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05.03.2013

12:31 Uhr

Glencore und Xstrata

Hochzeit der Rohstoff-Riesen zieht sich hin

Der Rohstoffhändler Glencore lässt sich mehr Zeit für die Fusion mit dem Bergbaukonzern Xstrata. Offenbar hegen die Kartellwächter in China Bedenken gegen den Milliarden-Deal. Zudem vermiesen Abschreibungen die Hochzeit.

Zinn-Produktion bei einer Beteiligung des Rohstoffhändlers Glencore. Reuters

Zinn-Produktion bei einer Beteiligung des Rohstoffhändlers Glencore.

BaarDer Rohstoffhändler Glencore gibt sich angesichts der Kontrollen durch die Regulierungsbehörden mehr Zeit für die Mega-Hochzeit mit dem Konkurrenten Xstrata. Gemeinsam mit Xstrata sei die Frist bis zum 16. April verlängert worden, teilte Glencore am Dienstag mit. Jüngst hatten die beiden Rohstoffkonzerne angekündigt, der bisherige Termin, der 15. März, sei nicht mehr zu halten.

In Branchenkreise wurde vermutet, dass vor allem in China die Behörden Hürden aufstellen. Die EU-Kommission hatte für den Megadeal bereits im November 2012 grünes Licht gegeben. Ursprünglich sollte der Deal noch im vergangenen Jahr über die Bühne gehen.

Der Rohstoffhändler Glencore und der Bergbaukonzern Xstrata hatten sich im Februar 2012 auf den Zusammenschluss geeinigt. Als Glencore Xstrata wollen sie einen der weltgrößten Rohstoffkonzerne bilden, wobei die gesamte Kette der Wertschöpfung vom Abbau über den Handel bis zur Lagerung und dem Transport unter einem Firmendach konzentriert werden soll. Der Jahresumsatz wird dann etwa 200 Milliarden Dollar betragen.

Zudem meldeten die Rohstoffgiganten Glencore und Xstrata milliardenschwere Abschreibungen. Der Überschuss des Rohstoffhändlers Glencore brach im vergangenen Jahr um 75 Prozent ein, der Bergbaukonzern Xstrata verbuchte einen Rückgang von 80 Prozent.

Die Geschichte von Glencore

Gründung

Marc Rich wurde 1934 als Marcell David Reich in Antwerpen geboren. 1974 gründete Rich im schweizerischen Zug seine Firma „Rich & Co.“, aus der später der Rohstoffriese Glencore hervorgeht. Das Rohstoffunternehmen konzentriert sich zunächst auf den Handel mit Eisen, Nicht-Eisen-Metallen und Erdöl.

Anklage in den USA

Im Jahr 1983 wurde Marc Rich in den USA wegen Steuerhinterziehung, Falschaussage und Handel mit dem Iran angeklagt. Zu einem Prozess kam es allerdings nicht, weil Rich bereits vor der Anklageerhebung auf seine amerikanische Staatsbürgerschaft verzichtete und sich in Spanien einbürgern ließ.

Umstrittene Öllieferungen an Südafrika

Indem Rich - trotz eines internationalen Embargos - das südafrikanische Apartheid-Regime zwischen 1979 und 1993 mit mehr als 400 Milliarden Barrel Öl belieferte, hielt er es an der Macht. Der Profit für Richs Firmen wird auf zwei Milliarden Dollar geschätzt.

Ausscheiden des Firmengründers

Mit der Zeit war Rich als Firmenchef untragbar geworden. Er stand unter anderem jahrelang auf der Liste der „Most Wanted“ des FBI. 1993 verkaufte Rich den Großteil der Firma an seine Manager und wurde damit indirekt aus dem Unternehmen gedrängt.

Umbenennung

1994 wurde die Firma vom neuen Management umbenannt. Seit dem firmiert der Rohstoffhändler unter dem Namen Glencore (Global Energy Commodity and Resources).

Neue Geschäftsfelder

Bereits 1982 war das Unternehmen in die Agrarwirtschaft eingestiegen. Nach und nach wurden die Geschäftsfelder durch Akquisitionen in Produktion, Verarbeitung und Handel mit Aluminium, Aluminiomoxid, Bauxit, Eisenlegierungen, Nickel, Zink, Kupfer, Blei, Kohle, Öl und Agrarprodukten ausgeweitet.

Besitzverhältnisse 1993 - 2011

Seit dem Ausscheiden von Marc Rich befand sich das Unternehmen im Besitz des Managements. Die zwölf Personen der obersten Führungsetage waren zugleich die größten Anteilseigner.

Börsengang

Im Mai 2011 fand der IPO von Glencore statt. Der Börsengang in London und Hongkong brachte dem Unternehmen bis zu zwölf Milliarden Dollar ein. Damit war der IPO der größte Börsengang des Jahres 2011 sowie der größte Börsengang der London Stock Exchange aller Zeiten.

Beteiligungen

Glencore hält unter anderem Anteile an dem australischen Bergbaukonzern Minara Resources (Nickel) und Century Aluminium aus den USA. Auch an Xstrata hielt Glencore jahrelang 34,5 Prozent. Seit 2007 ist Glencore auch mit dem russischen Aluminium-Konzern Rusal verwoben.

Der Rohstoffhändler meldet vor diesen Sonderposten immer noch einen Gewinnrückgang auf 3,06 Milliarden Dollar. Im Vorjahr erwirtschafteten die berühmt-berüchtigten Grundgüter-Händler einen Gewinn von 4,06 Milliarden Dollar. Dank höherer Fördermengen stieg jedoch der Umsatz um 15 Prozent auf 214,4 Milliarden Dollar. An der Londoner Börse legten Glencore-Aktien um 2,3 Prozent auf 378,55 Pence pro Anteilsschein zu.

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