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29.10.2013

13:25 Uhr

Gewinneinbruch

Vattenfall-Chef kündigt Rückzug an

Der operative Gewinn des Energiekonzerns Vattenfall ist im Sturzflug – der Umsatz kann im vergangenen Quartal hinlegen zulegen. Konzernchef Oystein Loseth wird seinen Vertrag nicht verlängern.

Vattenfall-Chef Oystein Loseth bei einer Pressekonferenz in 2011. dapd

Vattenfall-Chef Oystein Loseth bei einer Pressekonferenz in 2011.

StockholmMitten im Konzernumbau muss sich der schwedische Energieriese Vattenfall einen neuen Chef suchen. Der bisherige Unternehmenslenker Oystein Loseth stehe nach Vertragsablauf im März 2015 nicht mehr zur Verfügung, teilte der auch in Deutschland stark aufgestellte Versorger am Dienstag mit. Die Suche nach einem Nachfolger habe begonnen. Der Staatskonzern steht wie die Konkurrenten Eon und RWE vor allem wegen der anhaltend niedrigen Großhandelspreise für Strom unter Druck. Angesichts der Umwälzungen auf den Energiemärkten spaltet Vattenfall sein Skandinavien-Geschäft Anfang 2014 von Kontinentaleuropa und Großbritannien ab.

Loseth stand zunächst an der Spitze des niederländischen Betreibers Nuon, den Vattenfall 2009 für 8,5 Milliarden Euro schluckte. Als die Kritik an der Übernahme angesichts der schwächelnden Energiemärkte 2010 immer stärker wurde, löste Loseth den früheren Vattenfall-Chef Lars Josefsson ab, der den Deal eingefädelt hatte. Für den nun angekündigten Rücktritt nannte Loseth persönliche Gründen. Er habe den Konzern früh informiert, damit genug Zeit für die Suche nach einem Nachfolger bleibe. Die Aufspaltung des Geschäfts in zwei Regionen verlaufe nach Plan.

Im abgelaufenen Quartal drückten insbesondere höhere Kosten für Verschmutzungsrechte zum Ausstoß von Kohlendioxid den operativen Gewinn um mehr als zehn Prozent auf knapp vier Milliarden Schwedische Kronen (rund 456 Millionen Euro). Kostensenkungen im operativen Geschäft und höhere Strompreise etwa in den nordischen Märkten hatten dies nur teilweise ausgleichen können. Die recht stabile Lage in Skandinavien trug dazu bei, dass der Umsatz im dritten Quartal um knapp zehn Prozent auf umgerechnet 4,2 Milliarden Euro stieg.

Der Strommarkt in Skandinavien bewegt sich in einem ruhigeren Marktumfeld als in Kontinentaleuropa und Großbritannien. Während in Südeuropa die Nachfrage wegen der Rezession deutlich zurückgegangen ist, ist die Lage in Nordeuropa vergleichsweise stabil. Ein Großteil der Stromerzeugung beruht auf Wasserkraft. Auch die Rolle der Kernenergie ist in der Politik und Bevölkerung nicht so umstritten wie etwa in Deutschland, wo Vattenfall im Zuge der des beschleunigten Atomausstiegs seine Meiler in Brunsbüttel und Krümmel stilllegen musste.

In Deutschland schrieben die Schweden im ersten Halbjahr auch rund 500 Millionen Euro auf Steinkohlekraftwerke ab. Insgesamt summierten sich die Abschreibungen auf Kraftwerke auf rund 3,5 Milliarden Euro.

In Berlin droht dem Konzern am Sonntag weiteres Ungemach. Mit Hilfe einer Volksabstimmung wollen Umwelt- und Verbraucherschützer dem Konzern die Stromnetze der Stadt entreißen. Vattenfall erzielt mit diesen nach eigenen Angaben im Schnitt jährlich einen Gewinn von rund 50 Millionen Euro. Die Vattenfall-Kritiker in der Hauptstadt wollen die Energieerzeugung komplett auf Ökostrom umstellen. In Hamburg hatte sich bereits Mitte September eine Mehrheit für den Erwerb des dortigen Vattenfall-Netzes ausgesprochen.

Von

rtr

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