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16.08.2013

19:14 Uhr

Günstige Energie

Wo der Fracking-Boom versandet

VonSebastian Ertinger

Die Reserven an Schiefergas und -öl beflügeln den Aufschwung der USA. Das Land lockt Investoren mit billiger Energie. An Deutschland zieht der Boom weitgehend vorbei – er beschert aber überraschende Nebenwirkungen.

Arbeiter in einer Fracking-Anlage: Der Export von Schiefergas ist in den USA umstritten. ap

Arbeiter in einer Fracking-Anlage: Der Export von Schiefergas ist in den USA umstritten.

DüsseldorfVom All aus betrachtet lag der US-Bundesstaat Nord Dakota vor zehn Jahren noch völlig im Dunkeln, während Ballungsräume wie Chicago, Boston oder New York auf Satellitenbildern als gleißende Lichtflecke funkeln. Doch heute leuchtet inmitten der schwarzen Leere eine helle Insel: Die Förderanlagen in der sogenannte Bakken-Formation erhellen die Nacht. Weit über 100 Unternehmen pressen hier Erdöl und Gas aus den Tiefen des Schiefergesteins.

Nord Dakota ist neben Texas das Zentrum des Fracking-Booms der USA. Bei dieser Methode wird ein Mix aus Wasser und Sand in die Tiefe gepresst und das im Fels gebundene Öl und Gas herausgelöst. „Die Förderung der Schiefergasvorkommen in Nordamerika mischt definitiv die Karten am Energiemarkt neu“, sagt Josef Packowski, Managing Partner der Unternehmensberatung Camelot Management Consultants. Die durch das Fracking erschlossenen Vorkommen bescheren den USA geradezu eine Energie-Hausse.

Doch in Deutschland kommt dieser Boom nicht an – allenfalls indirekt und nicht immer mit erwünschten Auswirkungen. Denn die USA führen die geförderten Energieträger nicht aus. „Bislang fehlt in den USA die Infrastruktur, um Schiefergas und –öl im großen Stil zu exportieren“, erläutert Packowski.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

Rang 10

Taiwan

Der Inselstaat importiert rund 1,0 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern. Taiwan rangiert auf dem zehnten Platz der Ölverbraucher.

Quelle: Internationale Energieagentur (EIA), Stand: August 2012

Rang 9

Italien

Die Bewohner des Stiefelstaats importieren rund 1,3 Millionen Fass Öl am Tag.

Rang 8

Spanien

Die gleiche Menge Rohöl führt Spanien ein. Dort sind es 1,3 Millionen Barrel am Tag.

Rang 7

Frankreich

Etwas mehr importieren die Nachbarn nördlich der Pyrenäen: Dort sind es 1,7 Millionen Fass Öl täglich.

Rang 6

Südkorea

Noch etwas mehr Öl schnappt sich Südkorea. Das Land importiert 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 5

Deutschland

Der Öldurst Deutschlands ist ähnlich groß wie von Südkorea: 2,3 Millionen Fass Öl importieren die Deutschen täglich.

Rang 4

Indien

Die gleiche Menge des Energieträgers wie Deutschland führt Indien ein. Das aufstrebende Land kommt auf 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 3

Japan

Deutlich mehr Volumen des Energieträgers führen die Japaner ein. Dort sind es 4,3 Millionen Fass täglich. Der Inselstaat ist damit der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

Rang 2

China

Noch mehr des Rohstoffs holt die Volksrepublik ins Land. 5,5 Millionen Fass importieren die Chinesen täglich.

Rang 1

USA

Mit Abstand das meiste Erdöl importieren die USA: Mit 8,7 Millionen Fass täglich liegen die Amerikaner an der Spitze.

So profitiert das Land nahezu allein von den neu erschlossenen Vorkommen. Lediglich zu den Nachbarn Mexiko und Kanada führen Pipelines. Der Preis für Erdgas ist in Nordamerika in den vergangenen Jahren deutlich gefallen. Das Land deckt seinen Energiebedarf zunehmend selbst.

Dagegen schickt sich China an, die USA als größter Netto-Importeur von Rohöl zu überholen, wie die US-Energiebehörde (EIA) jüngst schätzte. Von 2011 bis 2014 werde die Ölproduktion der USA um 28 Prozent steigen und dann 13 Millionen Barrel am Tag erreichen, heißt es in der Prognose. Zudem wächst in der Volksrepublik die Nachfrage, während in den USA der Rohöl-Bedarf stagniert.

Kommentare (49)

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Vicario

16.08.2013, 19:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

16.08.2013, 19:45 Uhr

@Vicario: hats gut getan, diesen Kommentar abzugeben? Na, dann ist ja wieder alles gut. Es wieder mal diesen Amis gezeigt. Was gesagt werden muss...

vandale

16.08.2013, 19:49 Uhr

Fracking geeignete geologische Strukturen gibt es nicht nur in den USA. China, Ru, Indien, Argentinien, GB, Polen und die Ukraine haben geologische Strukturen die wahrscheinlich eine Fracking Förderung von Erdgas ermöglichen.

Auch wenn die herrschenden Oekopriester das Fracking analog Gentechnik und Kernenergie mit einer mittelalterlichen Horrorpropaganda diskriminieren....Über das europäsische Pipelinenetz und Europäische Märkte kommt dann auch ein kleiner Teil des Segens nach Deutschland.

Vandale

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