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12.02.2016

16:45 Uhr

German Pellets

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Chef

VonAndreas Dörnfelder, Gertrud Hussla

Die Pleite des Brennstoffherstellers wird zum Wirtschaftskrimi. Nach Informationen des Handelsblatts ermittelt die Staatsanwaltschaft Rostock gegen Gründer Peter Leibold. Der selbst war zunächst nicht zu erreichen.

Die Zentrale in Wismar im Jahr 2014: German Pellets macht aus Sägespänen und Baumstämmen Holzpellets für Heizungen. Johannes Arlt für Handelsblatt

German Pellets

Die Zentrale in Wismar im Jahr 2014: German Pellets macht aus Sägespänen und Baumstämmen Holzpellets für Heizungen.

DüsseldorfEs ist eine der größten Pleiten in der Öko-Energie-Branche. Nun könnte es auch ein großer Kriminalfall werden. Am Mittwoch hat der Wismarer Brennstoffhersteller German Pellets Insolvenzantrag gestellt. Jetzt beschäftigt der Fall die Justiz. Nach Informationen des Handelsblatts führt die Staatsanwaltschaft Rostock ein Ermittlungsverfahren gegen Gründer und Geschäftsführer Peter Leibold. „Es geht um die Verletzung von Eigentumsrechten“, bestätigte ein Sprecher der Rostocker Generalstaatsanwaltschaft, die der ermittelnden Behörde übersteht.

German Pellets-Chef Peter Leibold war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Eine Sprecherin des Unternehmens machte auf Anfrage keine Angaben. Nach Handelsblatt-Informationen hatte ein Lieferant Strafanzeige wegen Unterschlagung erstattet – und zwar schon mindestens einen Tag vor der Insolvenzanmeldung. Der Lieferant könnte auf einer offenen Rechnung sitzengeblieben sein. Daneben erstatteten auch einzelne Anleihegläubiger Anzeige wegen Kapitalanlagebetrugs. Über Anleihen hatte German Pellets allein in Deutschland 226 Millionen Euro eingesammelt, viele Kleinanleger zeichneten die Papiere.

Im Jahr 2005 gründete er den Brennstoff Hersteller. PR

German Pellets-Chef Peter Leibold

Im Jahr 2005 gründete er den Brennstoff Hersteller.

Anzeigen in Schwerin, Verfahren in Rostock

Die Strafanzeigen gingen bei der Staatsanwaltschaft Schwerin ein. Die Behörde musste den Fall aber nach Rostock abgeben. „Aus Kapazitätsgründen“, wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft dem Handelsblatt erklärte. Nach seiner Einschätzung könnte das Verfahren „sehr umfangreich“ werden. In Rostock gibt es wie auch in Schwerin eine Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafsachen. Die Ermittler prüfen routinemäßig weitere Delikte wie Insolvenzverschleppung oder auch Bilanzfälschung.

Die bisher veröffentlichten Zahlen der German Pellets GmbH sehen auf den ersten Blick nicht schlecht aus. Von 2010 bis 2014 meldete das Unternehmen ein Umsatz-Plus von 160 auf knapp 600 Millionen Euro. Nach eigenen Angaben hat der Brennstoffhersteller in jedem Jahr Gewinn gemacht. Noch im Zwischenbericht vom 30. September 2015 kündigte German Pellets zehn Prozent Umsatzwachstum an und wies ein positives Vorsteuerergebnis aus. Die Ratingagentur Creditreform errechnete im November 2015, dass das Unternehmen nur noch 5,4 Prozent Eigenkapital habe. In der Folge mehrten sich die Anzeichen, dass German Pellets in Schieflage ist.

Gericht lehnt Sanierung in Eigenregie zunächst ab

In dieser Woche ging dann alles ganz schnell. Eine für Mittwoch geplante Gläubigerversammlung sagte das Unternehmen kurzfristig ab. Stattdessen stellte die German Pellets GmbH an dem Tag einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Gründer Peter Leibold wollte sein Unternehmen mit einem Sanierungsberater und einem gerichtlich bestellten Sachwalter an seiner Seite selbst sanieren. Das Insolvenzgericht Schwerin hat diesen Antrag jedoch zunächst abgelehnt und stattdessen die Rechtsanwältin Bettina Schmudde mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung beauftragt.

