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06.08.2013

15:36 Uhr

Gläubigerversammlung

Solarworld nimmt zweite Hürde

VonDana Heide, Dietmar Neuerer

Auch die Gläubiger der zweiten Anleihe des angeschlagenen Unternehmens Solarworld haben einem Schuldenschnitt zugestimmt. Das war erwartet worden, dürfte aber dennoch für weitere Erleichterung bei Gründer Asbeck sorgen.

Hat gut Lachen: Der Vorstandsvorsitzende von Solarworld, Frank Asbeck, kommt am Mittwoch sichtbar zufrieden aus der ersten Gläubigerversammlung in Bonn – die Anleihegläubiger hatten dem Rettungskonzept für das Unternehmen mit großer Mehrheit zugestimmt. dpa

Hat gut Lachen: Der Vorstandsvorsitzende von Solarworld, Frank Asbeck, kommt am Mittwoch sichtbar zufrieden aus der ersten Gläubigerversammlung in Bonn – die Anleihegläubiger hatten dem Rettungskonzept für das Unternehmen mit großer Mehrheit zugestimmt.

Düsseldorf/BerlinSolarworld-Chef Frank Asbeck bekommt in dieser Woche bereits die zweite gute Nachricht: Eine weitere Gläubigergruppe hat dem Rettungsplan für das angeschlagene Unternehmen zugestimmt. Die Geldgeber einer Anleihe von 400 Millionen Euro stimmten am Dienstag in Bonn nahezu geschlossen (mit 99,8 Prozent) für den Sanierungsplan, wie ein Teilnehmer der Versammlung berichtete. Damit sind zwei der größten Hürden auf dem Weg zur Sanierung genommen.

Wenn die Anleihegläubiger nicht zugestimmt hätten, hätte das überschuldete Unternehmen wahrscheinlich Insolvenz anmelden müssen. Eine erste Gläubigergruppe einer weiteren Anleihe hatte dem Rettungspaket bereits am Montag zugestimmt. Solarworld ist derzeit mit mehr als 900 Millionen Euro verschuldet. 427 Millionen Schulden bleiben nach dem Schnitt stehen.

Für die Aktie geht es seit dieser Woche steil bergauf. Am Montag legte sie nach Bekanntgabe der positiven Entscheidung der Anleihegläubiger zeitweise um 30 Prozent zu – die Entscheidung galt als wegweisend für die weiteren Abstimmungen. Am Dienstag kletterte sie nochmals um zeitweise bis zu 13 Prozent auf 72 Cent pro Stück.

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Anlegerschützer hatten im Vorfeld den Anleihegläubigern dazu geraten, dem Restrukturierungsplan inklusive des Schuldenschnittes zuzustimmen. „Aus unserer Sicht ist der Restrukturierungsplan klar besser als eine Insolvenz. Und Totgesagte leben ja meist dann doch länger, und das könnte auch hier zutreffen“, sagte Daniel Bauer, Vorstandsmitglied der Anlegerschutzgemeinsacht SdK Handelsblatt Online. „Denn die Solarbranche ist von einem enormen politischem Einfluss geprägt. Und dieser kann sich in Zukunft durchaus auch zu Gunsten von Solarworld drehen.“  

Am Mittwoch steht nun nur noch die Zustimmung der Aktieneigner bei der außerordentlichen Hauptversammlung für den Restrukturierungsplan aus. Doch auch dort wird erwartet, dass der Sanierungsplan durchgewunken wird. Die Aktieneigner trifft der Schuldenschnitt hart. Die Kapitalherabsetzung führt dazu, dass ihre Papiere extrem verwässert werden: Aus jeweils 150 Aktien wird eine. Danach folgt eine Kapitalerhöhung, sodass die Altanleger am Ende noch fünf Prozent an dem Unternehmen halten.

Helfen sollen bei der Sanierung neben dem 55-prozentigen Schuldenschnitt noch weitere Finanzspritzen. So will Asbeck aus seinem privaten Vermögen für rund 10 Millionen Euro Aktien nachkaufen. Zudem will ein Großinvestor aus Katar mit 35 Millionen Euro einsteigen und ein Darlehen in Höhe von 50 Millionen Euro geben.

Kommentare (2)

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Privatier

06.08.2013, 16:34 Uhr

"Asbeck greift zur Sanierung auch in die eigene Tasche.So will Asbeck aus seinem privaten Vermögen für rund 10 Millionen.."
Privates Vermögen?! Das ist wohl mehr als lächerlich. Es ist das Geld der Anleger, das er sich mit seinen überhöhten Bezügen bzw. mit dem Börsengang in die eigene Tasche gewirtschaftet hat.
Auf deutsch gesagt: legaler Betrug!

Account gelöscht!

06.08.2013, 23:24 Uhr

Er will nicht als Pleitier in die Geschichte eingehen. Gute Nerven hat er, braucht er auch. Gibt ein Almosen und erwartet, daß er noch beklatscht wird. Seine Vorstandsbezüge laufen natürlich in gehabter Weise weiter. Kein Wunder, daß die Geschäftszahlen weiter negativ bleiben. Aber so läufts, was die Politiker vormachen, muß auch in der Wirtschaft laufen. Versuchen kann mans ja, Hauptsache man machts richtig und gesetzeskonform.
Ich denke, noch ein Jauchefaßkandidat, wenn es die Hölle geben sollte.

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