinto erleidet einen erneuten Rückschlag: Der Konzern finden auch keinen Käufer für seine verlustbringende Sparte Pacific Aluminium, die er zum Schuldenabbau für einige Milliarden Dollar losschlagen wollte. Erst im Juni waren die Verkaufspläne für das Diamantengeschäft mangels ausreichend hoher Gebote begraben worden. Im laufenden Geschäft setzen dem Konzern weiter Preiseinbrüche bei Eisenerz, Kupfer und Kohle zu - der Gewinn brach nach Angaben vom Donnerstag im Halbjahr um knapp ein Fünftel ein.

2012 hatte Rio den ersten Jahresverlust in seiner Geschichte hinnehmen müssen und unter dem neuen Firmenchef Sam Walsh deshalb Einsparungen von fünf Milliarden Dollar binnen zwei Jahren angekündigt. 1,5 Milliarden davon wurden Walsh zufolge im ersten Halbjahr bereits erreicht.

Das Geschäft von Pacific Aluminium, das unter anderem fünf Aluminium-Schmelzen in Australien und Neuseeland umfasst, soll nun wieder in den Konzern eingegliedert werden. Die Sparte hängt in den roten Zahlen. Der australisch-britische Konzern hatte sie 2011 zum Verkauf gestellt, aber auch eine Abspaltung nicht ausgeschlossen. Im gegenwärtigen Marktumfeld habe es hier aber keine akzeptablen Lösungen gegeben, sagte Walsh nun.

Rio Tinto steht unter starkem Spardruck. Dem Konzern hängt vor allem die 38 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Rivalen Alcan aus dem Jahr 2007 wie ein Mühlstein am Hals. Der Kauf erfolgte aus heutiger Sicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt, kurz vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise. Rio Tinto hat seitdem rund 30 Milliarden Dollar an Abschreibungen und Buchverlusten vornehmen müssen, weil die Nachfrage nicht wie erhofft zulegte. Aktuell drücken Rio Tinto Schulden von 22 Milliarden Dollar.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

Für das erste Halbjahr wies Rio einen Rückgang des Gewinns ohne Sonderposten von 18 Prozent auf 4,23 Milliarden Dollar aus. Unter dem Strich standen unter Einberechnung etwa von Währungsverlusten und Abschreibungen auf eine Kupfer-Mine in den USA 1,7 Milliarden Dollar.

Der weltweit zweitgrößte Bergbaukonzern leidet zudem unter dem gedämpften Wachstum im Hauptabnehmerland China. Im Juni waren die für die Stahlproduktion wichtigen Eisenerz-Importe der Volksrepublik um 9,1 Prozent auf ein Vier-Monats-Tief gefallen. Im zweiten Quartal hatte sich Chinas Wirtschaftsleistung auf 7,5 Prozent abgeschwächt.

Rio Tinto macht rund zwei Drittel seiner Umsätze mit Eisenerz. Im zweiten Quartal stieg die Produktion im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 66 Millionen Tonnen. Die Preise für den Rohstoff hatten zuletzt wieder angezogen, blieben aber angesichts des gedämpften chinesischen Wachstums immer noch rund 20 Prozent unter den im Februar erreichten Höchstständen.

Lichtblick für den Bergbauriesen war Ende Juli der Verkauf einer australischen Kupfermine für umgerechnet 617 Millionen Euro an einen chinesischen Konzern. Mit dem Käufer China Molybdenum sorgt es für eine Überraschung. Als Favorit für den 80-Prozent-Anteil an der Mine Northparkes galt der australische Kupferproduzent OZ Minerals, nachdem die chinesische MMG sich aus dem Bieterwettstreit zurückgezogen hatte.

Kommentare (1)

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advance_on_technology

08.08.2013, 12:48 Uhr

Die Rohstoffriesen sind dsa Hauptproblem der globalen Wirtschaft:

Erstens; die 4 Riesen bilden ein Oligopol und sind alle in ausländischer Hand.

Zweitens; der Automatisierungsgrad ist noch sehr gering - anstattdessen gibt es immernoch afrikanische Minensklaven.

Drittens; 100% erneuerbare Energien und die Marktpreise würden mit 2. gegen Null sinken.


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