Schmudde rechnet erst im April oder Mai mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Sie bat am Freitag die Gläubiger des Brennstoff-Herstellers, vor diesem Zeitpunkt keine Forderungen anzumelden. Schmudde kündigte umfangreiche Informationen für die Anleihe- und Genussschein-Gläubiger an. Anlegervertretern zufolge geht es um 10.000 bis 12.000 Anleger und einen Betrag von mehr als 200 Millionen Euro. Anlegervertretern zufolge geht es um 10.000 bis 12.000 Anleger und einen Betrag von mehr als 200 Millionen Euro. Die vorläufige Insolvenzverwalterin von der Kanzlei White & Case in Hamburg äußerte sich bislang nicht zu konkreten Zahlen.

Ihrem Sprecher zufolge macht sie sich derzeit in Gesprächen mit Geschäftsführung und Management ein Bild der Lage. In den nächsten Tagen werde sie mit ihrem Team prüfen, inwieweit eine Fortführung des Geschäftsbetriebs möglich ist und Optionen zur Sanierung bestehen. Dazu werde sie mit Lieferanten, Kunden und Gläubigern sprechen.

German Pellets - Fakten zum Unternehmen

Gründungsjahr

Gegründet wurde German Pellets erst im Jahr 2005 in Wismar. Zuvor hatte Leibold bereits als Geschäftsführer eines Sägewerks Erfahrung in der Holzindustrie gesammelt.

Geschichte

Vor allem durch Zukäufe ist German Pellets in relativ kurzer Zeit stark gewachsen. Dabei profitierte das Unternehmen unter anderem davon, dass Holzpellets als CO2-neutral gelten. Das ist ein Grund, weshalb etwa die Anschaffung von Pellet-Heizungen gefördert wird.

Im Jahr 2016 kollabiert die Firma, sie meldet im Februar Insolvenz an.

Geschäftsentwicklung

Die Firma verzeichnete bis zum Zusammenbruch ein rasantes Wachstum und kratzte zeitweise an der 600-Millionen-Euro-Umsatzmarke. Im Jahr 2011 waren es noch 286 Millionen Euro.

Eigner und Führung

German Pellets gehörte zu 60 Prozent Peter Leibold und zu 40 Prozent seiner Frau Anna Kathrin. Peter Leibold arbeitete als Geschäftsführer, seine Frau hatte sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Tochter Kathrin Leibold führte eine Tochterfirma, die Tiereinstreu vermarktete.

Beschäftigte und Standorte

German Pellets beschäftigte 650 Mitarbeiter. Die Zentrale liegt in Wismar in unmittelbarer Nähe zum Hafen, dort ist auch eine Pellets-Produktion. Weitere 13 Standorte sind in Deutschland verteilt, die beiden größten im Land sind neben Wismar Herbrechtingen und Ettenheim (beide Baden-Württemberg).

Im Jahr 2013 ging die größte Fabrik aber in den USA an den Start mit einer Produktionskapazität von 550.000 Tonnen Pellets pro Jahr (fast ein Viertel der Gesamtkapazität). Ein noch einmal doppelt so großes Werk entstand in Louisiana.

Produkte

Die Firma produziert Holzpellets. Dazu werden Holzspäne unter hohem Druck zu zäpfchengroßen Stäbchen gepresst. Diese werden zur Verbrennung in Kaminöfen, Heizungen, Biomassekraftwerken und als Beimischungen in fossilen Kraftwerken eingesetzt. Die Marke „FireStixx“ gehört zum German-Pellets-Portfolio.

Die Creditreform Rating AG hat das Unternehmensrating der German Pellets GmbH von C (watch) auf die unterste Stufe D angepasst. Als Grund gab Creditreform den Antrag auf Insolvenz an, teilte German Pellets am Freitag in einer Ad-hoc-Mitteilung an die Börse mit.

German Pellets stellt stiftförmige Holzspäne zum Heizen her, die aus Holzabfällen bestehen. Sie werden in speziellen Öfen oder Heizungen aber auch in Kraftwerken zur Herstellung von Strom und Wärme genutzt. Das Unternehmen bezeichnet sich als einen der weltgrößten Pelletproduzenten und -händler und beschäftigt nach eigenen Angaben 650 Mitarbeiter, davon rund 550 in Deutschland.

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